Spendenaffäre

Aufsichtsrat entlässt EWE-Chef Brückmann

Der Aufsichtsrat des Energieversorgers EWE hat den bisherigen Chef Matthias Brückmann einstimmig entlassen. Er hatte eine größere Summe an eine Stiftung gespendet, offenbar ohne den Aufsichtsrat zu informieren. Brückmann will klagen.

23.02.2017, 09:38 Uhr
EWE© EWE Aktiengesellschaft

Oldenburg – Der bisherige Chef des Oldenburger Energieanbieters EWE, Matthias Brückmann, ist über eine Spende von 253.000 Euro an eine Stiftung des Ex-Boxweltmeisters Wladimir Klitschko gestürzt. Nach einer einstimmigen Entscheidung des Aufsichtsrates wurde er mit sofortiger Wirkung aus seinem Amt und dem Unternehmen entlassen, wie ein EWE-Sprecher nach der Sitzung des Kontrollgremiums am späten Mittwochabend mitteilte.

Gutachten: Aufsichtsrat hätte Spende zustimmen müssen

Die Entscheidung basiert demnach auf dem Bericht einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft, den das Kontrollgremium in Auftrag gegeben hatte, und "einer Vielzahl diverser grober Verfehlungen", hieß es. In dem Gutachten wurden mehrere Vorwürfe gegen Brückmann untersucht. Der schwerwiegendste Vorwurf drehte sich um die Spende, die der EWE-Chef im vergangenen Jahr an die Klitschko-Stiftung nach Kiew überweisen ließ, ohne den Finanz- und Prüfungsausschuss des Aufsichtsrates zu informieren. Nach Angaben eines EWE-Sprechers hätte das Gremium der Zahlung zustimmen müssen.

Brückmann will klagen

Brückmanns Anwalt, Bernd-Wilhelm Schmitz, kündigte kurz nach der Entscheidung eine Klage an. "Die gegenüber Herrn Brückmann erhobenen Vorwürfe sind völlig haltlos. Der Widerruf seiner Bestellung zum Vorstandsvorsitzenden und die Kündigung seines Anstellungsvertrages sind daher unbegründet", schrieb der Jurist. "Da Herrn Brückmann eine Stellungnahme zu den Vorwürfen im Aufsichtsrat verweigert wurde, hätte im Übrigen in der heutigen Sitzung gar keine Entscheidung getroffen werden dürfen."

Vorstandsriege bei EWE stark gelichtet

Nach der Entlassung Brückmanns sind bei EWE drei von fünf Vorstandsposten unbesetzt. "Wir schauen nun nach vorne und nehmen uns die erforderliche Zeit, die es braucht, um ein kompetentes und kraftvolles Vorstands-Team zusammenzustellen", sagte Aufsichtsratschef Stephan-Andreas Kaulvers. Ziel sei, verloren gegangenes Vertrauen in das Unternehmen zurückzugewinnen.

EWE ist einer der größten Stromanbieter Deutschlands. Das Unternehmen ist eine nicht börsennotierte Aktiengesellschaft und überwiegend im Besitz von Städten und Landkreisen in Nordwestdeutschland. Der Konzern beschäftigt rund 9.000 Mitarbeiter.