Klimakonferenz

48 Länder planen den Kohleausstieg

Dutzende ärmere Länder wollen ein Zeichen gegen die Erderwärmung setzen und planen gemeinsam des Kohleausstieg. Die Länder gehören zu denen, die von den Folgen des Klimawandels besonders betroffen sind.

21.11.2016, 09:54 Uhr (Quelle: DPA)
Kohlebergwerk© psychoschlumpf / Fotolia.com

Marrakesch – Dutzende Länder, die besonders unter dem Klimawandel leiden, möchten gemeinsam aus der Kohle aussteigen. Insgesamt 48 Länder wollen so schnell wie möglich in der heimischen Energieerzeugung ganz auf erneuerbare Quellen wie Wind und Sonne umschwenken. Die Unterzeichner verpflichteten sich dazu am Freitag mit einer gemeinsamen Erklärung, der "Marrakesch-Vision".

Neue Initiative soll helfen, die Erderwärmung zu begrenzen

Die meisten der Unterzeichnerstaaten gehören zur Koalition jener Länder, die besonders von der Erderwärmung betroffen sind ("Climate Vulnerable Forum", CVF). Die 48 Länder stoßen derzeit nach Angaben von Greenpeace gemeinsam so viel Treibhausgase aus wie Russland, der fünftgrößte CO2-Produzent der Welt.

Offiziell sollte die Initiative erst am späteren Vormittag am Rande der Klimakonferenz in Marrakesch vorgestellt werden. Die Hilfsorganisation "Brot für die Welt" hielt sich nach Angaben des CVF nicht an Absprachen und machte die Informationen vor Ablauf der vereinbarten Sperrfrist bekannt. Ob tatsächlich alle Staaten unterzeichnen würden, war zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht klar.

Was ist mit dem deutschen Kohleausstieg?

Annalena Baerbock, Sprecherin für Klimapolitik der Grünen- Bundestagsfraktion, forderte, der Appell dürfe auch in Deutschland nicht ungehört verhallen. "Es reicht nicht, wenn Bundesumweltministerin Barbara Hendricks anderen Ländern, wie beispielsweise Marokko, empfiehlt, keine neuen Kohlekraftwerke zu bauen. Solche Ansagen müssen sich dann auch im deutschen Klimaschutzplan wiederfinden."

Ähnlich äußerte sich Martin Kaiser, Geschäftsführer von Greenpeace Deutschland. "Es ist ein Armutszeugnis, dass Deutschland beim Kohleausstieg inzwischen von immer mehr Ländern überholt wird. Die Bundesregierung darf diese wichtige Entscheidung nicht länger verschleppen, sie muss jetzt einen sozialverträglichen Ausstieg aus der Kohle bis spätestens 2030 umsetzen", verlangte er.

Um den deutschen Plan war lange gerungen worden. Deutschland will demnach seinen Ausstoß von Treibhausgasen bis zum Jahr 2050 um 80 bis 95 Prozent reduzieren - ein verbindliches Klimaschutzgesetz ist der Plan aber nicht.

Kohleausstieg als gesellschaftlicher Prozess

Umwelt-Staatssekretär Jochen Flasbarth von der deutschen Delegation in Marrakesch betonte hingegen, der Kohleausstieg komme auch in Deutschland: "Dass wir das am Ende machen, daran kann doch überhaupt kein Zweifel bestehen. Und vielleicht müssen wir das ein bisschen schneller machen, als der ein oder andere denkt." Ziel in Deutschland sei aber, den Kohleausstieg in einem "gesellschaftlichen Prozess" zu gestalten, damit möglichst wenig Menschen das Gefühl hätten, das werde über ihren Kopf hinweg entschieden.