Rabattschlacht

10.000 Euro für den alten Diesel: Wer bietet mehr?

Nach dem Diesel-Gipfel verkünden viele Autobauer nach und nach Prämien und Preisnachlässe für den Kauf oder Tausch alter Diesel-PKW. VW liegt mittlerweile an der Spitze: Der Hersteller bietet 10.000 Euro Rabatt beim Kauf eines Euro-6-Neuwagens.

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Wolfsburg/ Stuttgart - Die deutsche Autoindustrie liefert sich angesichts drohender Fahrverbote und sinkender Zulassungszahlen neuer Dieselautos eine Rabattschlacht. Der VW-Konzern übertraf seine Konkurrenten am Dienstag mit der Ankündigung, Besitzern alter Dieselautos Preisnachlässe von bis zu 10.000 Euro zu gewähren. Das Angebot richtet sich an alle Fahrer eines beliebigen Diesel-Fahrzeugs der Abgasnormen Euro 1 bis Euro 4, die einen Euro 6-Neuwagen von VW oder der Ingolstädter Tochter Audi kaufen. Das teilten VW und Audi am Dienstag mit.

Ähnliche, aber niedrigere Rabatte und Zuschüsse hatten zuvor bereits Ford, BMW und Toyota angekündigt. Daimler präzisierte derweil die Umtauschprämie, die nach Angaben vom Dienstag 2.000 Euro betragen soll.

Was steckt hinter den Rabatten?

Hinter den Preisnachlässen verbirgt sich eine Abwrackprämie auf Konzernkosten: Entscheidet sich ein Kunde für den Rabatt, lässt VW den alten Wagen verschrotten. Damit will Volkswagen nicht nur die Luft säubern - sondern auch verhindern, dass der Verkaufswert gebrauchter Diesel in den Keller rauscht. "Damit entlasten wir den Markt", sagte Deutschland-Vertriebs- und Marketingchef Thomas Zahn in einer Telefonkonferenz am Dienstag. Mit der Prämie nehme man Fahrzeuge aus dem Gebrauchtwagenmarkt, das hebe tendenziell die Preise. Das ist nach den Worten des VW-Managers ein Ziel der Aktion.

Mercedes-Prämie liegt bei maximal 2.000 Euro

Daimler bietet den Besitzern alter Dieselfahrzeuge eine Umtauschprämie von 2.000 Euro, wenn sie ein neues Mercedes-Benz-Fahrzeug kaufen. Für einen Smart Electric Drive gibt es 1.000 Euro, wie ein Sprecher am Dienstag mitteilte. Die Prämie bekommen Besitzer von Diesel-Autos aller Marken mit den Abgasnormen Euro-1 bis Euro-4, wenn sie bis Ende des Jahres einen neuen Mercedes-Diesel mit Euro-6, Plug-in-Hybride oder einen elektrischen Smart kaufen. Die alten Autos müssen mindestens sechs Monate auf die aktuellen Besitzer zugelassen sein.

Leasingverträge sind ein Risiko für die Autobauer

Nicht nur für Dieselfahrer, auch für die Bilanzen der Autobauer ist die Entwicklung der Restwerte wichtig. Denn wegen vieler Leasingverträge entsteht den Unternehmen ein Risiko, wenn der Verkaufswert von Gebrauchtwagen sinkt - sie sind de facto Eigentümer der geleasten Autos. Für den Erwerb von Autos mit alternativen Antriebsarten wie Erdgas- oder Elektromotor stellt VW zudem je bis zu 2.380 Euro in Aussicht. Die beiden Rabatte gelten bis Ende 2017.

KBA: Umrüstung kommt für 6,4 Millionen PKW in Frage

Der Wolfsburger Konzern hatte vergangene Woche nach dem Berliner Dieselgipfel Umstiegsprämien für sämtliche VW-Marken angekündigt. Die Anzahl der für die "Umstiegsprämie" in Frage kommenden Fahrzeuge beläuft sich nach Angaben des Kraftfahrtbundesamts auf 6,4 Millionen Autos in Deutschland mit den Abgasnormen Euro-1 bis Euro-4, wie Zahn sagte. Mit welchen Gesamtkosten VW für die Aktion rechnet, wollte Marken-Vertriebsvorstand Jürgen Stackmann nicht genau sagen. Es handele sich aber um einen "bedeutenden" Millionen-Euro-Betrag.

Dobrindt fordert ausländische Firmen zu Maßnahmen auf

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt appellierte an ausländische Autohersteller, es im Interesse sauberer Luft den deutschen Unternehmen nachzutun: "Die internationalen Hersteller sind dringend aufgefordert, mit vergleichbaren Maßnahmen ihren Beitrag zur Reduzierung von NOx zu leisten", sagte der CSU-Politiker dem Radiosender "Antenne Bayern".

Diesel-Verkauf ist zurückgegangen

Fachleute gehen davon aus, dass die Rabattaktionen neben der der Reduzierung giftiger Stickoxide auch einem anderen Hauptzweck dienen: In den vergangenen Monaten sind die Zulassungszahlen neuer Diesel zurückgegangen, während Benziner, Hybride und Elektroautos zugelegt haben. So ging allein in Bayern die Zahl neu angemeldeter Diesel im ersten Halbjahr um über sechs Prozent zurück, obwohl die Autoverkäufe insgesamt zulegten.

Autobauer kündigten Updates an

Beim Dieselgipfel in Berlin hatten Volkswagen, Daimler, BMW und Opel außerdem "umfassende und zügige" Updates an der Steuersoftware von etwa 5,3 Millionen Pkw der Schadstoffnormen Euro 5 und 6 zugesagt. Dabei sind rund 2,5 Millionen Autos eingerechnet, die VW ohnehin zurückrufen muss.

Umweltexperte: Diesel-Verkauf steht im Vordergrund

Grünen-Umweltexperte Oliver Krischer kritisierte den Kurs: "Die Abwrackprämie von VW dient wohl eher der Dieselabsatzförderung als dem Umweltschutz", sagte der Bundestagsabgeordnete. "Wenn VW wirklich etwas für saubere Luft in Städten tun will, sollte der Autobauer eine kostenlose Hardware-Nachrüstung für Euro 5 und 6 anbieten."

Quelle: DPA