Pro und Contra

Windkraft und ihre Auswirkungen auf die Umwelt

Windkraftanlagen sind in unserer Landschaft allgegenwärtig und wichtiger Bestandteil der Energiewende – grüner Strom soll besonders umweltfreundlich sein. Doch es gibt auch viele kritische Stimmen. Welche Auswirkungen Windräder auf die Umwelt haben, klären wir hier.

windenergie© Petair/ Fotolia.com

Windkraft in Deutschland – Eine Bestandsaufnahme

Deutschland führt europaweit die Statistik in der Windenergie an: 44.946 Megawatt installierte Leistung waren es laut Bundesverband WindEnergie Ende 2015 in Deutschland. Bereits Platz zwei ist weit abgeschlagen: Spanien hat 23.025 Megawatt Leistung installiert. Weltweit gesehen liegt Deutschland hinter China und den USA auf Platz drei.

In Deutschland stehen Ende 2016 insgesamt 27.270 Windenergieanlagen, die meisten davon in Niedersachsen. Hier sind 9.324 Megawatt Leistung installiert. Weiterhin sind Schleswig-Holstein, Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen oben mit dabei. Deutschlandweit macht die Versorgung mit Windenergie immerhin satte 13 Prozent im Strommix aus.

Strom aus Wind – und alles wird gut?

Grundsätzlich steht man in Deutschland den regenerativen Energien positiv gegenüber. Bei einer Umfrage 2016 befürworteten 93 Prozent der Befragten den verstärkten Ausbau von grünen Energiequellen – denn diese machen uns unabhängig von Kohle, Öl und Gas und verringern unseren Ausstoß an schädlichen Klimagasen. Alles prima also? Jein, hier gibt es noch einige Punkte zu beleuchten – denn auch wenn Windenergie als umweltschonend dargestellt wird, ist es keineswegs so, dass es nicht Konfliktpotenzial in Natur und Umwelt gäbe.

EnergiewendeWind oder Kohle – welches ist das kleinere Übel?© Stefan Ouwenbroek / Fotolia.com

Selbstverständlich stellt der Bau einer Windenergieanlage einen Eingriff in die Natur dar und auch der Betrieb hat Auswirkungen auf die Umwelt. Flora, Fauna und Landschaft werden beeinträchtigt – wie auch bei ziemlich allem anderen, was der Mensch so treibt. Grundsätzlich gilt es, die Lösung mit dem kleineren Übel zu wählen: Welche bei der Entscheidung zwischen einem neuen Kohlekraftwerk oder einer Windenergieanlage wohl pro Windenergie ausfallen dürfte. Die folgenden Punkte sollen also keineswegs die Windkraft als "No Go" darstellen, sondern viel eher auch gerne verschwiegene Problemfelder der Windenergieanlagen beleuchten.

Wie lange dauert es, bis sich eine Windkraftanlage rentiert?

Sobald ein Windrad steht und Wind weht, wird Strom produziert – ohne weitere Kosten und Abgase, jederzeit verfügbar und quasi unendlich. Häufig wird jedoch vergessen, dass auch so eine Windkraftanlage erst einmal produziert werden muss – Material und Energie zur Herstellung müssen schließlich auch irgendwo herkommen. Nicht zuletzt nutzt sich eine Windkraftanlage auch ab, verlangt nach Wartung und muss irgendwann runderneuert werden. Man geht von einer Lebensdauer von 20 bis 25 Jahren aus. Auch dann wird wieder Material und Energie aufgewendet, nicht zuletzt für die Entsorgung veralteter oder defekter Bauteile.

Die energetische Amortisationszeit, also die Zeit, bis eine Windkraftanlage so viel Energie produziert hat, wie bereits in der Herstellung aufgewendet wurden, liegt etwa bei einem halben Jahr – je nach Leistung der Anlage und Standortbedingungen. Rentabel wird die Investition erst etwa nach 10 bis 15 Jahren – der Erstinvestition und den laufenden Betriebskosten stehen die Erlöse für den produzierten Strom gegenüber.

Beeinträchtigung von Flora und Fauna

Zurückstecken bei Windenergieanlagen müssen Pflanzen und vor allen Dingen Tiere. Bereits beim Bau der Windkraftanlage vor Ort geht es los: Es müssen Zufahrtswege geschaffen werden, Fundamente werden gelegt, Boden wird verdichtet und befestigt – hier werden künftig andere Pflanzen wachsen als zuvor. Das Verkehrsaufkommen in der Umgebung steigt durch Anlieferungen, Montagen und auch durch spätere Wartungsarbeiten – Stoffeinträge, Lärmemissionen und Störwirkung vertreiben den ein oder anderen ehemaligen Bewohner. Auch Bäume oder Hecken müssen weichen – Lebensraum für Tiere und Pflanzen wird verändert und verschwindet unmittelbar.

Während des Betriebes sind es besonders die Tiere, ganz konkret die fliegenden Tiere, die immer wieder Probleme mit den großen Rotoren bekommen. Vögel und Fledermäuse haben teilweise erhebliche Schwierigkeiten, die Bewegung der Rotoren einzuschätzen, sodass es immer wieder zu Kollisionen kommt. Dabei muss der Rotor nicht unbedingt das Tier treffen, auch der Unterdruck rund um die einzelnen Rotorblätter kann kleineren Tieren gefährlich werden. An den Rotorblättern, die teilweise bis zu 250 Kilometer pro Stunde erreichen, treten gefährliche Luftwirbel und Druckunterschiede auf, die etwa bei Fledermäusen einfach die Lungen platzen lassen.

Wie viele Tiere tatsächlich zu Tode kommen, lässt sich nur schwer genau bestimmen: Meister Fuchs, andere Raubtiere und Aasfresser haben schnell gelernt, dass unter Windkraftanlagen häufig ein gefundenes Fressen auf sie wartet.

Gewöhnungseffekt schützt heimische Vögel

In den vergangenen Jahren ließ sich beobachten, dass besonders heimische Vögel die Standorte von Windenergieanlagen meiden – sie scheinen gelernt zu haben, dass von den Rotoren Gefahr ausgeht und umfliegen diese großräumig. Zwar schützt das die einzelnen Tiere, bedeutet gleichzeitig jedoch wieder einen Habitatverlust und erhöhten Druck auf verbleibende Lebensräume. Zugvögel und standortfremde Individuen kennen die Windkraftanlagen hingegen nicht und steuern direkt durch einen Windpark hindurch – mit entsprechenden Schlagopfern.

Studien zeigen, dass die Zahl der Schlagopfer auch mit dem Standort der Windkraftanlagen zusammen hängt. An vogel- und fledermausreichen Standorten wie etwa nahe Gewässern oder Wäldern ist die Opferzahl am höchsten. Die Anlagengröße und -leistung hingegen scheint weniger Einfluss auf die Kollisionshäufigkeit zu haben. Besonders häufig betroffen sind beispielsweise Möwen und Greifvögel. Rotmilan und Seeadler, die im Flug Ausschau nach Nahrung am Boden halten, bemerken häufig gar nicht, dass sie mitten in eine Gefahrenzone hineinsteuern.

windkraftDroht durch Windräder eine "Verspargelung" der Landschaft?© elxeneize/ Fotolia.com

Landschaftsbild wird beeinträchtigt

Springen wir nun zu einem anderen Thema, wo auch der Mensch wieder mehr in den Mittelpunkt rückt: Windkraftanlagen sind häufig auch aus kilometerweiter Entfernung zu sehen – und beeinflussen somit das Landschaftsbild. War noch vor dreißig Jahren auf dem Land der Kirchturm mit rund 30 Metern der höchste Punkt, überragen Windkraftanlagen diesen mit bis zu 210 Metern Höhe ohne Weiteres. Beim Aufenthalt in der Landschaft kommen der periodisch wiederkehrende Schattenwurf und die Geräuschkulisse in unmittelbarer Umgebung von Windkraftanlagen hinzu.

Manche begrüßen dieses Bild, andere wiederum fühlen sich dadurch gestört. Hier könnte man nun beginnen, darüber zu philosophieren, was "schön" ist – es ist jedoch davon auszugehen, dass sich der Mensch an das neue Landschaftsbild gewöhnen wird. Empfinden wir heute etwa historische Windmühlen als schön und Teil der Landschaft, so könnte es kommenden Generationen mit Windkraftanlagen ebenso gehen.

Geeignete Standortwahl ist entscheidend

Damit die zuvor genannten Nachteile so gering wie möglich bleiben, ist es wichtig, Windkraftanlagen nicht einfach irgendwo zu platzieren, sondern gezielt nach geeigneten Standorten zu suchen. Dafür zuständig ist die Raumordnung, welche Eignungsgebiete für Windkraftanlagen ausweist. Hierbei prüft sie potenzielle Konflikte mit anderen Nutzungsformen. Darunter nicht nur Flora, Fauna und Landschaftsbild sowie dessen Erholungsfunktion für den Menschen, sondern auch Landwirtschaft, Rohstoffgewinnung, andere Infrastrukturvorhaben und mehr. Im späteren Planungsabschnitt werden sogar Geographie und Blickachsen in der Landschaft bedacht.

Geeigneter Standort garantiert keinen Bau

Ist ein Standort gefunden und soll der Bau losgehen, ist der Naturschutz bei weitem nicht außen vor. Durch zahlreiche verfahrensbegleitende Prüfungen soll sichergestellt werden, dass die Windkraft an dieser Stelle die kleinstmögliche Auswirkung auf die Umwelt hat. So wird der Standort nochmals genauestens auf seine Tiervorkommen geprüft – finden sich beispielsweise seltene und schützenswerte Populationen, wie sie etwa in der europaweiten FFH-Richtlinie oder im Bundesnaturschutzgesetz genannt werden, kann der Bau der Windkraftanlage an diesem Standort noch immer scheitern. Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen in unmittelbarer oder weiterer Umgebung sind heute bei nahezu allen Bauvorhaben vorgeschrieben.

Und wie siehts auf dem Meer aus?

Offshore-WindkraftOffshore, also im Meer, ist die Windausbeute oft besonders hoch.© halberg / Fotolia.com

Nicht nur Onshore-Anlagen, also Windkraft zu Lande, sondern auch Offshore-Windparks in Nord- und Ostsee nehmen zu. Hier bläst der Wind nahezu immer und der Bau kommt nur selten in Konflikt mit anderen Landnutzungsformen, minus der Seefahrt und dem Naturschutz.

Neben den Vögeln gibt es auf dem Meer vor allen Dingen Probleme mit Wasserbewohnern wie Schweinswal, Kegelrobbe und Seehund. Beim Bau und auch beim Betrieb werden Schallwellen frei, die im Wasser noch kilometerweit zu hören sind. Durch die Verlegung von Pipelines und das Setzen von Fundamenten wird außerdem der Meeresboden verändert, elektromagnetische Strahlung und Wärmeabgabe sind im Betrieb zu verzeichnen.

Durchgeführte Studien sind hier noch sehr widersprüchlich. Manche wollen belegen, dass Meeressäuger dauerhaft aus der Umgebung von Windparks verschwinden, durch den Baulärm gar Gehörschädigungen davontragen, andere Studien wiederum weisen darauf hin, dass Schweinswal und Co. nach dem Bau wieder zurückkehren. Klar ist mittlerweile jedoch, dass Fische und andere kleine Meeresbewohner in Offshore-Parks einen Rückzugsort finden, denn innerhalb von Windparks ist die Schifffahrt und somit auch die Fischerei verboten.

Ausführliche Infos zum Thema Strom
  • Energiewende

    dena

    Dena: Die Deutsche Energie-Agentur und ihr Wirken

    Die dena – kurz für Deutsche Energie-Agentur GmbH – wurde im Jahr 2000 auf Initiative der damaligen rot-grünen Bundesregierung gegründet. Wer die dena genau ist und welche Ziele sie verfolgt, erklären wir hier.

  • Lichtverschmutzung

    Lichtverschmutzung

    Lichtverschmutzung: Kunstlicht macht die Nacht zum Tag

    Lichtverschmutzung ist der Grund dafür, dass vor allem in den Städten die Nacht nicht mehr richtig dunkel wird. Das hat vielfältige Auswirkungen auf Mensch und Natur. Entsprechend gibt es auch Bemühungen, der Lichtverschmutzung entgegenzuwirken.

  • Stromkabel

    Strom

    Strom - Was ist das eigentlich?

    So gut wie nichts in unseren Haushalten funktioniert heute noch ohne Strom, angefangen bei den Lampen, die unsere Wohnungen am Abend mit Licht versorgen über den Fernseher, die Mikrowelle oder die Spülmaschine. Jeder hat auch die Begriffe Wechselstrom und Gleichstrom schon einmal gehört: Doch was genau ist das eigentlich?