Explosion beim VW Touran

Sicherheit beim Erdgasauto: Besteht beim Tanken eine Gefahr?

Spätestens seit dem Vorfall mit dem VW Touran im Sommer 2016 ist das Erdgasauto bezüglich seiner Sicherheit in Verruf geraten. Was hat sich damals ereignet? Sind Erdgasautos generell gefährlich? Und wie wird die Sicherheit geprüft?

Erdgas tanken© Zukunft ERDGAS/Danny Kurz

Im Spätsommer 2016 explodierte an einer Aral-Tankstelle in Duderstadt ein Erdgasauto von Volkswagen - Modell Touran. Daraufhin wurde vorsorglich der Verkauf von Erdgas bei mehreren Tankstellenfirmen eingestellt. Ein schrecklicher Unfall, der aber womöglich hätte verhindert werden können. Denn der betreffende VW Touran war von einer Rückrufaktion betroffen. Dabei sollten die Gasflaschen mehrerer Fahrzeugmodelle von VW ausgetauscht werden.

Wie konnte es überhaupt zu einer Explosion kommen?

Beim Tanken mit einem Erdgasauto, wird der Treibstoff CNG mit 200 bar Hochdruck in den Tank gejagt. Deshalb müssen die Tanks besonders stabil sein. Nimmt die Wandstärke der Gasflaschen durch Korrosion ab, dann erhöht sich die Gefahr, dass die Behälter unter dem Druck bersten. Wie sich herausstellte, waren die Erdgasbehälter bei dem betreffenden Unfall-Wagen verrostet und konnten so dem Druck bei der Betankung nicht standhalten.

Der VW Touran war nicht das erste Auto, der wegen verrosteter Gasflaschen explodierte. 2012 war es in Wolfratshausen bereits beim Betanken eines Touran EcoFuel zu einer Explosion gekommen. Auch damals hatte VW eine erste kleinere Rückrufaktion gestartet, bei der Gasflaschen ausgetauscht wurden. Nach dem Vorfall mit dem Touran 2016 wurde die bestehende Rückrufaktion noch ausgeweitet auf weitere Modelle und ältere Jahrgänge. In der Regel werden Fahrzeughalter durch den Hersteller über einen Rückruf informiert. Beim Kraftfahrt-Bundesamt gibt es aber auch eine Datenbank, um aktuelle und vergangene Rückrufe abzufragen.

Gesetzliche Vorschriften für die Fahrzeug-Zulassung

Seit 1. April 2006 gilt eine Neuregelung für die Zulassung von Erdgasautos bzw. deren Druckgasanlagen (§ 41a StVO). CNG-Autos, die neu zugelassen werden, müssen seitdem die Typgenehmigung nach ECE 110 durchlaufen haben. Der Druckgasbehälter darf dabei maximal 20 Jahre in Betrieb sein. Für Fahrzeuge, die auf Erdgas umgerüstet werden sollen, ist eine Genehmigung nach ECE 115 verpflichtend. Ältere Fahrzeuge, die noch nach der Druckbehälterverordnung zugelassen sind, müssen alle 3, 5 oder 10 Jahre einer aufwendigen Prüfung unterzogen werden. Außerdem endet die Betriebszeit hier nach 15 Jahren. Die Druckbehälterverordnung wurde 2006 durch die noch immer bestehende EU-Regelung (ECE 110/ ECE 115) abgelöst. Bei wenigen Herstellern konnten ältere CNG-Fahrzeuge nachträglich auf ECE 110 umgeschrieben werden.

Hauptuntersuchung und Prüfung der Gasanlage

Die Hauptuntersuchung (HU) ist auch für Erdgasfahrzeuge alle zwei Jahre Vorschrift. Zusätzlich zur HU muss eine Gasanlagenprüfung (GAP) durchgeführt werden (Kosten ca. 25 Euro). Bei der HU darf die letzte GAP nicht länger als ein Jahr her sein. Die Untersuchung der Gasanlage muss auch durchgeführt werden, wenn es zu einem Unfall kam und/ oder das Fahrzeug repariert werden musste. Bei der GAP wird unter anderem die Dichtheit der Bauteile, deren Funktionalität und die Befestigung der Gasflaschen überprüft. Die Untersuchung kann durch den TÜV oder anerkannte Kfz-Betrieb durchgeführt werden.

Wenn ein Auto auf Erdgas umgerüstet wurde, muss eine sogenannte Gas-Systemeinbau-Prüfung (GSP) nachgewiesen werden. Die Untersuchung kostet etwa 100 Euro. Anschließend muss die Prüfung der Zulassungsbehörde gemeldet und in den Zulassungspapieren dokumentiert werden.

Wie sicher sind CNG-Fahrzeuge?

Die Werkstoffe und Technologien bei den Gastanks entwickelten sich immer weiter. Stahltanks, wie sie bei den ersten Erdgasmodellen verwendet wurden, werden mittlerweile mit speziellen Lackierungen versehen, um den Kollisionsschutz zu erhöhen. Bei neuen Modellen kommen Tanks zum Einsatz, die aus Kunststoffen bestehen, die nicht rosten. Außerdem müssen die Gasflaschen über die GAP regelmäßig überprüft werden. Zudem sind bisher nur sehr wenige Fälle bekannt, in denen es durch die CNG-Tanks zu einer Gefahrensituation kam, obwohl knapp 100.000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland unterwegs sind (Quelle: Zukunft Erdgas e.V.).

Der ADAC bestätigt auf seiner Homepage: "Die Tanks sind für einen Betriebsdruck von 200 bar ausgerichtet, die Sicherheitsprüfung des TÜV schreibt sogar einen Berstdruck von 600 bar vor. Sicherheitsventile sorgen im extremen Schadensfall für ein gezieltes Abblasen oder - zum Beispiel bei einem Brand - für ein kontrolliertes Abbrennen der Gasfüllung und verhindern damit die Gefahr von Explosionen. Im Freien besteht selbst beim Entweichen großer Gasmengen keine Explosionsgefahr, da Erdgas leichter als Luft ist und sich sofort in der Atmosphäre verflüchtigt. Wichtig für den sicheren Umgang mit der Technik ist jedoch die Einhaltung der Prüfintervalle und -richtlinien."

Wie ist es bei einem Unfall um die Sicherheit beim Erdgasauto bestellt?

Kommt es mit einem Erdgasauto zu einer Kollision, ist die Gefahr nicht höher als bei einem Benzin- oder Diesel-Fahrzeug. Zu diesem Ergebnis kommt der ADAC nach einem Crashtest mit dem Opel Zafira CNG. Leicht erhöht sind demnach die Belastungen für Insassen bei einem Aufprall von Vorne im Bereich der Knie, weil das Gewicht der Erdgasausstattung höher ist, als bei dem Standardmodell des Fahrzeugs. Bei einem Unfall von der Seite ergeben sich keine Abweichungen. Auch das Brandrisiko soll dem ADAC zufolge nicht erhöht sein.

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