Grüne Tarife

Ökogas und Biogas: Welche Tarife sind wirklich grün?

Ökogas, Biogas und Bioökogas: Bei den vielen unterschiedlichen Bezeichnungen ist es für Verbraucher schwer, den Durchblick zu behalten. Dabei gibt es Tarife, die grüner sind als andere. Was sind die Unterschiede?

Biomasse© Swetlana Wall / Fotolia.com

Heidelberg (dpa/tmn/red) - Ökostrom ist in Deutschland weit verbreitet. Ökogas dagegen bewegt sich noch in einer eher kleinen Nische. Außerdem gibt es unterschiedliche Produkte, deren Namen für Verwirrung sorgen.

Klimagastarife investieren in Umweltprojekte

Grundsätzlich ist alles, was als Ökogas angeboten wird, Methan. Chemisch also der gleiche Stoff wie Erdgas. Selbst Ökogas kann "ganz normales Erdgas sein", erklärt Florian Krüger vom Vergleichsportal Verivox. "Es wird dann in sogenannten Klimagastarifen vermarktet, bei denen die Versorger eine Investition in Umweltprojekte garantieren, etwa in die Wiederaufforstung von Wäldern." So kann der Klimaschaden durch das Kohlendioxid ausgeglichen werden, das bei der Verbrennung von Methan entsteht.

Biogas oder Ökogas nicht teurer als die Grundversorgung

"Klimagastarife sind nicht teurer als normale", sagt Krüger. Oft seien sie sogar die günstigsten, weil die Anbieter über den Umweltnutzen Kunden gewinnen möchten. "Gegenüber dem Grundversorgungstarif kann man mit einem Klimagastarif bis zu 300 Euro im Jahr sparen", sagt der Experte. Beim Grundversorger ist man automatisch, wenn man seinen Tarif noch nie gewechselt hat.

Klimagastarife werden unter anderem vom TÜV zertifiziert. Für die Beurteilung gibt es unterschiedliche Standards, von denen der beste der Gold-Standard ist, sagt Krüger: "Er bestätigt, dass durch das Angebot tatsächlich ein Zusatznutzen für die Umwelt entsteht."

Mais, Silphie und Kleegras sind Energiepflanzen

Während das Ökogas aus den Klimatarifen meist importiertes Erdgas ist, stammt Biogas aus der Vergärung von organischen Stoffen. "Es wird in Deutschland zu zwei Dritteln aus Abfall und Gülle hergestellt. Rund ein Drittel stammt aus nachwachsenden Rohstoffen, also aus Pflanzen", berichtet Matthias Edel von der Deutschen Energieagentur dena. Die am häufigsten angebaute Energiepflanze ist Mais, was wegen der Monokulturen für Kritik sorgt. Ebenfalls gute Energiepflanzen sind die Silphie, Topinambur oder Kleegras.

Im sogenannten Biogasregister dokumentiert die dena, wie viel Biogas die Erzeuger aus welchen Rohstoffen herstellen. Es wird so aufbereitet, dass es chemisch dem Methan entspricht. Händler und Energieversorger, die das Gas an die Endverbraucher liefern, bekommen Nachweise mitgeliefert, dass sie eine tatsächlich vorhandene Gasmenge verkaufen. Schließlich bekommt man sein Biogas nicht über eine eigene Pipeline ins Haus, sondern es strömt ins Gasnetz,vermischt sich dort mit dem Erdgas. "Über das Biogasregister können die Mengen und die Herkunft aber bilanziell nachgewiesen werden", sagt Matthias Edel.

Ökobiogas aus dem Ökolandbau

Einen geringen Anteil am Biogasmarkt hat Ökobiogas. Hier stammen die Rohstoffe aus dem Ökolandbau. "Insgesamt ist der Markt für Biogas zum Heizen relativ klein", sagt Edel. Laut einer Untersuchung von Prof. Frank Scholwin vom Institut für Biogas, Kreislaufwirtschaft & Energie wird das meiste Biogas in Kraft-Wärme-Kopplungen verbrannt. Sie erzeugen Strom und nutzen gleichzeitig die dabei entstehende Abwärme. Mit den effizienten Anlagen lassen sich die höchsten Klimagaseinsparungen erreichen, schreibt Scholwin in einem Dossier zum Stand der Biogasnutzung.

Wasserstoffgas per Elektrolyse

Eine noch sehr geringe Rolle im Ökogasmarkt spielt Wasserstoffgas, das per Elektrolyse hergestellt wird, sagt Edel. In dem Verfahren wird Wasser mit Strom in Wasserstoff und Sauerstoff gespalten. Das macht Sinn, wenn viel überschüssiger Strom aus erneuerbaren Energien anfällt. Eine der wenigen Anlagen, die Gaskunden mit Wasserstoff zum Heizen versorgt, betreibt denn auch der Prenzlauer Windanlagenbauer Enertrag. In kleinen Mengen kann Wasserstoff problemlos ins Erdgasnetz eingespeist werden.

Unterschiedliche Beimischungen beim Ökogas

Häufiger Anlass zum Wechsel des Gastarifs ist ein Umzug. Möchte man mit dem Bezug von Biogas etwas für die Umwelt tun, hat man meist die Wahl zwischen Biogas-Beimischungen von 5, 10, 20 oder 30 Prozent. Von 300 Versorgern, die irgendeine Form von Ökogas im Angebot haben, liefert immerhin jeder Zehnte ein 100-prozentiges Biogas, sagt Florian Krüger. "Es stammt dann meist aus der Abfallverwertung in der Region." Die günstigsten Tarife mit Beimischungen seien nicht teurer als der Durchschnitt, diejenigen mit 100 Prozent Biogas in der Regel schon, sagt Krüger. Aber auch hier gibt es Anbieter, die nur knapp über dem Grundversorgertarif liegen.

Label für Ökogas

Bei der Suche nach einem nachhaltigen Biogastarif können sich Verbraucher am Label "Grünes Gas" orientieren, das von sieben gemeinnützigen Umwelt- und Verbraucherverbänden vergeben wird. "Es legt strenge Kriterien an die Herkunft der Rohstoffe an", sagt Edel. Wert gelegt wird auf eine ausgewogene Fruchtfolge, Monokulturen werden also vermieden. Wenig mineralische Düngung, wenig Pflanzenschutzmittel und kurze Transportwege sind weitere Kriterien, Gentechnik ist ausgeschlossen.

Quelle: DPA

Ausführliche Infos zum Thema Gas
  • Energiewirtschaft

    Erdgas

    Erdgas: Herkunft, Förderung und Reserven

    Ohne Erdgas sähe die heutige Welt ganz anders aus als wir sie kennen. Doch wo kommt Erdgas eigentlich her, wie wird es verwendet und wann wird es knapp werden? Dieser und anderen Fragen gehen wir hier nach!

  • CO2 Emissionen

    CO2

    CO2 und der Zusammenhang mit dem Weltklima

    Kohlenstoffdioxid, auch als CO2 bekannt, ist in aller Munde. Der Hauptgrund dafür ist wohl die klimaschädigende Wirkung des Gases. Doch was genau macht CO2 so schädlich, wo es doch in großen Mengen ohnehin in der Natur vorkommt?

Weitere Ratgeber
  • Solarenergie

    Welche Auswirkungen hat Photovoltaik auf die Umwelt?

    Photovoltaik leistet einen wichtigen Beitrag zur Stromversorgung. Die Module sollen die Energiewende möglichst umweltschonend vorantreiben. Wir wollen beleuchten, welche Auswirkungen die Anlagen auf Umwelt und Natur haben und ob das Ganze auch einen Haken hat.

    weiter
  • windenergie

    Windkraft und ihre Auswirkungen auf die Umwelt

    Windkraftanlagen sind in unserer Landschaft allgegenwärtig und wichtiger Bestandteil der Energiewende – grüner Strom soll besonders umweltfreundlich sein. Doch es gibt auch viele kritische Stimmen. Welche Auswirkungen Windräder auf die Umwelt haben, klären wir hier.

    weiter
  • Energiepreise

    Energie-Etikett: Was nützt das Heizungslabel den Verbrauchern?

    Mit dem Heizungslabel haben sich die Regeln beim Kauf einer neuen Heizungsanlage geändert. Die Pflicht zum Energie-Etikett gilt auch für einige Warmwasserbereiter und Wärmepumpen. Was verraten die Energielabel Verbrauchern?

    weiter