Rechte und Pflichten

Mietwohnung: Wer darf neue oder zusätzliche Steckdosen installieren?

Die Steckdosen sind an der falschen Stelle oder einfach nicht mehr ansehnlich - also einfach als Mieter selbst Hand anlegen? So ohne Weiteres ist das nicht zulässig - und das aus gutem Grund.

09.07.2021, 12:08 Uhr
Strom sparenUm eine zusätzliche Steckdose in einer Mietwohnung installieren zu können, muss zwingend eine Absprache mit dem Vermieter getroffen werden.© Gina Sanders / Fotolia.com

Insbesondere in älteren Wohnungen entsprechen Elektroinstallation und die Ausstattung der Räume mit Steckdosen nicht mehr den aktuellen Ansprüchen - und vor allem nicht immer den individuellen Bedürfnissen der Mieter. Hier und da könnte eine zusätzliche Steckdose, weitere Lichtschalter oder Lampenanschlüsse sinnvoll sein - doch in jedem Fall ist der Vermieter zunächst um Genehmigung anzufragen.

Eine Frage der Bausubstanz - Vermieter muss einwilligen

Die Einwilligung bezieht sich nicht nur auf die Verlegung von Kabeln unter Putz, was de facto einen Eingriff in die vorhandene Bausubstanz darstellt - auch auf Putz verlegte Kabel sind genehmigungspflichtig. Es geht vielmehr auch um das Stromverteilungsnetz im Gebäude selbst, das eventuell gar nicht für weitere Abnahmestellen ausgelegt ist - und zu überlasten droht.

Aber auch wenn die technischen Gegebenheiten passen, obliegt es dem Vermieter bestimmte Restriktionen zu formulieren, wie zum Beispiel die Verpflichtung zum Rückbau, sollte der Mieter ausziehen, und die Stellung einer zusätzlichen Kaution zum Zweck der Absicherung. Grundsätzlich lässt sich festhalten: Nur, wenn die aktuelle Installation nicht dem üblichen Standard vergleichbarer Wohnungen entspricht, besteht überhaupt ein Anspruch auf weitere Steckdosen und die Übernahme der damit verbundenen Kosten.

Elektroarbeiten nur durch Fachfirmen - die rechtliche Seite

Liegt die Erlaubnis des Vermieters vor, steht die nächste Frage an: Wer darf diese Arbeiten eigentlich ausführen - der Mieter selbst? Das muss klar verneint werden: Werden Eigeninstallationen unsachgemäß ausgeführt, kann das nicht nur für den Mieter und die anderen Hausbewohner gefährlich werden, sondern auch für den Vermieter - der haftet nämlich, sollte ein Dritter zu Schaden kommen. Und: Schon von Gesetzes wegen ist es Laien überhaupt nicht erlaubt, an das öffentliche Stromversorgungsnetz angeschlossene elektrische Anlagen zu errichten, verändern oder instand zu setzen - hier greift der §13 der Niederspannungsanschlussverordnung (NAV).

StromkastenBei Arbeiten an Steckdosen oder Lampen sollte zuvor die Sicherung herausgenommen werden. Mit den oftmals farblich abgehobenen FI-Schalter schaltet sich der Stromkreis zum Schutz der Leitungen automatisch ab, wenn es zu Fehlerströmen kommt. © AdobeStock/ Maksym Yemelyanov

Dieser sieht zwar nicht vor, dass zwangsläufig ein eingetragenes Elektroinstallationsunternehmen beauftragt werden muss, aber es sind alle Arbeiten fachlich korrekt und entsprechend den allgemein anerkannten technischen Regeln und Normen durchzuführen. Laien dürften an dieser Stelle überfordert sein, zumal sie den potenziellen Gefahrenumfang kaum einschätzen können, sodass Vorsicht geboten ist: Auch wenn die Anforderungen beim Anschluss einer Steckdose, eines Lichtschalters oder einer Lampe nicht übermäßig hoch sind und auch kein Bußgeld droht, wenn dies Mieter selbst erledigen, stellt sich doch die Frage nach der Haftung - und da sind Versicherungen ausgesprochen streng: Wird wegen eines Fehlers ein Schaden verursacht, müssen Heimwerker damit rechnen, dass dieser von der Versicherung nicht getragen wird - und das gilt auch für Arbeiten im Eigenheim.

Elektroinstallation: Was darf der Mieter selbst?

Natürlich können Mieter auch einige arbeiten in Eigenverantwortung erledigen, wenn sie die notwendigen Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. So sind beispielsweise Leuchtmittel ohne Probleme auszutauschen oder Lampen auf- oder umzuhängen, wenn zuvor die Sicherung im betreffenden Zimmer zuverlässig ausgeschaltet wurde. Beim Anschließen der Lampen scheiden sich schon wieder die Geister, denn dann greift bereits die NAV. Das gilt auch für das Abschrauben von Steckdosen, etwa für die Reinigung oder beim Streichen.

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