Stromverbrauch messen

Messstellenbetreiber frei wählen: Infos und Tipps

Den Messstellenbetreiber kann man als Stromverbraucher selbstständig aussuchen. Das ist besonders für diejenigen interessant, die einen Smart Meter für die Messung des Stromverbrauchs nutzen wollen. Wie läuft der Wechsel ab und was muss man beachten?

28.09.2018, 09:44 Uhr
Zählerstand© co2online

Messstellenbetreiber kümmern sich um die Wartung sowie den Ein- und Ausbau von Stromzählern. In der Regel wird einem Haushalt automatisch ein Betreiber zugewiesen. Allerdings dürfen Energieverbraucher in Deutschland den Messstellenbetreiber auch frei wählen. Für wen ist so ein Wechsel überhaupt interessant?

Umstieg auf intelligente Messsysteme: die Pläne der Regierung

Das gesamte Thema ist mit der von der Bundesregierung vorgeschriebenen Einführung intelligenter Messsysteme neu aufgekommen (Messstellenbetriebsgesetz). Mit dem Umstieg soll die Digitalisierung der Energiewende vorangebracht werden, wodurch unter anderem Stromverbrauch- und Erzeugung transparenter und somit die Stromnetze stabiler werden sollen.

Was heißt das für Verbraucher konkret? Bis 2032 sollen alle Haushalte mit modernen Strommessgeräten ausgestattet sein. Nach und nach wird der Einbau also Pflicht. 2017 betraf das nur Stromkunden mit einem sehr hohen Verbrauch (ab 10.000 Kilowattstunden/ kWh). Ab 2020 sind auch Haushalte mit einem geringeren Verbrauch betroffen (6.000 bis 10.000 kWh). Optional können Messstellenbetreiber ab 2020 Stromerzeuger (bei 1 – 7 kW installierter Leistung) und Haushalte mit einem Verbrauch unter 6.000 kWh ausstatten. Betroffene Verbraucher müssen den Einbau "dulden", erklärt die Bundesnetzagentur. Betroffene müssen aber drei Monate vorher informiert werden.

Freie Wahl beim Messstellenbetreiber auch für Mieter

Der Wechsel des Messstellenbetriebs ist folglich vor allem diejenigen von Interesse, die von einem regulären Ferrariszähler auf einen Smart Meter umsteigen, ganz gleich, ob es im Zuge der verpflichtenden Umstellung oder freiwillig geschieht. Für jeden Haushalt, der auf einen Smart Meter umsteigt, übernimmt in der Regel automatisch der örtliche Netzbetreiber die Funktion des Messstellenbetreibers. Jedem steht es aber auch frei, den Messstellenbetrieb selbst auszusuchen. Das können bis Ende 2020 auch Mieter.

Der örtliche Netzbetreiber hängt vom Wohnort ab, da diese nach Postleitzahlengebieten aufgeteilt sind. Wer herausfinden will, welcher Netzbetreiber für ihn zuständig ist, kann das auf der letzten Energierechnung oder auf dem Strom- bzw. Gaszähler nachlesen.

Wie funktioniert der Wechsel?

Um den Messstellenbetreiber wechseln zu können, müssen Sie auch der Anschlussnutzer sein. Bei Mietwohnungen bedeutet das, dass nur der Mieter selbst dafür in Frage kommt. Der Eigentümer oder Vermieter des Gebäudes ist in dem Fall der Anschlussnehmer. Ab 2021 wird sich das ändern. Dann werden nämlich die Vermieter zu Anschlussnehmern und treffen dann die Wahl. Wer im Eigenheim wohnt, kann problemlos wechseln.

Um den Wechsel zu beantragen, müssen Sie ein Schreiben an den aktuellen Messstellenbetreiber senden. Darin muss unter anderem der Name, Anschrift und Zählernummer sowie der gewünschte Zeitpunkt für den Wechsel enthalten sein (ein Musterschreiben finden Sie am Ende des Ratgebers). Den Wechsel selbst regeln dann die beiden Betriebe unter sich ab.

Kosten für den Einbau und den Betrieb des intelligenten Zählers

Ob als Mieter oder Eigenheimbesitzer: Den Einbau und den Betrieb des Zählers muss man selbst bezahlen. Entscheidet man sich freiwillig für den Einbau eines intelligenten Zählers, gelten hier Preisobergrenzen - aber nur für grundständige Messstellenbetreiber. Alternative Firmen müssen sich nicht daran halten. Muss der Zählerkasten umgebaut werden, trägt die Kosten dafür der Vermieter. Der Wechsel selbst ist aber kostenfrei. Laut Bundesnetzagentur dürfen für den Wechselprozess selbst keine Gebühren erhoben werden.

Wer sich wundert, warum bisher auf der Stromrechnung keine Kosten für den Messstellenbetreiber aufgetaucht sind: Diese Gebühren wurden zuvor als Teil der Netzentgelte abgerechnet. Der neue Messstellenbetrieb kann aber auch mit dem Stromanbieter klären, dass die Abrechnung weiterhin über die Stromrechnung laufen soll. Doppelt zahlen müssen Verbraucher in keinem Fall: Laut der Bundesnetzagentur muss der Stromlieferant den betreffenden Betrag herausrechnen.

Übrigens: Sobald ein intelligentes Messsystem eingebaut wurde, ist der Messstellenbetreiber verpflichtet, einen Monatsbericht über den Energieverbrauch und -kosten gratis zur Verfügung zu stellen.

Infos zum Messstellenbetreiber in der Kürze

  • Smart Meter und intelligente Messsysteme: Was ist das?

    Smart Meter oder intelligente Messsysteme können mehr als gewöhnliche Stromzähler. Da sie mit einer Kommunikationseinheit ausgestattet sind (Smart Meter Gateway), können sie Daten über das Internet verschicken und sich mit anderen Geräten mit einer Kommunikationsschnittstelle austauschen.

  • Anschlussnehmer oder Anschlussnutzer?

    Bei einem Mietverhältnis ist der Vermieter der Anschlussnehmer und der Mieter der Anschlussnutzer. Ab 2021 ändert sich das. Dann gelten die Vermieter als Anschlussnutzer.

  • Wann gelten Preisobergrenzen für den Einbau und Betrieb?

    An Preisobergrenzen sind nur grundständige Messstellenbetreiber gebunden. Achtung: Die Preisobergrenzen gelten nur für die Basisleistungen, nicht aber für Zusatzleistungen (z.B. Bereitstellen weiterer Geräte wie Spannungswandlern oder Dienstleistungen im eigenen Auftrag).

  • Wer ist ein grundständiger Messstellenbetreiber - wer nicht?
    Grundständige Messstellenbetreiber sind in der Regel der örtlichen Netzbetreiber, der Haushalten nach der jeweiligen Postleitzahl zugewiesen ist. Der Netzbetreiber kann die Funktion aber auch an ein anderes Unternehmen übertragen.

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