Interview

Zukunft Altbau: Dämmen lohnt sich aus mehreren Gründen

Die Wärmedämmung ist ein wesentlicher Schritt zu einem energieeffizienteren Gebäude. Weil mit einer guten Dämmung Energie und damit CO2 eingespart wird, fördert die Bundesregierung bestimmte Maßnahmen. Welche Vorteile sich für Hausbesitzer und Mieter ergeben und worauf man achten sollte, erklärt Petra Hegen von Zukunft Altbau.

EnergiesparhausPetra Hegen ist Freie Architektin und Energieberaterin und arbeitet bei dem vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderten Informationsprogramm "Zukunft Altbau".© DigitalGenetics / Fotolia.com

1.) Viele denken bei der Wärmedämmung nur an sinkende Heizkosten. Welche Vorteile bringt der Wärmeschutz noch?

In unzureichend gedämmten Gebäuden gibt es im Winter kühle Zimmerwände und Fensterlaibungen. An ihnen bildet sich eine hohe Luftfeuchte, die ein Nährboden für Schimmel ist. Eine fachgerechte Wärmedämmung der Fassade sorgt für eine höhere Oberflächentemperatur dieser Stellen und verringert so das Schimmelrisiko.

Zudem steigt der Wohnkomfort, wenn die Wand innenseitig wärmer wird oder durch eine Kellerdeckendämmung der Fußboden eine höhere Temperatur aufweist. Im Sommer schützt Dämmung auch vor Überhitzung, ganz besonders unterm Dach. Eine Dämmung von Fassade, Dach und Kellerdecke macht durch die eingesparte Heizenergie außerdem unabhängiger von Energiepreissteigerungen. Und sie schützt das Klima – gedämmte Häuser verursachen weniger Co2-Emissionen.

2.) Was macht eine effiziente Wärmedämmung aus?

WärmedämmungPetra Hegen ist Freie Architektin und Energieberaterin und arbeitet bei dem vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderten Informationsprogramm "Zukunft Altbau".© Zukunft Altbau

Wichtig ist vor allem die Wärmeleitfähigkeit des Materials und wie dick die Dämmung aufgetragen wird. Je geringer die Wärmeleitfähigkeit ist, desto besser wird die Wärme im Haus gehalten. Angegeben wird die Leitfähigkeit in der physikalischen Einheit W/(mK) – der Wärmeleitzahl. Typische Dämmmaterialien haben einen Wert von rund 0,02 bis 0,05 W/(mK). Vakuumpaneele als Spezialdämmstoff erreichen sogar einen Wert von 0,002 W/(mK). Grundsätzlich gilt: Je geringer der Wert, desto höher die Kosten für das Dämmmaterial.

Minimalanforderungen und Zuschüsse bei der Wärmedämmung

Die Dämmschicht der Fassade sollte je nach Wärmeleitfähigkeit und Zustand der Außenwand mindestens 12 bis 16 Zentimeter dick sein, um die gesetzlichen Minimalstandards der Energieeinsparverordnung EnEV zu erfüllen. Viele Experten empfehlen Hauseigentümern, bei einer Sanierung sogar noch besser zu dämmen, als der Gesetzgeber fordert, sofern keine rechtlichen oder bautechnischen Gründe dagegen sprechen. Die für eine KfW-Förderung vorgegebene Qualität ist dabei sinnvoll. Wer etwa 16 bis 20 Zentimeter Dämmung auftragen lässt, kommt in den Genuss des staatlichen Fördergeldes. Das macht schnell mehrere Tausend Euro aus und deckt die Mehrkosten ab, die bei einer besonders dicken Dämmung entstehen.

Wird dies gemacht, erhalten das Bauteil und das Gesamtgebäude einen zukunftsorientierten, besseren energetischen Standard. Eigentümer in Baden-Württemberg erfüllen mit einer solchen Dämmung außerdem die Anforderungen, die das Erneuerbare-Wärme-Gesetz des Landes bei einem späteren Heizungstausch stellt.

3.) Welche Materialien kommen für die Wärmedämmung in Frage?

Vor allem zwei Materialgruppen sind interessant: Zu den klassischen Faserdämmstoffen gehören Glaswolle und Steinwolle, aber auch die immer beliebteren Naturdämmstoffe wie Hanf, Stroh und Schilf. Die Naturdämmstoffe schonen die Ressourcen, sind jedoch nicht komplett frei von synthetischen Zusätzen, da sie vor Brand und Schädlingen geschützt werden müssen. Ihre Kosten liegen höher als die der gängigen Dämmstoffe, aufgrund des oft höheren Gewichts erzielen Naturdämmstoffe aber vielfach einen besseren sommerlichen Wärmeschutz.

Materialgruppe Hartschäume

Kunststoffbasierte Hartschäume bilden die zweite Materialgruppe. Hartschäume gibt es in feuchtebeständigen Varianten. Diese können gut im Erdreich eingesetzt werden. Zudem sind sie robust, leicht zu verarbeiten und preiswert. Das am Häufigsten eingesetzte Hartschaummaterial ist Polystyrol. Es wird zwar aus Erdöl hergestellt, spart über die Dauer seiner Nutzung aber ein Mehrfaches der Energie ein, die zu seiner Produktion nötig ist.

Beratung wird gefördert

Angesichts der großen Auswahl an Materialien rate ich, einen erfahrenen Gebäudeenergieberater zur Seite zu ziehen. Er kann einschätzen, wann und wo welches Dämmsystem sinnvoll ist. Die Beratung wird seit März 2015 deutlich besser gefördert: Eigentümer von Ein- und Zweifamilienhäusern erhalten bei einer durch das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle geförderten Vor-Ort-Beratung bis zu 800 Euro Zuschuss, 400 Euro mehr als vorher. Auch für eine Kontrolle der Ausführung gibt es Geld. Die Baubegleitung durch einen Energieberater fördert die KfW mit bis zu 4.000 Euro.

4.) Mit welchen Kosten müssen Hauseigentümer rechnen?

Das hängt vom Einzelfall ab. Pauschale Aussagen zu den Kosten und zur Wirtschaftlichkeit sind mit Vorsicht zu genießen, denn jedes Haus ist individuell. Die Kosten etwa bei einer Fassadendämmung hängen davon ab, welches Dämmmaterial verwendet wird, wie groß die zu dämmende Fläche ist und wie dick gedämmt wird. Dasselbe gilt bei einer Keller- und Dachdämmung. Insgesamt ist für einen kompletten Aufbau mit 100 bis 140 Euro pro Quadratmeter bei einer normalen Fassadendämmung zu rechnen.

Viele Dämmmaßnahmen sind trotz des niedrigen Ölpreises wirtschaftlich, besonders dann, wenn die energetische Sanierung an den normalen Renovierungszyklus gekoppelt wird – steht beispielsweise das Gerüst für die Putzerneuerung schon, sind die Dämmmaßnahmen günstiger und bringen über die Lebensdauer mehr Einsparungen als sie gekostet haben.

Auch sollte die Berechnungsmethode der Sanierungskosten stimmen. Für Wirtschaftlichkeitsaussagen dürften nur die Mehrkosten für die Energieeinsparung zugrunde gelegt werden, nicht die Sowieso-Kosten der baulich notwendigen Sanierung, etwa der neuen Dachziegel.

5.) Für wen macht sich eine Wärmedämmung überhaupt bezahlt?

Wer in seinem eigenen Haus wohnt, profitiert direkt von allen Vorteilen. Bei Mietwohnungen können die Vermieter elf Prozent der Sanierungskosten pro Jahr auf die Mieter umlegen, die sogenannte Modernisierungsumlage. Die Mieter profitieren vom erhöhten Wohnkomfort, der geringeren Schimmelgefahr, den gesunkenen Heizkosten und der erhöhten Energiepreisunabhängigkeit, müssen dafür aber insgesamt etwas mehr bezahlen.

Grundsätzlich entfällt bei der Modernisierungsumlage die Begrenzung der Miete durch den Mietspiegel und die Kappungsgrenze. Dennoch darf die neue Miete nicht mehr als 20 Prozent über den ortsüblichen Mieten liegen – so regelt es das Wirtschaftsstrafgesetz. Außerdem wird eine Mieterhöhung nach der Modernisierung wieder durch den Mietspiegel begrenzt. Das heißt: Reguläre Mieterhöhungen sind so lange nicht möglich, bis die örtliche Vergleichsmiete den aktuellen Mietpreis wieder übersteigt.

Infokasten Polystyrol

Polystyrol steht seit dem Brand im Juni 2017 im Londoner Grenfell Tower wieder verstärkt in der Kritik. Den Kunststoff gibt es in mehreren Formen – aufgeschäumt etwa auch unter dem Namen Styropor bekannt. Als Hartschaum, als sogenanntes Schaum-Polystyrol, gehört es zu den wichtigsten Dämmstoffen und ist auch in Deutschland stark verbreitet. Allerdings werden in Deutschland Schutzmittel zugesetzt, was die Brandgefahr deutlich minimieren soll. Polystyrol darf sogar wegen der Brandschutzregeln in den meisten Bundesländern nur bei Gebäuden eingesetzt werden, die niedriger als 22 Meter sind. Eine Musterrichtlinie für die Länder zu dem Dämmstoff gibt es aber erst seit 2008.

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