Nachgefragt

Verivox im Interview: Worauf kommt es beim Stromanbieter-Wechsel an?

Einige Verbraucher in Deutschland scheuen sich immer noch davor, den Stromanbieter zu wechseln. Hintergrund sind oftmals Unsicherheiten, worauf es beim Wechsel ankommt und woran man ein seriöses Angebot erkennen kann. Wir haben deshalb bei dem Verbraucherportal Verivox einmal nachgefragt.

Stephan Bieringa VerivoxStephan Bieringa, Senior Product Manager bei Verivox, verrät, worauf es beim Stromanbieter-Wechsel ankommt.© Verivox

1.) Wie viele Stromanbieter gibt es in Deutschland?

Der Strommarkt wächst: Allein in den letzten fünf Jahren ist die Zahl der Stromanbieter um mehr als 10 Prozent gestiegen. Heute sind wir bei über 1.100. Einige davon produzieren selbst Strom, andere vermarkten lediglich die Energie, die sie an der Strombörse eingekauft haben. Die vier größten Anbieter E.ON, RWE, Vattenfall und EnBW sind in allen Geschäftsbereichen tätig. Das bedeutet: Sie erzeugen, verteilen, handeln und liefern Strom.

Wichtig ist noch der Unterschied zwischen Grundversorgern und alternativen Stromanbietern. Erstere sind überwiegend die örtlichen Stadtwerke. Ein Grundversorger stellt sicher, dass kein Haushalt in seinem Grundversorgungsgebiet ohne Strom auskommen muss. Allerdings sind Grundversorgungstarife dafür häufig teurer. Wer noch nie den Stromtarif gewechselt hat, befindet sich automatisch in der Grundversorgung. Das sind noch immer ein Drittel aller deutschen Haushalte.

2.) Warum sollte ich den Stromanbieter wechseln, wenn ich bisher zufrieden war?

Verbraucher sollten wissen, dass ein Stromanbieter-Wechsel die Geldbörse deutlich entlasten kann, denn wer noch in der teuren Grundversorgung steckt, zahlt Monat für Monat drauf. Dabei gibt es auf dem Markt zahlreiche gute und günstige Anbieter mit verbraucherfreundlichen und fairen Tarifen und hohen Weiterempfehlungsquoten von zufriedenen Kunden. Positiver Nebeneffekt: Verbraucher, die regelmäßig ihren Stromanbieter wechseln, sorgen für Bewegung am Markt. Das kann langfristig zu niedrigeren Strompreisen führen.

3.) Worauf sollte ich bei der Wahl des Anbieters und richtigen Tarifs achten?

Am Anfang steht immer die Frage nach den eigenen Bedürfnissen: Setze ich mich zum Beispiel auch sonst für den Klimaschutz ein, sollte der Stromtarif möglichst umweltfreundlich sein. Zur Orientierung gibt es verschiedene Ökostromsiegel- und Label. Allerdings ist Ökostrom kein geschützter Begriff. Verbraucher sollten sich daher genau informieren. Außerdem sollten Verbraucher darauf achten, dass die Vertragskonditionen fair sind. So sollte beispielsweise die Vertragslaufzeit nicht länger als ein Jahr und die Kündigungsfrist nicht länger als 6 Wochen sein. Um sich vor unerwarteten Preiserhöhungen zu schützen, sollten Verbraucher außerdem darauf achten, dass ihr neuer Stromtarif eine Preisgarantie beinhaltet, die mindestens die Erstvertragslaufzeit des neuen Tarifs abdeckt. Wer seinen eigenen Verbrauch nicht richtig einschätzen kann, sollte von Paket-Tarifen Abstand nehmen, denn die garantieren einen sehr günstigen Preis nur für die vorher angegebene Menge Strom.

Nützlich sind ebenfalls die Bewertungen von anderen Kunden. Sie helfen bei der Suche nach einem geeigneten Anbieter.

4.) Wie kann ich mich vor bösen Überraschungen schützen?

Die Angst, dass bei einem Umzug oder einem Vertrags- oder Tarifwechsel plötzlich der Strom ausbleibt, ist unbegründet. Denn im Notfall springt immer der Grundversorger ein – das ist gesetzlich garantiert. Das gilt auch im unwahrscheinlichen Fall, dass der gewählte alternative Anbieter aus irgendeinem Grund nicht mehr liefern kann. Vor unerwarteten Preiserhöhungen schützen Preisgarantien. Außerdem steht Verbrauchern immer ein Sonderkündigungsrecht zu, sollte ein Anbieter die Preise erhöhen.

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