Verein Deutscher Ingenieure e.V.

Private Ladestation für E-Autos: Dipl.-Ing. Thomas Terhorst klärt auf

Wer sich ein eigenes Elektroauto zulegt, der denkt sehr wahrscheinlich auch über die Ladestation im eigenen Zuhause nach. Diplom Ingenieur Thomas Terhorst vom Verein Deutscher Ingenieure e.V. beantwortet zentrale Fragen.

Elektroauto Stecker Typ 2© Picture-Factory / fotolia.com

1.) Welche Voraussetzungen müssen für eine Stromtankstelle im eigenen Heim erfüllt werden?

Bei Wohngebäuden ist zwischen dem Einfamilienhaus und dem Mehrfamilienhaus zu unterscheiden, da in Mehrfamilienhäusern eine Abrechnung und Zuordnung des Stromverbrauchs für den jeweiligen Nutzer erforderlich ist, ähnlich der Situation bei der Aufstellung mehrerer Waschmaschinen in einem gemeinsamen Waschkeller.

Thomas Terhorst (VDI)Thomas Terhorst ist Geschäftsführer der VDI-Gesellschaft Bauen und Gebäudetechnik und hat zentrale Fragen zu privaten Ladesäule für Elektroautos für uns beantwortet. © Thomas Terhorst, Verein Deutscher Ingenieure e.V.

In der Praxis ist weiterhin zu unterscheiden, ob es eine Tiefgarage bzw. feste Stellplätze zu den Wohnungen gibt, oder nicht. In jedem Fall sind die Versorgungsleitungen vom Zähler für die jeweilige Wohnung bis zur Ladestation zu führen. Die zu verlegenden Leitungsquerschnitte hängen maßgeblich von der Entfernung ab, eine fachkundige Planung ist erforderlich.

Für alle Wohngebäude gilt, dass die Zeit, die zur Aufladung zur Verfügung steht in der Regel relativ lang ist (z.B. die Nacht). Die benötigte Energie in kWh berechnet sich aus dem Produkt der tatsächlichen Ladeleistung des Fahrzeugs in kW mit der Ladezeit in Stunden. In der Konsequenz können die Fahrzeuge hier mit geringem Ladestrom über eine lange Zeit aufgeladen werden, das ist an anderen Orten wie Raststätten, Einkaufzentren usw. anders, hier muss in der Regel schneller und dafür mit hoher Leistung geladen werden.

Typisch ist für ein Einfamilienhaus ein Hausanschluss von 50 Ampere oder von 63 Ampere und eine Zuleitung zur Ladestelle mit NYY-I 5x6mm

2.) Welche Vorteile bringt die Ladesäule im eigenen Zuhause?

An privaten Ladesäulen kann der Nutzer beliebig lange verweilen, mit niedrigem Ladestrom langsam laden und ggf. regenerative Energieträger wie Fotovoltaik einbinden.

3.) Typen von Steckdosen: Was ist bei der Auswahl wichtig?

Eine typische Ladeleistung eines Elektro-PKW beträgt 44 kW. Achtung, Schutzkontaktsteckdosen sind gemäß DIN VDE 0620-1 ausgelegt, um für begrenzte Zeiträume mit dem max. Bemessungsstrom von 16 Ampere belastet zu werden. Die Eignung von Elektroanlagen an Bestandsgebäuden sollte von einer Elektrofachkraft individuell festgestellt werden.

Es sollten spezielle und geeignete Steckverbindungen verwendet werden. Die Stromkreise für die Aufladung sind nach DIN VDE 0100.722 zu errichten (typisches Beispiel: VDI 2166 Blatt 2, Anhang A1).

4.) Wie viel kostet eine Tankladung mit dem Haushaltstrom?

Ein durchschnittliches Elektroauto braucht 0,20 kWh/km. An einer privaten Ladestation würde man das Fahrzeug täglich anschließen, sodass ein direkter Vergleich mit einer Tankfüllung wie bei Benzinern oder Dieselfahrzeugen entfällt. 0,20 kWh/km heißt umgerechnet auf 100 km 20 kWh. Wenn eine Kilowattstunde 25 ct kostet, kosten 100 km genau 5 Euro. So entsteht ein Vergleich zu Verbrennungsfahrzeugen, die 5 Liter Diesel a 115 ct oder 7 Liter Benzin je 100 km verbrauchen.

5.) Was kostet eine private Ladestation für das E-Auto?

Die Errichtung der Ladestation ist individuell zu planen. Die kosten hängen maßgeblich von der baulichen Situation und der bereits vorhandenen Infrastruktur ab. Liegt ein geeignetes Kabel bereits in der Garage, ist nur die Installation der Ladestation erforderlich. Hinzu kommen Kosten für eventuelle Anbindung der Garage oder des Ladeplatzes und ggf. Kosten für die Einbindung von PV-Anlagen.

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