Interview

Experten zur Solaranlage: Möglichkeiten, Planung und Förderung

Wann lohnt sich eine Solaranlage auf dem Dach? Was sind die wichtigsten Stellschrauben bei der Planung und gibt es lohnenswerte Kombinationen für das Heizen? Der Solar Cluster Baden-Württemberg e.V. gibt nützliche Hinweise und Tipps zum Thema.

Photovoltaik© Dariusz T. Oczkowicz / Fotolia.com

1.) Was sind die Hauptargumente, die für eine Solaranlage auf dem eigenen Dach sprechen?

Photovoltaikanlagen tragen dazu bei, den weltweiten Klimawandel zu bremsen, indem sie CO2-freien Strom erzeugen. Und dies mittlerweile extrem günstig. So kostet der Strom vom eigenen Dach mit maximal 10-12 Cent pro Kilowattstunde weniger als halb so viel wie Strom vom Versorger. Es lohnt sich also auch finanziell, den selbst erzeugten Strom auch vor Ort zu verbrauchen. Darüber hinaus werden dadurch die Stromnetze entlastet. Selbst wenn der Eigenverbrauch des Solarstroms nicht möglich oder sinnvoll sein sollte, lässt sich durch die reine Einspeisung des Stroms ins öffentliche Netz noch eine ansehnliche Rendite erzielen. Dies liegt vor allem daran, dass die Einspeisevergütung schon einige Zeit konstant ist, während die Preise für Photovoltaikanlagen weiter gesunken sind. Es lohnt sich also in fast allen Fällen, in eine PV-Anlage zu investieren.

2.) Was sind wesentliche Punkte bei der Planung?

Dr. Carsten Tschamber/ Solar ClusterDr. Carsten Tschamber ist Geschäftsführer des Solar Cluster Baden-Württemberg e.V. © Solar Cluster Baden-Württemberg e.V.

Wichtig ist natürlich die Größe und die Beschaffenheit des Dachs – insbesondere im Hinblick auf Statik, Aufbauten –sowie die Frage, ob der Strom lokal verbraucht werden soll oder kann. Sollte dies der Fall sein, kann es sinnvoll sein, über die Anschaffung eines Speichers nachzudenken. Auch die Kopplung von Stromversorgung und Heizung/Kühlung, beispielsweise über eine Wärmepumpe, wird immer häufiger nachgefragt. Grundsätzlich würde ich empfehlen, einen Fachbetrieb aus der Region zur Beratung hinzuzuziehen.

3.) Wie ist es um die Lebensdauer von Photovoltaikanlagen bestellt?

Die EEG-Vergütung ist für 20 Jahre garantiert, danach sind die Anlagen in aller Regel aber noch lange nicht am Ende ihres Lebens angelangt. Viele Hersteller geben mittlerweile Garantien von 30 oder in einigen Fällen sogar 40 Jahre auf die Leistung von PV-Modulen. Das bedeutet, dass die Module nach Ablauf der Frist noch mindestens 80 Prozent ihrer ursprünglichen Leistung aufweisen. Der Tausch des Wechselrichters oder einzelner Module kann während dieser Zeit dennoch notwendig sein und sollte bei der Kalkulation der Anlage berücksichtigt werden. Wenn die Anlage fachmännisch installiert und gewartet wird, spricht also nichts gegen Lebensdauern von mehr als 30 Jahren.

4.) Heizen und Photovoltaik: Gibt es da Möglichkeiten, die sich lohnen?

Wie oben schon erwähnt bietet sich die Kombination aus Photovoltaik und einer Wärmepumpe geradezu an. Zwar ist das resultierende System oft recht komplex, aber so lässt sich schnell ein großer Teil des lokal erzeugten Stroms auch im Gebäude verbrauchen. Immer mehr Hersteller auch aus dem Heizungsbereich gehen dazu über, komplette Energieversorgungslösungen für Gebäude anzubieten. Diese bestehen oft aus PV, einer Wärmepumpe, einem Wärmespeicher, eventuell unterstützt durch Solarthermie und einen Batteriespeicher. Die Nutzung regelbarer Heizstäbe ist auch möglich, allerdings würde ich persönlich einer Wärmepumpe wegen des deutlich höheren Wirkungsgrades den Vorzug geben.

5.) Wer fördert Photovoltaikanlagen und was macht hier am meisten Sinn?

PV-Anlagen werden über das EEG gefördert: Für jede ins Netz eingespeiste Kilowattstunde wird der Betreiber mit einem über 20 Jahre gesetzlich garantierten Betrag vergütet (Einspeisevergütung). Zur Finanzierung der Anlage gibt es zum Beispiel das KfW-Förderprogramm 270 für PV-Anlagen und Batteriespeicher. Ergänzt werden diese günstigen Kredite und Tilgungszuschüsse durch Förderprogramme der Länder, wie beispielsweise in Nordrhein-Westfalen (progres.nrw) oder Thüringen (Solar Invest).

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