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Mieterstrom: Experten stehen Frage und Antwort

Mieterstrom-Projekte werden nach dem EEG 2017 vom Staat gefördert. Für wen ergeben sich dadurch Vorteile und wer kann Mieterstrom beziehen? Im Interview gibt Energiedienstleister Polarstern Infos rund um das Thema und beantwortet zentrale Fragen.

Solaranlage HausdachMit Mieterstrom haben Vermieter die Möglichkeit, ihren Mieter zum Beispiel selbst erzeugten Solarstrom anzubieten. Das kann für beide Seiten Vorteile haben.© anweber / Fotolia.com

1.) Was ist die Idee hinter Mieterstrom und welche Voraussetzungen gelten für den Bezug?

Durch Mieterstrom können die Mieter eines Mehrparteiengebäudes Strom beziehen, der auf bzw. im Gebäude mittels Photovoltaikanlage und/oder Blockheizkraftwerk gewonnen wurde. Das hat den Vorteil, dass sie sich unabhängiger von steigenden Strompreisen machen, gleichzeitig ihre Stromkosten senken und aktiv den Ausbau erneuerbarer Energien unterstützen.

Bon Florian Henle PolarsternBon Florian Henle ist Gründer und Geschäftsführer des Ökoenergieversorgers und Mieterstrom-Dienstleisters Polarstern.© Polarstern GmbH

Um Mieterstrom beziehen zu können, braucht es neben den Energieerzeugungsanlagen im Gebäude ein entsprechendes Angebot des Immobilienbesitzers. Das heißt, dass er nicht alles in das öffentliche Stromnetz einspeist, sondern in erster Linie den erzeugten Strom den Bewohnern zur Verfügung stellt. Darum kümmert er sich entweder selbst oder - was weitaus häufiger der Fall ist - zusammen mit einem Mieterstrom-Dienstleister. Für den Mieter, der Mieterstrom bezieht, ist der Ablauf wie gewohnt: Er hat einen Stromvertrag mit einem Stromversorger, der ihm auch die Stromrechnung schickt. Auf der Rechnung ist ausgewiesen, wie viel Strom aus lokaler Erzeugung im Gebäude und wie viel aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen wurde. Also im Endeffekt: Alles genauso wie beim klassischen Stromwechsel, aber günstiger und grüner als im Grundversorgertarif.

Ob ein Mieter das Mieterstromangebot annimmt, ist ihm übrigens freigestellt. Die freie Wahl seines Stromversorgers ist gesetzlich gesichert.

2.) Wie viel Geld kann man als Mieter tatsächlich sparen?

Im Sommer 2017 wurde das Gesetz zur Direktstromförderung verabschiedet. Es legt fest, dass ein Mieterstromangebot, das diese Förderung erhält, mindestens 10 Prozent unter dem Grundversorgertarif liegen muss.

Die Preisvorteile von Mieterstrom ergeben sich aber auch vor allem daraus, dass für den vor Ort erzeugten und verbrauchten Strom die Netznutzungsentgelte entfallen. Sie machen aktuell rund ein Viertel des Strompreises aus und sind in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen. Wie viel Strom ein Mieter aus lokaler Erzeugung nutzt und auch entsprechend wie viel Stromkosten er spart, das hängt stark von der Leistung der Energieerzeugungsanlage, also der PV-Anlage oder dem BHKW, ab und von seinem Verbrauchsprofil. Der genaue Autarkiegrad eines gesamtes Gebäudes mitsamt der teilnehmenden Miethaushalte schwankt stark zwischen 20 und 70 Prozent, wobei die höheren Werte kombinierte Anlagen wie z. B. PV-Anlage und BHKW und oft auch die Integration eines Stromspeichers voraussetzen.

3.) Was passiert, wenn die Mieterstrom-Anlage nicht genügend Strom liefert, um alle Mieter zu versorgen (z. B. im Winter)?

Ein Mieterstromangebot ist immer ein komplettes Stromversorgungsangebot. Wird nicht genug Strom vor Ort erzeugt, wird automatisch der restliche Strom aus dem öffentlichen Stromnetz bezogen. Die Versorgung ist wie bei jedem anderen Stromtarif jederzeit gesichert - das ist gesetzlich vorgeschrieben.

4.) Welche Vorteile haben Vermieter?

Der Vermieter erschließt sich mit dem Mieterstromangebot zum einen ein neues Geschäftsmodell, das ihm Mehreinnahmen bringt. Zum anderen steigert er seinen Immobilienwert. Und durch die niedrigeren Energiekosten - die einen immer höheren Anteil an den gesamten Wohnkosten haben - steigert Mieterstrom auch die Attraktivität für die Mieter. Dass alles unterstützt sein Image als zukunftsorientierter und nachhaltig handelnder Vermieter bzw. Immobilieneigentümer.

5.) Worauf müssen Vermieter achten, wenn sie Mieterstrom anbieten möchten?

Ob eine Immobilie für Mieterstrom geeignet ist, hängt vom Objekt selbst und den Gegebenheiten vor Ort ab, genauso wie von der möglichen Leistung der Energieerzeugungsanlage/n und vom Verbrauchsprofil der Mieter. Das zu beurteilen helfen Fachleute, die sich mit der Mieterstromversorgung auskennen.

In jedem Fall ist Mieterstrom ein komplexes Geschäft, das viel aktuelles Energiemarkt-Knowhow und Schnittstellenkompetenz zu energiewirtschaftlichen Themen erfordert. Denn der Mieterstromversorger ist rechtlich gesehen ein Energieversorger und muss entsprechende Leistungen erbringen. Auch ist er als Anbieter von Mieterstrom gewerbesteuerpflichtig. Das kann Immobilienbesitzer, die selbst die Mieterstromversorgung übernehmen, schwer treffen. Schließlich werden damit auch ihre Erträge aus der Vermietung gewerbesteuerpflichtig. Durch die Zusammenarbeit mit Mieterstrom-Dienstleistern können sie das vermeiden und gleichzeitig den Aufwand für das Mieterstromangebot gering halten. Die Kooperationsformen sind vielfältig. Sie reichen von der Übernahme einzelner Aspekte der Energieerzeugung und -versorgung bis hin zum Management des gesamten Prozesses im Mieterstrom-Contracting.

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