Interview

Das eigene Mini-Blockheizkraftwerk - Antworten vom Experten

Ein Blockheizkraftwerk bringt vor allem den Vorteil mit sich, dass es gleichzeitig Strom und Wärme erzeugt. Wann lohnt sich solch eine Anlage für Privatpersonen? Experte David Hobrecht beantwortet alle zentralen Fragen.

Stromkosten© Sergej Toporkov / Fotolia.com

1.) Für wen lohnt sich ein Mini-Blockheizkraftwerk?

Blockheizkraftwerke lassen sich vor allem dann wirtschaftlich betreiben, sofern diese möglichst viele Stunden im Jahr im Betrieb sind. Dies setzt einen auf die Leistungsklasse des BHKW abgestimmten Strom- und Wärmebedarf voraus.

Als Mini-Blockheizkraftwerke bezeichnet man Anlagen, die eine thermische Leistung von 15 Kilowatt (kW) bis 50 kW liefern. Solch ein Leistungsbedarf kommt vermehrt in Mehrfamilienhäusern, Wohnblocks, Schwimmbädern oder Pflegeheimen vor. Auch für den Einsatz in der Gastronomie, in kleineren Industriebetrieben oder in öffentlichen Gebäuden kann ein Mini-Blockheizkraftwerk wirtschaftlich interessant sein.

Sollte ein Leistungsbedarf von unter 15 kW vorliegen, empfehle ich hingegen den Verbau eines kleiner ausgelegten Mikro-BHKWs. Solche Anlagen werden vermehrt in Ein- oder Zweifamilienhäusern eingesetzt. Benötigt das Objekt hingegen Leistungen jenseits der 50 kW, sprechen wir von einem BHKW bzw. Groß-BHKW.

David Hobrecht/ KesselheldDavid Hobrecht ist Head of Operations bei Kesselheld. In dieser Funktion ist er seit 02/2018 für die Organisation und Ausführung sämtlicher Installationsarbeiten sowie für die Schulung und Weiterbildung aller Handwerker verantwortlich. © Kesselheld GmbH

2.) Was gilt es bei der Art und Größe zu beachten?

Die Dimensionierung eines Mini-Blockheizkraftwerkes (kleiner 15 kW, größer 50 kw) ist sowohl vom Strom- und Wärmebedarf des Gebäudes als auch von der Nutzung des Mini-BHKW abhängig. Grundsätzlich können Mini-BHKWs durch ihre überschaubaren Ausmaße vollständig und ohne größere Umbaumaßnahmen in das zu beheizende Gebäude integriert werden.

Der jeweilige Heizungsbauer schließt es dazu an das bereits existierende oder neu vorhandene Heizungssystem an und stellt die Verbindung zur Stromversorgung der Immobilie sicher. Wie bei einer herkömmlichen Heizungsanlage ist für das Mini-BHKW eine Abgasanlage notwendig, um die bei der Verbrennung anfallenden Abgase aus dem Gebäude zu leiten.

In Abhängigkeit vom eingesetzten Energieträger werden in einem BHKW verschiedene Motoren verwendet. Am gängigsten sind dabei Otto- oder Stirlingmotoren.

3.) Zwischen welchen Arten der Befeuerung können Interessierte wählen?

Fast jeder Brennstoff kann für den Betrieb des Mini-BHKW Anwendung finden. Die häufigsten sind aber Erdgas, Biogas, Flüssiggas, Heizöl oder Pellets.

Die Befeuerung mit Erdgas hat sich aufgrund der sauberen Verbrennung und des gut ausgebauten Erdgas-Netzes etabliert. Dementsprechend steht Nutzern dadurch auch eine größere Vielfalt an Herstellern und Modellen zur Verfügung. Als zusätzlicher Bonus nimmt eine solche Anlage auch weniger Platz in Anspruch, da sperrige Tanks oder Silos für den Brennstoff entfallen.

Eine Art Sonderform des BHKW stellt die Kombination mit einer Biogasanlage dar. Hier wird aus Biomasse (Pflanzen, Gülle, etc…) Biogas erzeugt und für den Betrieb des Blockheizkraftwerkes genutzt. Diese Sonderform wird meist als zentrale Lösung in Landwirtschaftsbetrieben eingesetzt, da die Grundstoffe teilweise als Abfall oder Nebenprodukte vorhanden sind und der Brennstoff so in Summe günstiger sein kann.

4.) Welche Kosten fallen für die Installation an und gibt es Fördermittel für BHKW?

  • Zu den Kosten für ein Mini-Blockheizkraftwerk

    Für das Mini-BHKW-System ohne Installation und ohne Zubehörteile zur Wärmespeicherung und Wärmetransport können Heizungsmodernisierer mit etwa 30.000 Euro und aufwärts rechnen. Mit steigender Leistung der Kraft-Wärme-Kopplungsanlage steigt auch der Preis.

    Dazu kommen die Kosten für die Einbindung in die Gebäude-Elektrik und an das Heizsystem. Für ein Mini-BHKW empfiehlt sich fast immer ein gut dimensionierter Pufferspeicher, der die Wärmeenergie aufnehmen kann und speichert. Hierdurch wird ein taktender Betrieb vermieden, welches die Anlage vor Verschleiß schützt und die Laufzeit erhöht. Sonderlösungen und der Anschluss mehrerer Gebäude oder Hallen sind weitere Kostenfaktoren.

    Für eine lange Lebensdauer benötigen Mini-BHKWs regelmäßige Wartungen und Instandhaltungsarbeiten. Es empfiehlt sich, einen Wartungsvertrag oder gar einen Vollwartungsvertrag mit dem Hersteller der Anlage abzuschließen. So gewährleisten Betreiber einen sicheren Betrieb und verfügen über eine stabile Basis für Ihre Wirtschaftlichkeitsrechnung.

    Die Anschaffungskosten für ein Mini-BHKW sind zunächst hoch, der Betrieb hingegen kann durch die wesentlich effizientere Kopplung der Produktion von Strom und Wärme deutlich ressourcenschonender und damit günstiger für Sie sein. Versüßt wird der Einsatz dieser umweltfreundlichen Technologie zudem durch staatliche Subventionen.

  • Zu den Fördermitteln für BHKW

    Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrollen (kurz: BAFA) legt fest, welche Anlagen förderfähig sind. Derzeit befindet sich eine große Anzahl von Blockheizkraftwerken verschiedener Hersteller in der BAFA-Liste der förderfähigen Anlagen bis 20 KWel (Kilowatt elektrische Leistung). Wer solch ein Blockheizkraftwerk kauft, kann beim BAFA eine Förderung für die Anschaffung beantragen. Hierbei vergibt das Förderinstitut einen Investitionszuschuss. Die genaue Förderhöhe richtet sich dabei nach der Leistung des Mini-BHKW. Selbst wenn kein Kredit für die Anschaffung des BHKW benötigt wird, kann die Inanspruchnahme eines Förderkredites sinnvoll sein. Daher empfiehlt es sich immer, sich in aller Ruhe die Förderungen der Kreditanstalt für Wiederaufbau (kurz: KfW) anzusehen.

    Mittlerweile existieren in vielen Bundesländern zusätzliche Förderungen. Ich empfehle Interessenten, sich sich auf der Webseite des jeweiligen Bundeslandes zu erkundigen und auch den Hersteller des BHKW zu fragen, ob ihm weitere Förderungen bekannt sind.

    Es ist ratsam, sich bereits im Vorfeld der Anschaffung ausreichend über die aktuellen Fördermaßnahmen und Förderprogramme zu informieren. Sie können sich im Laufe des Jahres verändern.

    Sobald das Blockheizkraftwerk in Betrieb ist, erhält der Betreiber zudem eine Einspeisevergütung für überschüssigen, in das Stromnetz eingespeisten Strom. Da die Einspeisevergütung jedoch in den letzten Jahren abgenommen hat, raten immer mehr Experten dazu, den produzierten Strom selbst zu nutzen.

5.) Was sind die Vor- und Nachteile gegenüber einer Solaranlage für die Stromerzeugung oder einer Wärmepumpe zur Heizungsunterstützung?

Vor- und Nachteile gegenüber einer Solaranlage

Klarer Vorteil für das BHKW: Im Gegensatz zu einer Solaranlage ist die Wärmeversorgung und Stromerzeugung unabhängig von Witterungsverhältnissen und Sonnenzeiten.

Nachteilig zu betrachten ist, dass BHKWs oftmals noch mit fossilen Energieträgern befeuert werden. In diesem Fall ist die Solaranlage im Vorteil, da sie Sonnenenergie kostenlos, in der Regel auf dem eigenen Hausdach, produziert. Beachten sollte man allerdings auch dabei, dass um eine vergleichbare thermische bzw. elektrische Leistung erhalten zu können, eine entsprechend große Fläche für das Anbringen der Kollektoren zur Verfügung stehen muss.

Vergleich Blockheizkraftwerk und Wärmepumpe

Eine Wärmepumpe ist im Vergleich zu einem BHKW wenig wartungsintensiv, sodass Wärmepumpenheizungen geringere Wartungskosten verursachen. Eine Wärmepumpe ist jedoch nicht in der Lage neben Wärme auch elektrischen Strom zu erzeugen, vielmehr benötigt sie neben Umweltwärme auch immer einen gewissen Anteil an Strom zur Wärmeerzeugung.

Weiterer Vorteil des BHKW: Es setzt den Brennstoff in Strom und Wärmeenergie hocheffizient bei Ihnen vor Ort um, mit einem Wirkungsgrad von weit über 90 Prozent. Der Strom für die Wärmepumpe wurde in der Regel aufwendig produziert und kommt erst mit deutlichen Leitungsverlusten am Objekt an.

Dennoch sind Gebäudebesitzer beim Bezug von fossilen Brennstoffen für ihr Mini-BHKW von externen Lieferanten abhängig und auch die Preise für diese Energieträger unterliegen Schwankungen.

Es gilt die gleiche Regel wie bei so manchen anderen Dingen im Leben: Es kommt nicht nur auf einen Aspekt an, sondern auf viele. Ob ein Mini-BHKW die richtige Wahl ist, stellt eine sehr individuelle Entscheidung dar und hängt stark von den Bedürfnissen ab. Meine Empfehlung lautet daher: Lassen Sie sich durch einen erfahrenen Installationsbetrieb vor dem Verbau eines Mini-BHKW ausführlich beraten. Kesselheld bietet neben der Beratung auch den Verbau von Mini-BHKWs und anderer Heizungssysteme an.

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