Ein-Stein-Kompetenzzentrum

Interview zum Solarstromspeicher: Darum lohnt sich die Anschaffung

Zyklenzahl und Nennkapazität: Bei Solarstromspeichern sind das wichtige Kennzahlen, mit denen viele jedoch nichts anfangen können. Dip.-Ing. Wieland Vilter beantwortet zentrale Fragen und zeigt die Vorteile von Batteriespeichern auf.

Photovoltaik© goldbany / Fotolia.com

1.) Was spricht für die Anschaffung eines Batteriespeichers für die Photovoltaikanlage?

Betrachten wir einen typischen Privathaushalt, so besteht ein deutlicher Strombedarf frühmorgens bevor die Bewohner zur Arbeit/Schule gehen und am Abend, wenn sie die Freizeit genießen und entsprechende Geräte (Fernseher, Küche mit Herd etc.) mit Strombedarf verwenden. In diesen Zeiten ist die Sonne schwach oder scheint überhaupt nicht mehr. Aus diesen Gründen stellen die meisten Photovolatikanlagen von ihrer Produktionsmenge lediglich 20 bis 30 Prozent an Strom für den Hausbedarf zur Verfügung. Eine weit größere Menge wird in den Mittagsstunden in das öffentliche Netz eingespeist.

Dipl.-Ing. Wieland Vilter/ Ein-Stein-KomDipl.-Ing. Wieland Vilter ist für die Planung und Kundenberatung zuständig und der visionäre Kopf bei der EIN-STEIN-KOMPETENZZENTRUM GmbH & Co. KG.

Gesunkene Einspeisevergütung: Strom wird günstig abgegeben und teuer eingekauft

Seit der ersten Version des Gesetzes für erneuerbare Energien (EEG) bis heute ist die Einspeisevergütung, der Betrag für in das öffentliche Netz eingespeistem Strom, um 80 Prozent gesunken. D. h. jeder Betreiber einer Photovoltaikanlage ohne Solarstromspeicher verkauft eine große Menge des produzierten Stromes für kleines Geld und zahlt ca. das 3-fache, wenn er die Energie für seine Versorgung später aus dem öffentlichen Netz zurückholt. Sowohl im Sinne der maximalen Eigenversorgung, wie auch aus wirtschaftlichen Gründen, ist es dringendst empfehlenswert, einen eigenen Solarstromspeicher mit der vorhandenen Photovoltaikanlage zu verbinden.

Anschaffungskosten bei Solarspeichern sind gesunken

Betrachten wir die Entwicklung der Solarstromspeichertechnik, so hat sich diese in den letzten Jahren enorm weiterentwickelt. So haben wir heute die Möglichkeit, einen Solarstromspeicher zu verwenden, welcher technisch gesehen vollständig ausgereift ist und bei dem die Anschaffungskosten derart gefallen sind, dass dieses System hoch wirtschaftlich ist – darüber hinaus erzeugen wir auch noch Strom selbst. Fazit ist, dass die Stromgestehungskosten, die sich für die Privatversorgung ergeben, reduziert werden.

2.) Worauf kommt es bei der Wahl des Modells an?

Inzwischen gibt es auf dem Markt eine große Anzahl von Produkten. Die Auswahl des Modells zur Stromspeicherung sollte mit Hilfe eines Experten erfolgen. Dabei werden viele Faktoren berücksichtigt wie z. B. die Nennleistung der vorhandenen Photovoltaikanlage und der Jahresstrombedarf. Als Ergebnis haben Sie dann das Produkt, welches für Ihre Situation und den Bedarf, die maximale Wirtschaftlichkeit und erforderliche Sicherheit darstellt. Bei den Photovoltaik-Komplettanlagen gibt es erhebliche Qualitäts- und Leistungsunterschiede, die sich nicht nur in der kWp-Zahl niederschlagen, sondern ganz viele verschiedene Komponenten beinhalten, die fein aufeinander abgestimmt werden müssen. Der Laie wird hier immer Schwierigkeiten haben, diese ohne Erklärung zu verstehen. Eine Photovoltaikanlage selbst zu bauen ist wenig empfehlenswert.

3.) Was hat es mit Zyklenzahl, Nennkapazität und Wirkungsgrad auf sich?

Bei den vielen Kriterien, die für die Auswahl des richtigen Modells eines Solarstromspeichers herangezogen werden, handelt es sich u. a. um die Zyklenzahl, Nennkapazität und den Wirkungsgrad.

Bei der Zyklenzahl oder auch Zyklenfestigkeit des Solarstromspeichers wird im Labor der Speicher wiederholt vollständig be- und entladen. Als Zyklenzahl für einen Speicher wird in der Regel die Anzahl der vollständigen Be- und Entladungsvorgänge bezeichnet, bis zu dem Punkt, wo die Kapazität des Speichers um 20 Prozent gesunken ist. Diese Zahl variiert in Abhängigkeit der Produktqualität sehr stark. So gibt es Speicher, die eine Zyklenzahl von weniger als 2.000 aufweisen, während andere auch einen Wert von über 10.000 erreichen. Hierdurch bekommen wir eine Information über die Lebensdauer des Solarstromspeichers, welche bei geringwertigen Systemen 5-7 Jahre und bei sehr hochwertigen auch ca. 20 Jahre betragen kann.

Die Nennkapazität ist ein Laborwert, der auch als Bruttokapazität bezeichnet wird; die nutzbare Kapazität oder Nettokapazität ist die verfügbare Kapazität, die meist deutlich kleiner ist. Je nach Art und Qualität des Speichers darf eine Menge von bis zu 50 Prozent aus dem Solarstromspeicher nicht entnommen werden. Nur sehr hochwertige Geräte lassen tatsächlich die vollständige Entladung zu, ohne dass die Lebensdauer verkürzt wird.

Der Wirkungsgrad stellt die Menge des beladenen Stromes mit der des entnommenen gegenüber. Je höher der Wirkungsgrad ist, desto geringer sind also die Verluste zwischen Be- und Entladung. Ein guter Solarstromspeicher sollte sehr geringe Verluste haben und daher einen Wirkungsgrad von 96 bis 98 Prozent aufweisen.

4.) Was kosten Solarstromspeicher und gibt es Fördermittel?

Wenn wir von den Kosten für einen Solarstromspeicher sprechen, so betrachten wir hier nicht nur die Batterien, sondern ein komplettes System, zu dem auch die Wechselrichter sowie eine z. T. sehr aufwändige Steuerungs- und Regeltechnik gehören. Es gibt einen sehr großen Unterschied bei dem Preis bezogen auf die Speicherkapazität. Die Werte variieren zwischen ca. 600 Euro/ kWh bis über 1.800 Euro/ kWh. Es sollte dabei beachtet werden, dass die Solarstromspeicher mit geringerem Preis oft keine gute Wirtschaftlichkeit aufweisen: Wenn die Lebensdauer relativ kurz ist, sind schnell Reparaturen oder ein Totalaustausch erforderlich.

Fördermittel für die dezentrale Energieversorgung mit Photovoltaik und Speicher werden in Deutschland in geringem Maße bereitgestellt. Die KfW-Förderung für Solarstromspeicher wurde leider zum 31.12.2018 eingestellt. In verschiedenen Regionen und unter bestimmten Voraussetzungen ist es jedoch noch möglich, dass man eine Förderung in Anspruch nehmen kann. Ein kompetentes Unternehmen wird Ihnen hier die Wege entsprechend aufzeigen, ob und welche Fördermittel für Sie hier noch bereitstehen.

5.) Was ist für die Installation eines Batteriespeichers wichtig?

Die Installation eines Solarstromspeichers sollte nur von ausgebildeten Fachinstallateuren, die auch die entsprechenden Schulungen absolviert haben, durchgeführt werden. Hier ist es unbedingt erforderlich, dass der Installateur nicht nur eine ausgebildete elektrische Fachkraft ist, sondern durch zusätzliche Schulungen beim Hersteller zertifiziert wurde. Auch wenn bei vielen Herstellern von Solarstromspeichern Vereinfachungen dazu führen, dass ein Speichersystem gut in das gesamte dezentrale Energieversorgungssystem eingebunden werden kann, so ist es bei hochwertigen Photovoltaik mit Speichersystemen erforderlich, dass diese mit dem Internet verbunden sind und optimal konfiguriert werden, weshalb mangelhafte Installationen die Funktionsfähigkeit einschränken.

Weiterführende Links

War dieser Artikel hilfreich?

Ausführliche Infos zum Thema Strom
  • Energieausweis

    Thermografie

    Mit Thermografie Schwachstellen in der Isolation aufdecken

    Die sogenannte Thermografie kann dabei helfen, mangelhafte Isolationen an Wohngebäuden aufzuspüren. Letztendlich ist es eine Maßnahme, um Wärmeverluste aufzuzeigen, Isolationslücken ausfindig zu machen und dadurch Energie und Geld zu sparen.

  • Strommast

    BDEW

    BDEW: Vertreter von rund 1.800 Unternehmen

    Vom BDEW hört man immer wieder, vor allem, wenn es um die Themen Energie und Wasser geht. Was aber ist der BDEW, wen vertritt er und welche Ziele stehen hinter dem Verband?

  • Aktienkurs

    Negative Strompreise

    Negative Strompreise: Ursachen und Auswirkungen

    Negative Strompreise an der Börse sind keine Neuheit, kommen aber im Zuge der Energiewende häufiger vor. Sie entstehen, wenn es zu einem großen Gefälle zwischen Stromangebot und Nachfrage kommt.