Beratung

Experten-Interview: Wissenswertes rund um die Wärmepumpe

Die Wärmepumpe gilt als eine der klimaschonensten Heizmöglichkeiten. Wir haben uns vom Bundesverband Wärmepumpe e.V. zu den unterschiedlichen Techniken, den Vor- und Nachteilen und den möglichen Kosten beraten lassen.

Öko-Haus© ponsulak / Fotolia.com

1.) Was sind die größten Vorteile bei einer Wärmepumpe?

Wärmepumpen schonen das Klima, denn sie beziehen rund dreiviertel der Energie zum Heizen aus der Umwelt. Um die kostenlose Umweltwärme nutzbar zu machen, benötigen Wärmepumpen lediglich einen kleinen Anteil Strom für den Betrieb der Wärmepumpe – und dieser Strom wird zunehmend aus erneuerbaren Energien gewonnen. Da sich Wärmepumpen auch zum Kühlen eignen, erfüllen sie auch höchste Komfortansprüche.

Dr. Martin Sabel/ BWPDr. Martin Sabel ist Geschäftsführer des Bundesverbands Wärmepumpe e.V. und hat Kernfragen zur Wärmepumpe beantwortet.© Bundesverband Wärmepumpe (BWP) e.V.

2.) Welche Typen von Wärmepumpen gibt es überhaupt? Gibt es Häuser, bei denen das eine oder andere Modell besser geeignet ist?

Die grundsätzliche Unterscheidung der Wärmepumpentypen erfolgt nach der Wärmequelle. Mögliche Quellen sind Luft, Erdreich (Geothermie) und Wasser (Grundwasser oder Abwasser). Unter Einsatz von Strom werden Antrieb und Pumpe in Gang gesetzt und die kostenlose Umweltwärme nutzbar gemacht. Technik, rechtliche Vorgaben und Kosten unterscheiden sich je nach Wärmequelle, Lage und Größe des Grundstücks, ggf. Boden/Grundwasser-Qualität und natürlich nach dem Wärmebedarf des Hauses. Wärmepumpen stellen nicht nur im Neubaubereich eine hervorragende Alternative zu herkömmlichen Heizsystemen dar, sondern eignen sich auch für die Heizungsmodernisierung. Damit sind Wärmepumpen auch im Altbaubereich und bei energetischen Sanierungsmaßnahmen eine gute Möglichkeit, effizient, umweltschonend und kostengünstig zu heizen und das Trinkwasser zu erwärmen.

Vorteile bei der Luftwärme-Pumpe

Die Luft-Wärmepumpe kann im Gegensatz zur Erdwärmepumpe unabhängig von Grundstücks- und wasserrechtlichen Bedingungen überall eingesetzt werden. Für Erdwärmepumpen bedarf es in der Regel einer Genehmigung für die Bohrung. Wird die Erdwärme mit Hilfe eines Flächenkollektors gewonnen, muss das Grundstück genügend Platz (unbebaute Fläche) bieten. Wärmepumpen können nicht nur in Einzelgebäuden sondern auch als Teil von Siedlungs- oder Quartierslösungen eingesetzt werden – z.B. durch die Nutzung von Abwasserwärme.

Luftwärmepumpen eignen sich praktisch für alle Gebäude. Bei sehr dichter Bebauung und kleinen Grundstücken sollten die Auflagen des Schallschutzes besonders sorgfältig geprüft werden. Erdwärmepumpen überzeugen durch eine besonders gute Effizienz, durch die Quellenerschließung sind sie in der Anschaffung etwas teurer. Die Bohrung ist genehmigungspflichtig, in Wasserschutzgebieten bestehen Einschränkungen. Vielfach lassen sich Wärmepumpen zudem in bestehende Heizsysteme integrieren.

3.) Wie kann man die Wärmepumpe am effizientesten einsetzen? Was sind optimale Bedingungen?

Am effizientesten arbeitet die Wärmepumpe, wenn der Temperaturunterschied zwischen Wärmequelle und Vorlauftemperatur möglichst gering ist. Auch die Kombination mit einer Photovoltaikanlage bietet sich an: So lässt sich der selbst erzeugte Strom besonders wirtschaftlich nutzen. Besonders effizient arbeiten Anlagen mit Erdwärmesonden, die im Sommer zur passiven Kühlung eingesetzt werden. Wichtig ist die fundierte Planung und fachgerechte Ausführung der Anlagen. Beauftragen Sie erfahrene und qualifizierte Fachunternehmen.

4.) Welche Kosten muss man mindestens für den Einbau einer Wärmepumpe einplanen?

Die Kosten für den Einbau einer Wärmepumpe variieren je nach Wärmebedarf des Gebäudes Pumpenart, Funktionsanforderungen und Einbaubedingungen. Man kann für eine ungefähre Abschätzung von 1.000 Euro je kW Leistung der Wärmepumpe ausgehen, bei erdgekoppelten Systemen kommen die Kosten für die Quellenerschließung hinzu.

Der Einbau einer Wärmepumpe und der Umbau bestehender Heizsysteme wird über verschiedene staatliche Förder- und Marktanreizprogramme mit Beträgen von bis zu 11.000 Euro unterstützt. Im Neubaubereich lohnt sich die Wärmepumpe in der Regel auf jeden Fall.

5.) Muss man mit hohen Stromkosten rechnen?

Die Betriebskosten hängen vom Wärmebedarf des Gebäudes, dem Verbrauch an Warmwasser und von der Effizienz der Anlage ab. Für einen Neubau muss¬ je nach Gebäudestandard, Wärmepumpensystem und Strompreis bei rund 100 Quadratmeter beheizter Wohnfläche mit jährlichen Stromkosten in Höhe von 700 bis 900 Euro gerechnet werden.

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