Elektrifizierung des Antriebs – eine Herausforderu

Elektroautos – eine Herausforderung auch für die Kaskoversicherung

Für Elektroautos und Hybridfahrzeuge müssen Fahrzeugführer logischerweise wie bei einem Pkw mit Verbrennungsmotor eine Versicherung abschließen. Wie sehen die Angebote aus und auf was sollte man Acht geben?

13.03.2020, 15:25 Uhr
SolarautoWelche Schäden sollte die Elektroauto-Versicherung im besten Fall abdecken?© Petair / Fotolia.com

Elektromobilität ist das beherrschende Thema im Automobilmarkt. Um Strafzahlungen wegen zu hoher CO2-Werte zu vermeiden, haben alle namhaften Hersteller elektrifizierte Fahrzeuge am Start. Die Palette reicht vom Mild Hybrid mit einer geringen elektrischen Unterstützung über den Plug-in-Hybrid bis hin zu vollständig batterieelektrischen Fahrzeugen. Auch die Autoversicherer sind gefordert: Gehen von Elektroautos und Hybriden neue Gefahren aus? Gibt es Risiken, die in einer speziellen Elektroauto-Versicherung abzusichern sind?

Keine Änderungen der Haftpflichtversicherung

Die Kraftfahrzeug-Haftpflichtversicherung ist vom Thema Elektromobilität wenig betroffen. Sie kümmert sich um Schäden, die Halter oder Fahrer anderen schuldhaft zufügen oder die ohne Verschulden aus der Betriebsgefahr des Fahrzeugs entstehen. Hier sind zwar spezifische Schadenursachen aus dem Elektroantrieb denkbar: Durch einen Fehler in der Batterie oder beim Laden entsteht ein Brand, der auf ein Wohnhaus übergreift. Oder eine öffentliche Ladestation wird durch technischen Defekt oder Bedienungsfehler beschädigt. Dafür bedarf es aber keiner besonderen Elektroauto-Versicherung. Die normale Haftpflichtversicherung deckt die Schäden ab.

Ein Zusatzpaket für die Kaskoversicherung

Anders sieht es bei der Kaskoversicherung aus. Sie ersetzt Schäden, die dem Eigentümer des Fahrzeugs selbst entstehen. Viele Versicherer haben ein Elektro-Paket im Angebot. Oft ist es fester Bestandteil der Premium-Pakete, manchmal kann es auch zum Basisschutz hinzugekauft werden.

Die spezielle Elektroauto-Versicherung ist in der Regel abhängig davon, ob das Auto ein E-Kennzeichen hat. Hier heißt es aufpassen: Nicht jeder Plug-in-Hybrid erfüllt die gesetzlichen Voraussetzungen für den Zusatzbuchstaben. Das E-Auto darf nämlich nicht mehr als fünfzig Gramm CO2 pro Kilometer ausstoßen oder muss mindestens vierzig Kilometer rein elektrisch fahren können. Wer einen Hybrid ohne E-Kennzeichnen fährt, sollte trotzdem eine entsprechend erweiterte Kaskoversicherung haben, denn die Risiken sind identisch.

  • Für die Batterie sollte idealerweise eine Allgefahrenversicherung (All-Risks-Deckung) abgeschlossen werden. Sie bezieht sich nicht nur auf Gefahren wie Brand, Diebstahl, Sturm oder Unfall, sondern auf alle Ursachen, die nicht ausdrücklich ausgeschlossen sind. Übliche Ausschlüsse sind Verschleiß, Abnutzung, Konstruktions- und Materialfehler.
  • Wenn die Versicherung eine Neupreisentschädigung (bei Gebrauchtwagen eine Kaufpreisentschädigung) für eine bestimmte Zeit umfasst, sollte sich diese Regelung auch auf die Batterie beziehen. Ein Abzug "neu für alt" ist dann in dieser Zeit ausgeschlossen.
  • Nach einem Schaden, zum Beispiel nach einem Unfall, können hohe Entsorgungskosten für einen unbrauchbaren Akku entstehen. Streng genommen ist das kein Sachschaden. In einer guten Elektroauto-Versicherung werden die Kosten der Resteverwertung aber übernommen. Im Vorfeld einer möglichen Entsorgung der Batterie sind auch Sachverständigenkosten möglich, um den Zustand eines Akkus zu prüfen und seinen Restwert zu ermitteln. Auch solche Kosten sind versicherbar.
  • Eine weitere wichtige Position ist ein Ersatz für den Diebstahl von Ladekarten, wenn der Dieb sie unberechtigt nutzt und dadurch Guthaben aufbraucht oder Abbuchungen veranlasst. Die Entschädigungsgrenze hierfür sollte mindestens 100 Euro betragen.
  • Für Schäden durch Kurzschluss gilt üblicherweise ein recht eingeschränkter Schutz. Eine umfassende Deckung besteht nur, wenn das Fahrzeug in Brand gerät. Bei einem Elektroauto drohen aber sehr hohe Schäden durch elektrische Ursachen, zum Beispiel einen indirekten (mittelbaren) Blitzschlag. Das kann passieren, wenn das Auto an eine Ladestation angeschlossen ist und plötzlich ein Gewitter heraufzieht, das eine Überspannung im Stromnetz verursacht. Solche Schäden sind in typischen Elektro-Paketen mitversichert. Gleiches gilt für Folgeschäden nach Tierbiss (Marderbiss) an der Verkabelung. Die Auswirkungen auf ein Elektroauto sind viel gravierender als beim Verbrennungsmotor.
  • Schließlich gibt es Deckungsmodelle, die Versicherungsschutz für eigene Ladestationen (Wallboxen) bieten, beispielsweise gegen Überspannung und Vandalismus. Normalerweise ist dieser Schutz subsidiär zu anderen Versicherungen. Das heißt, eine leistungspflichtige Gebäude- oder Elektronikversicherung geht gegebenenfalls vor.

Rabatt oder Zuschlag für die Elektroauto-Versicherung?

Eine erweiterte Kaskoversicherung erhöht die Schadenkosten, mit denen das Versicherungsunternehmen kalkuliert. Außerdem sind E-Autos in der Regel deutlich teurer als ein vergleichbares Modell mit Verbrennungsmotor. Folglich müsste die Versicherung einen Zuschlag nehmen. Der ist aber sehr gering. Das hat folgende Hintergründe:

  • Der höhere Fahrzeugwert wird über die Typklasse abgebildet
  • Die Gefahren machen weniger als 0,1 Prozent Beitragszuschlag aus, wenn man den zusätzlichen Aufwand auf alle versicherten Fahrzeuge (auch mit Verbrennungsmotor) verteilt
  • Eine höhere Brandgefahr geht von E-Autos nach den bisher vom Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) gesammelten Zahlen nicht aus.
  • Green & Social haben sich viele Versicherer auf die Fahnen geschrieben. Der Käufer eines Elektrofahrzeugs hat den Nutzen davon. Denn statt des kalkulatorisch erforderlichen Zuschlags gibt es bei vielen Unternehmen einen tariflichen Rabatt für Autos mit E-Kennzeichen. 10 Prozent sind in der Elektroauto-Versicherung durchaus üblich.

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