Kostenvergleich

Elektroauto: So viel kostet das Aufladen

Die Kosten beim Aufladen eines Elektroautos hängen von vielerlei Faktoren ab. Genau wir bei Benzinern spielt der Verbrauch des PKW eine Rolle. Beim E-Autos spielt jedoch auch noch die Ladetechnik mit ein. Großen Einfluss hat jedoch, an welcher Steckdose geladen wird.

elektrotankstelle© Petair/ Fotolia.com

Wie sagt man so schön: Früher war alles einfacher. Die Benzinkosten für das gute alte Automobil mit Verbrennungsmotor sind schnell ausgerechnet: Benzinpreis mal getankte Liter - fertig. Es gibt zwar Differenzen zwischen den Markentankstellen, den freien Tankstellen und dem Zeitpunkt des Tankens, allerdings liegt der Preis auch dank der Markttransparenzstelle immer in einem bestimmten Bereich. Anders bei Elektroautos. Um die Analogie mit dem Sprit aufrechtzuerhalten: Im Bereich Elektro gibt es Benzinsorten gleicher Oktanzahl mit völlig unterschiedlichen Preisen. Und es gibt Tankstellen mit "dünnen" und mit "dicken" Zapfhähnen, wobei sich auch dieser Unterschied auf den Spritpreis auswirkt. Und schließlich kann man auch noch zuhause oder bei der Arbeit tanken - auch wieder zu einem anderen Preis. Hier ein kleiner Überblick.

E-Auto aufladen - ein Vorgang mit vielen Facetten

Eines gleich vorneweg: Genaue Kostenangaben auf Euro und Cent sind beim Laden von Elektroautos sehr schwer möglich. Dazu gibt es zu viele Variablen. Der Preis hängt davon ab, ob man das Auto an der Haushaltssteckdose auflädt oder an einer kommerziellen Ladestation. Und für beide Fälle gibt es auch wieder eine Reihe von Unterscheidungsmöglichkeiten.

Beim privaten Laden hängt alles vom lokalen Strompreis ab, und der kann bekanntlich je nach Anbieter und Region stark schwanken. Bei den kommerziellen Ladestationen wird der Preis vom Geschäftsmodell der Anbieter und von der technischen Variante des Ladeverfahrens bestimmt.

Diese bunte Palette an Einflussfaktoren verbietet eine exakte Kostenbestimmung für die elektrischen Spritkosten. Um wenigstens die Größenordnung zu vermitteln, kommen im Folgenden allgemeine Durchschnittswerte zum Einsatz. Sie lassen zumindest eine relative Bewertung zu.

E-Auto privat laden - die günstigste Methode

Gäbe es bereits eine voll entwickelte Infrastruktur für das Laden von Elektroautos, wäre die Nutzung kommerzieller Ladestationen eher die Ausnahme, beispielsweise auf Reisen, oder wenn man das Laden zuhause oder bei der Arbeit verschwitzt hat. Das allerdings würde das erfordern, dass jeder Tiefgaragenplatz über eine eigene Steckdose verfügt, die der jeweiligen Wohnung zugeordnet ist. Für Häuser ohne Tiefgarage oder Laternenparker bietet sich diese Möglichkeit allerdings nicht. Am Arbeitsplatz ließe sich die Einzelabrechnung über Chipkartensysteme regeln. Leider ist es noch lange nicht soweit.

Für die Aufladung zu Hause empfiehlt es sich, eine speziell dafür ausgelegte Wallbox installieren zu lassen. Zwar ist das Aufladen in der Theorie auch über einen gewöhnlichen Haushaltsstecker (Schuko) möglich, allerdings dauert es es sehr viel länger als mit einem speziellen Stecker und außerdem droht eine Überlastung der Leitungen.

Für die Berechnung der Ladekosten an der privaten Steckdose soll ein Durchschnittswert von 30 Cent pro Kilowattstunde gelten. Hier kommt allerdings eine weitere Variable ins Spiel: Wie viele Kilowattstunden sind erforderlich, um 100 Kilometer weit zu fahren? Die Antwort: Das hängt – genau wie bei Benzin- oder Dieselautos - vom PKW ab.

Es ist leicht nachvollziehbar, dass ein E-Smart erheblich genügsamer ist als beispielsweise ein Tesla Model X. Laut ADAC Ecotest 2019 verbraucht der E-Smart knapp 15 Kilowattstunden pro 100 Kilometer im Stadtverkehr. Daraus ergibt sich ein Gesamtpreis von 4,50 Euro pro 100 Kilometer. Beim Model X 100D von Tesla sind es hingegen demnach 24 kWh pro 100 Kilometer - also 7,50 Euro.

Zum Vergleich: Ein Benziner der unteren Mittelklasse mit einem realen Verbrauch von acht Litern Superbenzin auf 100 Kilometer bringt es bei einem angenommen Literpreis von 1,45 Euro für die gleiche Strecke auf stolze 11,60 Euro.

Dass sich die Ladekosten durch die Nutzung einer Solaranlage bis auf Null senken lassen, muss nicht extra erwähnt werden. Diese Variante weitergedacht, kann das Elektroauto beim Verbrauch sogar zum Positivposten werden - dann nämlich, wenn es als Zwischenspeicher für zu viel erzeugten Strom dient.

Kommerziell laden: Unterschied zwischen Gleich- und Wechselstrom

Im Grunde ist ein Elektroauto für viele erst dann erstrebenswert, wenn für das Tanken kein eigenständiger Termin eingeplant werden muss - wenn dafür also nicht mehr als fünf Minuten erforderlich sind. Doch bis es soweit ist, muss sich der Fahrer jede eingesparte Minute gewissermaßen zusätzlich erkaufen. Dies geschieht durch die Nutzung unterschiedlicher Lademethoden, wie schnell nämlich ein E-Auto lädt, hängt unter anderem von der Batteriekapazität, der technischen Ausstattung der Ladesäule und der Art des Ladekabels bzw. Ladesteckers ab.

E-Auto LadesteckerCHAdeMO- und CSS-Stecker: An diesen Ladesäulen wird mit Gleichstrom (DC) und mit bis zu 50 Watt aufgeladen.© kavring/ fotolia.de

Das Problem mit den bestehenden technischen Unzulänglichkeiten beim Laden lassen sich die Anbieter vom Verbraucher bezahlen. Mit anderen Worten: Wer dem Hauptnachteil von Elektroautos - den langen Ladezeiten - so weit wie möglich entgehen will, muss das in harter Münze bezahlen. Im Detail:

An Stationen mit Steckertyp 2 (AC: Laden mit Wechselstrom) kann mit einer Leistung von bis zu 22 kW geladen werden. Damit dauert das dauert das Vollladen zwischen zwei und fünf Stunden. An Stationen mit CCS- oder CHAdeMO-Anschluss (DC: Laden mit Gleichstrom/ bis zu 50 Watt) hängt man zwischen 30 und 60 Minuten am Kabel. Bei den meisten Anbietern kostet das schnellere Laden deutlich mehr, wie der Ladesäulencheck von Lichtblick (2019) zeigt.

Verwirrend: unterschiedliche Abrechnungsmodelle je Anbieter und Ladesäule

Zu allem Übel kommt aber noch eine äußerst intransparente Tarifstruktur hinzu. Einige Anbieter rechnen nach der Anzahl der geladenen Kilowattstunden ab, andere nach Ladezeit. Bei Letzterem sind noch einmal Unterschiede festzustellen: Es gibt Modelle, bei denen pro Stunde, oder etwa im Fünf-Minuten-Takt abgerechnet wird. Und wieder andere berechnen einen monatlichen Pauschalpreis und für die die Tankladungen gilt dann eine Flatrate. Unter den Unternehmen, die öffentliche Stromtankstellen bereitstellen finden sich unter anderen Netzbetreiber, regionale Stromanbieter aber auch etwa Firmen wie die Deutsche Telekom, die unter der Marke "Get Charge" quasi als Vermittler (auch Roaminganbieter genannt) zwischen unterschiedlichen Anbietern fungiert und E-Autofahrern das Tanken an Ladepunkten unterschiedlicher Anbieter ermöglicht.

Preise an Ladesäulen im Vergleich

Der Ladesäulencheck von Lichtblick zeigt, dass unter 12 Versorgern, die das Laden ohne Vertrag anbieten, drei nach Kilowattstunde, drei zeitbasiert und vier pauschal abrechnen. Zwei Anbieter stellen Ladepunkte gratis zur Verfügung. Einige der Ergebnisse der Untersuchung sind in der folgenden Tabelle zusammengefasst:

Anbieter Abrechnungsmethode Preis AC-Laden Preis DC-Laden BMW i3: Kosten einer Ladung für 100 km*
EWE nach Zeit 4,90 € pro Stunde/ 5,99 € ab 90 Min. 5,30 € für 10 Min./ 10,50 € für 30 Min. 5,99 €
EnBW Pro kWh 0,39 €/ kWh 0,49 €/ kWh 5,85 €
Stadtwerke Düsseldorf pauschal 5,70 € 10 € (an DC- und AC-DC-Säulen) 5,70 €
Get Charge (an bevorzugten Ladestellen z.B. Allego) pro kWh 0,29 €/ kWh 0,39 €/ kWh 4,35 €
Get Charge (sonstige Ladestellen) pro kWh 0,89 €/ kWh 13,95 € (Beispiel Stadtwerke München)

*Beispiel BMW i3 mit einem Verbrauch von 15 kWh pro 100 Kilometer gefahrener Strecke/ Ladesäule Typ AC-3 (11 KW)

E-auto laden Lichtblick hat 2019 die Kosten für das Aufladen eines Elektroautos bei unterschiedlichen Anbietern verglichen. © LichtBlick SE

Weitere Faktoren und Ausblick

Zu den genannten Einflussfaktoren kommen noch einige hinzu: Verfügt der Wagen über eine Rekuperationsanlage, also eine Einrichtung, die beim Bremsen oder Abwärtsfahren Strom erzeugt und dem Akku zuführt, senkt das den Verbrauch pro gefahrenem Kilometer spürbar.

Auch die Zuladung spielt eine Rolle. Ein Auto mit einem Fahrer verbraucht weniger Strom als eines mit fünf Bodybuildern und dem kompletten Hantelset im Kofferraum. Und schließlich spielt auch die Witterung eine Rolle: Bei Temperaturen im Frostbereich entlädt sich der Akku schneller - auch das schlägt sich auf den Verbrauch nieder.

Die Treibstoffkosten sind beim Elektroauto durchweg geringer als bei einem Wagen mit Verbrennungsmotor der gleichen Leistungsklasse. Dennoch hat sich noch kein führender Trend bei den Energiekosten durchgesetzt. Das wird auch so bleiben, bis sich eine nennenswerte Lade-Infrastruktur herausgebildet hat. Sollen sich Elektroautos auf breiter Front durchsetzen, sind zum einen markante Verkürzungen bei den Ladezeiten und zum anderen der Ausbau privater Lademöglichkeiten zuhause und am Arbeitsplatz unabdingbar.

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