Energieeinsparverordnung

Dämmpflicht für Hausdächer gilt nicht für jeden

Die Dämmpflicht ist ein Bestandteil der Energieeinsparverordnung. Bereits bis Ende 2015 mussten einige Hausbesitzer nachträglich eine Sanierung vornehmen. Für wen gilt die Verpflichtung?

DachstuhlDie Dämmpflicht bezieht sich auf die oberste Geschossdecke über den beheizten Räumen.© Horst Schmidt / Fotolia.com

Düsseldorf – Viele Hausbesitzer mussten ihre obersten Geschossdecken oder Dächer bis Ende 2015 nachträglich dämmen, weil diese nicht Mindestanforderungen zum Wärmeschutz erfüllten. Grund dafür waren die Bestimmungen der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014).

Mit der EnEV 2016 haben sich die Standards noch einmal verschärft – hierbei wurden jedoch lediglich die Auflagen für Neubauten angezogen, bei Bestandsgebäuden bleibt es auf dem Stand der EnEV 2014. Ziel: Bis 2050 soll der Energieeinsatz gegenüber 2008 um 80 Prozent sinken. Dieses Ziel stammt von der EU, welche eine Richtlinie zur Energieeffizient von Gebäuden verabschiedete.

Welche Ausnahmen von der Dämmpflicht gibt es?

Nicht dämmen müssen Besitzer von Ein- und Zweifamilienhäusern, die bereits vor Februar 2002 selbst in ihrer Immobilie gewohnt haben. Im Haus muss außerdem mindestens vier Monate im Jahr geheizt werden. Ferienhäuser sind deshalb in der Regel nicht betroffen. Und: Nach dem Kauf eines Gebäudes beträgt die Frist fürs Dämmen zwei Jahre.

Dämmen muss nicht teuer sein

Die Dämmpflicht betrifft laut Verordnung die oberste Geschossdecken über den beheizten Räumen. Dabei ist es egal, ob der Boden begehbar ist oder nicht. Damit gilt die Regelung auch für Spitzböden. Das Dämmen der Decken sei keine teure Maßnahme, sagt Katrin Wefers von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen. "Das geht in Eigenleistung mit Dämmplatten aus dem Baumarkt." Bei Holzbalkendecken reicht es, die Hohlräume mit Dämmstoff zu füllen. Wird der Raum unter dem Dach aber geheizt, muss im Zweifel das Dach gedämmt werden.

Dämmpflicht entfällt mit Erreichen bestimmter Standards

Ausgenommen von der Dämmpflicht sind aber auch Geschossdecken, die den Mindestwärmeschutz nach DIN 4108-2 erfüllen. Dieser liegt bei einem Wärmedurchlasswiderstand (R-Wert) von 0,90. Wenn die oberste Geschossdecke oder das Dach im bisherigen Zustand diesen Standard erfüllt, besteht laut Bundesbauministerium keine Dämmpflicht. Der Mindestwärmeschutz sieht vor, dass die Bausubstanz nicht durch Tauwasser angegriffen und das Raumklima nicht feucht wird.

Kfw-Bank fördert Sanierungen

Für Hausbesitzer, die nachrüsten müssen, gilt: Nach der Sanierung muss die Decke oder das Dach einen Wärmedurchgangskoeffizienten (U-Wert) von 0,24 aufweisen. Die Maßnahme ist durch die KfW-Bank förderfähig, den Antrag muss aber ein beauftragter Energieberater stellen, erklärt Wefers. Er überprüft nach der Sanierung auch, ob das Dach den KfW-Anforderungen entspricht. Diese sind mit einem maximalen U-Wert von 0,14 nämlich höher als jene der gesetzlichen Vorgabe. "Im Klartext: Mit ein paar Zentimeter mehr Dämmstoff ist in solchen Fällen ein Kredit oder Zuschuss drin", sagt Wefers.

Stefan C. Würzner vom Bauherren-Schutzbund rät jedoch, das Projekt zunächst ohne Förderung zu planen. Erst danach sollte man schauen, wo Nachbesserungen möglich sind, um die Fördermittel zu bekommen. So lässt sich gut abschätzen, ob sich der Mehraufwand wirklich lohnt.

Andere Schlupflöcher

Die EnEV hat aber noch mehr Schlupflöcher: Ist davon auszugehen, dass die Baukosten das zu erwartende Einsparpotenzial beim Energieverbrauch um ein Vielfaches übersteigen, muss nicht den Vorgaben entsprechend gedämmt werden. "Dieser Fall tritt aber selten ein", sagt Wefers. Betroffen ist etwa erhaltenswerte Bausubstanz, deren Dachstuhl im Zuge der Sanierung ab- und wieder aufgebaut werden muss. Das Problem: Wie genau die Unwirtschaftlichkeit einer Sanierung nachweisbar ist, wird in der EnEV nicht geregelt. Hier hilft im Zweifel nur eine Nachfrage bei den zuständigen Behörden.

Lohnt sich die Dämmung des Daches?

Das führt zur Frage, ob eine Dämmung nach EnEV-Richtlinien wegen des geringeren Energieverbrauchs auf lange Sicht lohnenswert ist? Würzner kann dazu keine pauschale Antwort geben: Das Einsparpotenzial sei nicht konkret zu benennen. "Dafür hängen Energiekosten zu sehr von Faktoren wie dem Ölpreis ab." Aussagen, bis wann sich eine Sanierung rechnet, sind deshalb schwer möglich. Allerdings erhöht sich oft der Wohnkomfort: "Im Winter ist es behaglicher in den Räumen und die Heizung muss nicht so hoch gestellt werden." Für die Zukunft kann sich die Investition auch aus ganz anderem Grund lohnen: Ein energetisch sehr gutes Gebäude habe in der Regel einen höheren Verkaufswert, sagt Würzner.

Quelle: DPA

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