Energiestandard

Dämmen mit Naturmaterialien – gesund und ökologisch bauen und sanieren

Beim Dämmen kann aus einer bunten Palette an Naturmaterialien gewählt werden, darunter Stroh, Flachs und Schafwolle. Unser Ratgeber zeigt die Dämmmaterialien in der Übersicht.

03.04.2020, 16:07 Uhr
Dämmaterial Beim Dämmen weisen die unterschiedlichen Naturmaterialien ganz unterschiedliche Eigenschaften auf.© Ingo Bartussek / AdobeStock

Seit einigen Jahren sind Bauherren gesetzlich verpflichtet, neue Häuser energieeffizient zu errichten. Wie sie die Vorgaben umsetzen und welches Dämmmaterial sie dabei verwenden, bleibt ihnen weitgehend selbst überlassen. Immer größerer Beliebtheit erfreut sich beim Bauen und Sanieren das Dämmen mit Naturmaterialien wie Hanf, Flachs, Holzfaserdämmplatten oder Zelluloseflocken. Diese sorgen nicht nur für ein besseres Raumklima als herkömmliche Dämmstoffe, sie schützen auch auf natürliche Weise gegen Insekten- und Schimmelbefall.

Natürliche Dämmmaterialien – keine neuzeitliche Erfindung

Schon unsere Vorfahren nutzten das Dämmen mit Naturmaterialien, um ihre Hütten gegen die winterliche Kälte zu isolieren. In der Bronzezeit wiesen mit Heu und Stroh gedeckte Dächer einen Wärmeschutz von bis zu 0,3 W/(m²K) auf. Die tragenden Pfosten der Wände wurden auf beiden Seiten mit lehmbeworfenem Flechtwerk verkleidet. Dazwischen wurde trockenes Gras gestopft, um das Ganze möglichst komplett abzudichten. Bei einer Dicke von zehn Zentimetern und einer guten Stopfdichte lag der Wärmeschutz der Wände bei 0,5 bis 1,0 W/(m²K).

Kurzinfo: Wärmedurchgangskoeffizient

Wie gut eine Dämmung arbeitet, wird mit dem Wärmedurchgangskoeffizienten in Watt pro Quadratmeter und Kelvin W/(m² K) angegeben. In die Berechnung fließen die Dicke und die Wärmeleitfähigkeit der Materialien ein. Bei der Wärmedämmung ist folglich der niedrigere Wert der bessere.

Umstieg auf Holzblockwände und Fachwerk

Im Laufe der Zeit ersetzten haltbare Holzblockwände die bronzezeitlichen Flechtwände. Abhängig von der Dicke der verwendeten Balken oder Rundstämme ergab sich ein Wärmeschutzwert von 0,5 bis 0,8 W/(m²K). Die später üblichen Fachwerkwände mit Lehmgefachfüllung kamen hingegen nur auf 1,9 bis 1,6 W/(m²K). Mit Feldsteinen oder Ziegelfüllung waren es sogar nur 3,2 bis 2,5 W/(m²K).

Strohgedeckte Dächer dämmten die Häuser noch bis ins 18. Jahrhundert von oben. Dann wurde diese Bedachung vielerorten aus Brandschutzgründen verboten und durch Ziegeldächer ersetzt. Das Dämmen mit Naturmaterialien verlor damit deutlich an Stellenwert.

Für jeden Zweck der richtige Dämmstoff

Die Palette an ökologischen Dämmmaterialien ist lang. Die Auswahl erstreckt sich von Holzfasern, Holzspänen und Zellulose über Hanf, Flachs und Schafwolle bis hin zu Schilf, Gras, Stroh und Kork. Allerdings taugt nicht jeder Stoff für jedes Einsatzgebiet.

Zum Dach Dämmen mit Naturmaterialien eignen sich beispielsweise Flachs und Zellulose, die eine hohe Wärmekapazität besitzen und gut vor extremen Temperaturen schützen. Besonders beliebt ist die Zellulose-Einblasdämmung, bei der lose Flocken in die Hohlräume der Dachkonstruktion geblasen werden. Alternativ ist es möglich, Hanf-, Schafwoll- oder Jutematten in die Hohlräume des Dachbodens einzubringen.

Für die Boden- und Deckendämmung können Seegras, Schilf, Baustroh und Wiesengras, aber auch Holzspäne, Holzwolleleichtbauplatten und Holzfaserdämmplatten verwendet werden. Geht es um das Fassaden Dämmen mit Naturmaterialien, richtet sich die Werkstoffauswahl nach dem genauen Einsatzfeld. Die Innendämmung lässt sich beispielsweise mit Holzwolle-Leichtbauplatten, Holzfaserdämmplatten oder Schilf realisieren, während für die Vorsatzschalen (Wandaufbau) innen und außen Flachs, Hanf, Kork, Zellulose, Holzspäne und Holzfasern infrage kommen. Für die Dämmung eines Wärmeverbundsystems (WDVS) sind Schilf, Kork, Holzwolle- und Holzfaserdämmplatten eine gute Wahl.

Dämmen mit Naturmaterialien – Vor- und Nachteile verschiedener ökologischer Dämmstoffe

Der größte Pluspunkt beim Dämmen mit Naturmaterialien liegt in der Umweltfreundlichkeit der Dämmstoffe, der größte Minuspunkt im vergleichsweise hohen Preis. Abhängig vom jeweiligen Werkstoff kommen noch weitere Vor- und Nachteile hinzu.

Dämmaterialien

Holz

Als Klassiker unter den Naturdämmstoffen sorgt Holz in Form von Holzfasern, Holzplatten oder Zellulose für eine gute Temperaturisolation. Es schützt nicht nur vor winterlicher Kälte, sondern hält im Sommer auch die Hitze draußen. Darüber hinaus wirkt Holz feuchtigkeitsregulierend und verbessert dadurch das Raumklima. Bezüglich des Brandschutzes wird Holz der Baustoffklasse B2 zugeordnet. Hinsichtlich der Effizienz beim Dämmen mit Naturmaterialien erreicht der Baustoff "nur" gehobenes Mittelmaß.

Flachs und Hanf

Diese Materialien eignen sich zur Dämmung von Dächern, Wänden und Böden. Ob als Stroh, Matten oder Mörtel – die Verarbeitung gelingt einfach und sauber. Da Hanf keine Nährstoffe enthält, ist er als Futter für Schädlinge uninteressant. Weil beim Anbau weder Dünger noch Insekten- oder Pflanzenschutzmittel zur Anwendung kommen, werden die Ackerböden nicht belastet. Deshalb gestaltet sich das Dämmen mit diesen Naturmaterialien besonders umweltfreundlich. Der größte Nachteil der Hanfdämmung liegt im eingeschränkten Brandschutz. Zudem ist sie für Wärmedämmverbundsysteme ungeeignet.

Stroh

Stroh-Dämmungen werden aus Weizen-, Roggen-, Gersten- oder Haferstroh hergestellt, das bei der Getreideernte ohnehin anfällt. Ohne weiteren Herstellungs- und Energieaufwand bietet Stroh beste Voraussetzungen für das Dämmen mit Naturmaterialien. Mit seinem besonders guten Wärmeschutz eignet sich dieser Werkstoff für den Bau von Passivhäusern. Da das Material unter Feuchtigkeitseinfluss leicht modert und schimmelt, ist es nicht als Kerndämmung für zweischaliges Mauerwerk zugelassen. Auch der Schädlingsschutz ist limitiert.

Schafwolle

Ihre hervorragenden Dämmeigenschaften verdankt Schafwolle ihrer Struktur. Indem sie sich kräuselt, bildet sie unzählige Hohlräume, welche die Wärme festhalten, Schall schlucken und feuchtigkeitsregulierend wirken. Zum Dämmen von Dächern, Wänden und Böden werden Wollballen, Vlies oder Filz genutzt. Zudem eignet sich Wolle gut zum Ausfüllen von Hohlräumen und zum Fugenstopfen. Da sich die Bio-Dämmung von der Weide erst bei 560 °C entzündet, ist der Brandschutz gewährleistet. Allerdings stammt die Wolle oft aus Übersee und muss aufwendig angeliefert werden. Dadurch fällt der ökologische Fußabdruck bei Schafwolle etwas größer aus als beim Dämmen mit anderen Naturmaterialien.

War dieser Artikel hilfreich?

Ausführliche Infos zum Thema Heizung
  • Fenster

    Wärmeschutzfenster

    Mit Wärmeschutzfenstern Heizkosten sparen

    Wärmeschutzfenster lassen durch ihre Beschaffenheit weniger Wärme aus dem Haus oder der Wohnung nach draußen dringen. Das kann zusammen mit einer guten Dämmung helfen, die Heizkosten zu reduzieren. Welche Ausführungen gibt es hier?

  • Heizöltank

    Öltank

    Der Öltank – Wissenswertes zu Material, Größe und Kosten

    Ein neuer Öltank benötigt Platz. Wie viel Raum sollte man für den Tank einplanen, welche Arten gibt es ganz generell und welche rechtlichen Vorgaben gibt es? Alle Basisinformationen finden Sie im folgenden Beitrag.

  • Energieeffizienz

    Null-Energie-Hotel

    Null-Energie-Hotel: Übernachten mit gutem Gewissen

    Das Thema Nachhaltigkeit spielt in immer mehr Bereichen unseres Lebens eine Rolle. Wer zum Beispiel umweltfreundlich verreisen möchte, kann in einem sogenannten Null-Energie-Hotel übernachten. Was ist das genau?