Erdgasauto

Biogas tanken schont Umwelt und Geldbeutel

Biogas tanken hat gleich mehrere Vorteile. Im Vergleich zu Diesel oder Benzin ist der Kraftstoff deutlich günstiger. Aber woher kommt das Biogas und wie kommt es an die Tankstelle?

ErdgasautoBiogas wird zunächst aufbereitet und kann dann wie reguläres Erdgas getankt werden.© Zukunft ERDGAS/Danny Kurz

Warum Biogas tanken?

Der Kraftstoff Biomethan, auch Bio-Erdgas genannt, besteht aus Biogas, das auf Erdgasqualität aufbereitet wurde. Der Treibstoff gilt als nahezu klimaneutral und schont damit die Umwelt. Eine Tankfüllung ist preiswerter als bei einem Fahrzeug, das mit Benzin oder Diesel betrieben wird. Die Umrechnung ist dabei nicht ganz leicht, weil Erdgas in Kilogramm verkauft wird.

Einem Vergleich von Zukunft Erdgas e.V. kann man bei einer Tankfüllung im Wert von zehn Euro mit dem Kraftstoff Superbenzin 107 Kilometer, mit Diesel 178 Kilometer und mit Erdgas im Tank 196 Kilometer fahren (Stand 2017; Vergleich der Herstellerdaten zum Opel Zafira Tourer). Bio-Erdgas ist dabei nicht unbedingt teurer als reguläres Erdgas. Außerdem profitieren Erdgas-Fahrer von Steuererleichterungen, die die Bundesregierung Kraftstoffen aus komprimiertem Erdgas bis zum Jahr 2026 gewährt.

Ist das Gas ökologisch?

Die Vorsilbe "Bio" bedeutet nicht, dass es sich um ein Produkt aus der ökologischen Landwirtschaft handelt. Stattdessen weist der Zusatz "Bio" darauf hin, dass das Gas biotisch gewonnen wird. Damit ist gemeint, dass Biomasse in speziellen Biogasanlagen vergoren wird und bei diesem chemischen Prozess das Gas freisetzt. Die verwendete Biomasse besteht aus Pflanzen und Pflanzenresten, Bioabfall, Gülle, Mist und Klärschlamm. Nach einer Veredelung des Gases zu Biomethan eignet sich der Brennstoff als Antrieb für Erdgas-Fahrzeuge oder solche, die auf den Treibstoff umgerüstet worden sind. Die Klimabilanz fällt beim Bio-Erdgas deutlich besser aus, als bei fossilen Energien, weil die bei der Verbrennung entstehende Menge an CO2 etwa derselben Menge an Treibstoffen gleich kommt, die die Pflanzen beim Wachsen aufgenommen haben.

Es gibt aber auch kritische Stimmten zum Thema Biogas. Dabei geht es beispielsweise darum, dass der Maisanbau in Deutschland stark zugenommen hat, um mit dem Getreide die Biogasanlagen zu füllen (sogenannter Energiemais). Dabei entsteht Kritikern zufolge eine Flächenkonkurrenz für den Anbau anderer Pflanzen, dem Mais zur Tierfütterung und dem Energiemais. Außerdem wird in dem Zusammenhang von einer "Vermaisung" des Landschaftsbildes gesprochen. Ein weiterer Kritikpunkt ist ein Rückgang der Tierzucht insgesamt.

Kann jedes Fahrzeug umgerüstet werden?

Wer sich für ein mit Gas betriebenes Fahrzeug als Neuwagen entscheidet, findet bei den meisten Automobilherstellern ein entsprechendes Modell. Außerdem kann fast jedes Fahrzeug auf den Betrieb mit Gas umgerüstet werden. Der Umbau lohnt sich jedoch nicht in jedem Fall. Bei einem mit Benzin betriebenen Auto müssen die Techniker lediglich eine weitere Zuleitung für das Gas legen. Das Gas wird im Kolben mit einer vorhandenen Zündkerze gezündet, damit der Motor startet. Ein Diesel-Pkw hingegen verfügt über keine Zündkerzen, sodass sie erst hinzugefügt werden müssen. Daher ist der Umbau eines Dieselfahrzeugs erheblich teurer als bei einem Benziner.

Wie kommt Biomethan an die Tankstelle?

In einer Biogasanlage erzeugen die Betreiber erneuerbares Gas, indem sie organische Abfälle vergären. Das Rohgas wird anschließend in Biomethan mit einem hohen Heizwert veredelt. Dazu wird das Rohgas entschwefelt und entwässert. Nach der Verdichtung des Gases auf 200 bar bis 300 bar können entsprechend umgerüstete Fahrzeuge den Treibstoff an einer Biogastankstelle tanken. Die Tankstelle erhält das Gas über unterirdische Leitungen, die von der Aufbereitungsanlage bis zum Standort der Tankstelle führen. Dabei wird zum Teil das öffentliche Gasnetz für die Durchleitung genutzt und dient auch als Zwischenspeicher.

Gibt es reine Biogastankstellen?

Ja, es gibt diese Tankstellen. Schon im Jahr 2006 wurde in Niedersachsen in der Stadt Jameln im Hannoverschen Wendland die erste reine Biogastankstelle Deutschlands eröffnet. Auch im europäischen Ausland gibt es Tankstellen, die ausschließlich den Brennstoff anbieten. So eröffneten 15 Bauern aus dem niederösterreichischen Margarethen am Moos im August 2008 ihre erste Tankstelle, die seit dem Jahr 2011 auch von der Öffentlichkeit genutzt werden kann. In zahlreichen anderen Ländern Europas gibt es ebenfalls immer mehr Gastankstellen, an denen die Autofahrer sowohl herkömmliches Erdgas als auch Biomethan für ihre Fahrzeuge erhalten.

Laut dem Statistikportal statista.de ist die Anzahl der Erdgastankstellen in Deutschland von 2001 bis 2017 von 203 auf 878 Tankstellen angestiegen. An rund einem Drittel der Zapfsäulen können die Autofahrer auch Bio-Erdgas beziehen, wobei mehr als 80 der Tankstellen von verbiogas beliefert werden. Verbiogas legt Wert auf die Feststellung, dass der Kraftstoff ohne Einsatz von Mais oder anderen Nahrungsmitteln hergestellt wird. Auch der Energiekonzern RWE hat bereits im Jahr 2012 sämtliche von ihm betriebenen Erdgastankstellen auf Biogas umgestellt.

Unterscheidet sich Biomethan beim Fahren von herkömmlichem Erdgas?

Erdgas wird auf Englisch als Compressed Natural Gas (CNG) bezeichnet. An einer CNG-Tankstelle erhalten Autofahrer entweder nur Erdgas oder eine Mischung aus Erdgas und Biomethan oder auch reines Biomethan ohne Erdgas. Auf die Leistung des Motors oder die Reichweite einer Tankfüllung haben Zusammensetzung und Mischverhältnis des Gases keine Auswirkungen.

Achtung: Erdgas (CNG) ist nicht austauschbar mit Flüssiggas bzw. Autogas (LPG). Die Tankhähne unterscheiden sich aber, so dass ein fehlerhaftes Tanken in der Regel verhindern, dass hier eine Verwechslung stattfinden kann. An den meisten Tankstellen wird hierauf auch explizit noch einmal hingewiesen.

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