Streitthema Stromnetz in Deutschland

Das Stromnetz in Deutschland muss im Zuge der Energiewende erweitert werden. Politiker und Bürger diskutieren heftig darüber, wo die Leitungen entlang laufen sollen und wie man die Leitungen am besten realisieren kann, weil sich viele gegen den Bau in ihrer Nähe wehren.

Streitthema Stromnetz in Deutschland

Nachdem die deutsche Bundesregierung den Ausstieg aus der Atomenergie beschlossen hat, wurden bereits mehrere Atomreaktoren geschlossen. Auch die restlichen Reaktoren stehen vor ihrer Abschaltung. Durch den Verzicht auf Atomenergie wachsen die Anforderungen an das Stromnetz in Deutschland. Für die Alternativen zur Atomenergie, also Strom aus Wind, Sonne, Wasser oder Erdwärme, müssen neue Stromleitungen gebaut werden. Neben den Kosten, die der Ausbau verursacht, wehren sich auch Anwohner und Landschaftsschützer gegen neue Stromtrassen quer durch das Land.

Das Stromnetz in Deutschland

Das Stromnetz in Deutschland besteht aus Übertragungsnetzen und Verteilnetzen. Während die Übertragungsnetze den Strom mit Höchstspannung weiterleiten, sind die Verteilnetze für Niederspannung, Mittelspannung und Hochspannung zuständig. Deutsche Großstädte, Ballungszentren und Unternehmen mit einem hohen Stromverbrauch werden über die Verteilnetze mit Hochspannungsstrom versorgt. Dazu wird der Strom direkt aus den Übertragungsnetzen in Umspannwerke geleitet. Größere Energieverbraucher, wie Kliniken oder Betriebe mit vielen elektrischen Anlagen, erhalten den Strom aus dem Mittelspannungsnetz. Die Verbraucher werden entweder direkt beliefert oder der Strom läuft erst über eine regionale Transformatorenstation. Der Niederspannungsstrom ist für private Verbraucher, Behörden und kleine Firmen gedacht. Die Lieferung erfolgt an kommunale und regionale Netzbetreiber, die die Verteilung übernehmen.

Strompreise

Das deutsche Stromnetz muss ausgebaut werden

Das Streitthema Stromnetz beschäftigt sowohl die Politik als auch die Betreiber und Bürgerinitiativen. Betreiber der Übertragungsnetze in Deutschland sind die Firmen TransnetBW, Amprion, TenneT und 50Hertz Transmission. Die Geschäftsführer mahnen an, dass das Stromnetz in den nächsten Jahren erheblich ausgebaut werden muss, um Strom aus erneuerbaren Energien und aus dem Ausland aufnehmen und in die anderen Länder verteilen zu können. Strom aus Wind oder Sonne wird nicht so gleichmäßig erzeugt wie Atomstrom. Private Stromerzeuger, wie Hausbesitzer mit einer Fotovoltaikanlage auf dem Dach, speisen ebenfalls Energie in die Netze ein. Zu Spitzenzeiten kann es zu Zukäufen aus dem Ausland kommen. Windenergie von Nordsee und Ostsee muss bis nach Süddeutschland transportiert werden. Für diese Herausforderungen ist das bestehende Stromnetz nicht gerüstet, sodass es zu einem Ausbau der Stromtrassen kommen muss.

Für den Ausbau zahlen auch die Verbraucher

Zwei sehr große Trassen, die auch immer wieder für Unmut in der Bevölkerung sorgen, heißen Südlink und Süd-Ost. Die Kosten für den Ausbau zahlen Verbraucher über ihre Stromrechnung und die darin enthaltenen Netzkosten mit. Die Netzentgelte machen fast einen Viertel der gesamten Stromrechnung aus. Andererseits könnten mit dem Ausbau der Stromleitungen auch die Kosten wegfallen, die Stromkunden derzeit zahlen, weil die Netzbetreiber wegen überschüssigem Strom aus erneuerbaren Energien Eingriffe zur Netzregulierung vornehmen müssen.

Erdkabel als Alternative zu Freileitungen

Ein wichtiges Argument der Gegner neuer Stromtrassen ist der störende Anblick von Freileitungen. Als Alternative bieten sich Erdkabel an, die jedoch auch einige Nachteile aufweisen. Erdkabel benötigen neben einem Kanal, durch den sie geführt werden, zusätzlich eine Leitung zur Kühlung. Dadurch steigen die Kosten für die Verlegung der Kabel. Auch Wartung und Reparatur der Leitungen sind aufwendiger und damit teurer als bei einer Freileitung.

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