Wie funktioniert die Strombörse?

An einer Strombörse wird mit Strom gehandelt. Wie bei einer Wertpapierbörse bestimmen auch hier Angebot und Nachfrage die Preise. Die Strombörse ist also quasi ein Marktplatz für Energie. Wie genau funktioniert das?

Am Terminmarkt werden über langfristige Lieferungen von Strom Verträge abgeschlossen, während auf dem Spotmarkt kurzfristige Geschäfte mit kürzerer Laufzeit zustandekommen. Standardisierte Produkte machen Strom zu einem leichter verkaufbaren Produkt – und die Strombörse ist der Marktplatz für diesen Handel.

Die Produktion bestimmt den Preis an der Strombörse

Energieunternehmen verkaufen den Großteil ihres Stroms über langfristige Verträge. Wenn mehr Strom produziert wird, als durch Verträge abgedeckt ist, bieten Energieversorger den übrigen Strom an der Strombörse an – mit Angabe der Menge und des Mindestpreises. Den Angeboten steht die Nachfrage gegenüber – entsprechend mit einer Mengenangabe und einem Höchstgebot. An der Strombörse werden Verträge über die Stromlieferung geschlossen, soweit Angebot und Nachfrage übereinstimmen.

Börsenhändler an den Strombörsen sind für große Energieunternehmen, kleinere und kommunale Stromversorger an den Strombörsen tätig. Seitdem der Ökostrom in der Energieversorgung eine immer größere Rolle spielt, hat auch das Wetter einen maßgeblichen Einfluss auf die Preise an der Strombörse. Wenn zum Beispiel der Wind sehr stark weht und die Sonne scheint, wird viel Strom produziert. Das Angebot ist groß – entsprechend sinken die Strompreise an der Börse.

Von Grundlast und Graustrom

Konkret erfolgt der Handel mit Strom mithilfe von Blöcken, die zeit- und mengenmäßig definiert sind. Hierfür gibt es an der Strombörse verschiedene standardisierte Produkte, beispielsweise einen Baseload-Block, der die Grundlast eines ganzen Tages abdeckt. Die Grundlast ist die Menge an Strom, die immer verfügbar sein muss, unabhängig von Spitzenzeiten mit höherem Stromverbrauch. Die Grundlast liegt bei einer konstanten Leistung von einem Megawatt (MW) über einen Zeitraum von 24 Stunden. Für die Zeiten hohen Stromverbrauchs (von 8:00 bis 20:00 Uhr) werden sogenannte Peakload-Blöcke angeboten. Noch feinere Abstufungen sind Stundenblöcke (Einzelstundenkontrakte). Eine Unterscheidung zwischen Öko- und konventionellem Strom findet an der Strombörse nicht statt. Hier wird nur Graustrom (Strom unbekannter Herkunft) verkauft.

Strombörsen in Europa

Erst mit der Liberalisierung des Strommarktes in Europa, die in den 1990er Jahren begann, wurde der Börsenhandel mit Strom überhaupt möglich. Wichtige europäische Strombörsen sind heute (mit Angabe des Gründungsjahres):

  • Nord Pool, Norwegen, 1993
  • Amsterdam Power Exchange (APX), Niederlande, 1999
  • European Energy Exchange (EEX), Deutschland, 2000 (Fusion mit LPX 2002)
  • Energy Exchange Austria (EXAA), Österreich, 2001
  • European Power Exchange (EPEX SPOT), Frankreich, 2009

Nord Pool spielte 1993 eine Vorreiterrolle in Europa. Diese Strombörse ist für die skandinavischen Länder Norwegen, Schweden, Finnland und Dänemark sowie die baltischen Staaten Lettland, Estland und Litauen zuständig. Kurz nach der Entstehung der APX in den Niederlanden wurde auch in Deutschland eine Strombörse gegründet. Die EEX hat ihren Sitz in Leipzig. Hier werden neben Strom auch Emissionsrechte für Kohlendioxid, Herkunftsnachweise für Ökostrom sowie Erdgas und Kohle gehandelt.

2009 entstand der EEX-Spotmarkt für Strom: Die European Power Exchange (EPEX SPOT) hat ihren Sitz in Paris. Hier werden Strommengen für den folgenden Tag (Day-Ahead) aber auch bis zu 45 Minuten vor der Lieferung gehandelt (Intraday) – grenzüberschreitend für Deutschland, Frankreich, Österreich und die Schweiz. Allein im Jahr 2013 wurden hier nach eigenen Angaben 346 Terawattstunden Strom gehandelt.

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