Strom-Sozialtarife

Strom-Sozialtarife: Wer bekommt sie und wie günstig sind sie wirklich?

In Zeiten hoher Energiepreise werden immer wieder Forderungen nach Sozialtarifen laut. Damit sollen etwa Hartz IV-Empfänger finanziell entlastet werden. Sind solche Sozialrabatte für Stromtarife sinnvoll und wirklich günstig? Wir haben nachgerechnet.

Geld© Gina Sanders / Fotolia.com

Die Auffassung, der Staat sei für eine günstige Versorgung aller mit Energie (Stichwort: Daseinsvorsorge) zuständig, ist weit verbreitet. Das ist auch der Grund für die - in Zeiten stetiger Strompreiserhöhungen - permanente Forderung nach billigeren Strompreisen für sozial Schwache, die sogenannten Sozialtarife. Einkommensschwache Verbraucher sollen durch vergünstigte Tarife oder Rabatte bei ihren örtlichen Stromversorgern finanziell entlastet werden. Derartige Forderungen sind nicht ganz unberechtigt, immerhin müssen Hartz IV-Empfänger ihre Stromkosten – im Gegensatz etwa zu den Heizkosten - vom monatlichen Regelsatz selbst begleichen.

Kritik an Sozialtarifen

Die Energieversorger lehnen staatlich verordnete Strompreise für Sozialtarife natürlich ab und verweisen darauf, dass Sozialpolitik eine Aufgabe des Staates sei. Unterstützung bekommen sie dabei von Matthias Kurth, ehemals Chef der Bundesnetzagentur und oberster Stromkontrolleur. Seine Argumentation: Zu knapp 40 Prozent besteht der Strompreis aus staatlichen Abgaben und Steuern, die z.T. ausdrücklich als Anreize zum Energiesparen eingeführt worden seien. Diese politisch gewollten Abgaben nun durch Subventionen zu verwässern, sei seiner Meinung nach nicht sinnvoll und würden zudem den Wettbewerb unter den Stromanbietern behindern. Und auch der Paritätische Wohlfahrtsverband lehnt Sozialtarife ab und plädiert stattdessen für weitere Änderungen des Wohngeldgesetzes.

Sozialtarife nur vom Grundversorger

Der Knackpunkt bei der Sache: Sozialtarife können per se nur vom örtlichen Netzbetreiber angeboten werden. Seit der Liberalisierung gibt es aber in jeder Region mehr als einen Stromanbieter - sie alle müssten gezwungen werden, einen Sozialtarif anzubieten um weiterhin einen fairen Wettbewerb zu gewährleisten. Das lässt nun aber nicht mehr so einfach bewerkstelligen, weshalb es deutschlandweit zwar in einigen Regionen Sozialtarife gibt, die aber u.U. immer noch teurer sind als das günstige Stromtarife eines Wettbewerbers.

Wer Anspruch auf einen vergünstigen Strom-Sozialtarif hat

Da die Stromversorger momentan noch selbst bestimmen, wer als "bedürftig" gilt und wer nicht, gibt es hier keine einheitliche Regelung. Bei einigen E.ON-Töchtern gibt es seit 2006 Sozialtarife für Verbraucher, die eine Befreiung von den Rundfunkgebühren nachweisen können. Das bedeutet, wer von den Gebühren der GEZ befreit ist, kann einen Sozialtarif von E.ON in Anspruch nehmen. Allerdings ist die Laufzeit eines Sozialtarifes auf 12 Monate begrenzt. Außerdem schreibst z.B. E.ON Westfalen Weser Ems auf seiner Internetseite, dass die Anzahl der Sozialtarife auf 2500 Verträge begrenzt ist. Denn der Sozialrabatt ist eine limitierte, freiwillige Leistung, auf die kein Rechtsanspruch besteht.

Rechenbeispiel: Sozialtarif gegen normaler Stromtarif

Wie viel ein Hartz IV-Empfänger mit einem Sozialtarif sparen kann, zeigt folgendes Rechenbeispiel. Bei E.ON Mitte beispielsweise muss in diesem Fall die Grundgebühr des Basis- bzw. Komfort-Tarifs nicht bezahlt werden. Eine einkommensschwache Familie mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 4000 kWh zahlt aktuell im Basis- oder Komfort-Tarif mit Sozialrabatt insgesamt 899,20 Euro pro Jahr. Die entfallene Grundgebühr beträgt je nach Tarif 85,39 Euro (Komfort) oder 96,53 Euro (Basis).

Nutzt ein kostenbewusster Geringverdiener aus dem E.ON-Mitte-Gebiet jedoch mal einen Strom-Tarifrechner wird er schnell feststellen, dass es auch in seiner Region noch Stromangebote gibt, die preislich unter dem vermeintlich günstigen Sozialtarif von E.ON Mitte liegen. So zahlt er etwa beim Konkurrenten Stromio bei gleichem Verbrauch nur rund 850 Euro und spart damit im Vergleich zum Sozialtarif nochmal 50 Euro im Jahr. Würde man einen Anbieter mit Vorauszahlung wählen, könnte man noch mehr Energiekosten sparen, hier liegt der aktuell günstigste Tarif bei rund 725 Euro im Jahr. Allerdings dürfte es für Einkommensschwache wohl keine Alternative sein, den Strom 12 Monate im Voraus zu zahlen.

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