Über 1000 Stadtwerke agieren auf dem Strommarkt

Stadtwerke in Deutschland: Auf dem Strommarkt agieren über 1000 Stadtwerke. Infos zu Stadtwerken und eine Liste finden Sie hier auf Strom-Magazin.de.

Vor der Liberalisierung des deutschen Energiemarktes durch die europäische Binnenmarktrichtlinie von 1996 gab es keinerlei Wettbewerb auf dem Strommarkt. Überregionale Energieversorger und Stadtwerke hatten die Versorgungsgebiete untereinander aufgeteilt, jeder Verbraucher - egal ob privat oder gewerblich/industriell - wurde einem Versorger zugeordnet und musste von diesem die Energie beziehen. Diese Monopolwirtschaft sorgte dafür, dass es den Stromversorgern und den Stadtwerken wirtschaftlich sehr gut ging, sie mussten sich ja keinem Wettbewerb stellen und konnten von den Strukturen der Monopolwirtschaft profitieren.

Stadtwerke und Kommunen sind eng miteinander verflochten

So kam es, dass die Stadtwerke in vielen Städten der größte Arbeitgeber und durch umfangreiche Abführungen an das Kommunalbudget auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor waren. Seit Beginn der Stromversorgung in Deutschland sind Kommunen und Gemeinden eng mit der Energiewirtschaft verflochten, unter anderem weil ihnen die Wege gehören, die die Stadtwerke zur Verlegung von Strom-, Gas- und Wasserleitungen benutzen müssen. Für die Überlassung sämtlicher öffentlicher Straßen und Wege im Gemeindegebiet zahlen die Stadtwerke jährlich eine Konzessionsabgabe, mit der Städte und Kommunen die Infrastruktur aufrecht erhalten können. Neben den finanziellen Vorteilen aus der Konzessionsabgabe sind viele Städte und Gemeinden in Deutschland auch nach wie vor an den örtlichen Stadtwerken beteiligt, so dass neben Konzessionsabgaben auch Gewinnausschüttungen und Gewerbesteuern in die Kassen von Städten und Gemeinden fließen.

Der Liberalisierung des Marktes standen Stadtwerke skeptisch gegenüber...

Weiß man um diese Hintergründe, verwundert es nicht, dass gerade die Stadtwerke einer Liberalisierung des Energiemarktes sehr skeptisch gegenüber standen. Sie befürchteten, dem Druck des Wettbewerbs nicht standhalten zu können. Auch in der Politik war in den ersten Jahren der Liberalisierung immer mal wieder vom "Stadtwerkesterben" die Rede - allen Unkenrufen zum Trotz haben die Stadtwerke sich jedoch auch bestens im Wettbewerb ein- und zurecht gefunden.

... doch die Stadtwerke sind nach wie vor wichtige Akteure auf dem Markt

Sicherlich, einige von ihnen wurden von größeren Versorgern übernommen. Andere schlossen sich zusammen, um gemeinsam bessere Konditionen beim Einkauf verhandeln zu können. Und zu Beginn der Liberalisierung verkaufte auch die eine oder andere Stadt oder Gemeinde ihre Anteile am örtlichen Stadtwerk an in- und ausländische Energiekonzerne für viel Geld. Mittlerweile geht der Trend jedoch zurück zur Kommunalisierung und Städte kaufen ihre Anteile zurück. So wurden die Stadtwerke auch in Berlin, Stuttgart und Hamburg wiederbelebt.

Aber alles in allem hat sich an der Stadtwerke-Struktur in Deutschland seit der Einführung von Wettbewerb wenig geändert: Neben den vier überregionalen Verbundunternehmen RWE, E.ON, Vattenfall und EnBW sind die um die 1000 deutschen Stadtwerke die wichtigsten Akteure auf dem deutschen Energiemarkt!

Großes Plus der Stadtwerke: Kundentreue

Einige von ihnen bieten Strom und Gas sogar über ihr angestammtes Versorgungsgebiet hinaus an, konkurrieren also mit den anderen bundesweiten Anbietern um den Zugang zu mehr Kunden. Das funktioniert gut, denn die vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Treue und das Vertrauen der Deutschen in die örtlichen Stadtwerke sehr groß ist. So groß sogar, dass viele Verbraucher von ihrem örtlichen Stadtwerk noch immer im (oftmals teureren) Allgemeinen Tarif (neu: Grundversorgung) abgerechnet werden.

Wer bei "seinem" Stadtwerk bleiben will, sollte nach besserem Tarif fragen

Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass es zum Grundversorgungstarif immer eine günstigere Alternative gibt, Strom zu beziehen. Manche haben jedoch Hemmungen, das Stadtwerk zugunsten eines günstigeren, dafür jedoch gesichtslosen, Stromanbieters zu verlassen. Diese muss man grundsätzlich nicht haben, denn bei Störungen bleibt immer noch der örtliche Versorger Ansprechpartner. Auch im Falle einer ausbleibenden Stromversorgung durch den gewählten Anbieter rutscht man automatisch wieder in die Grundversorgung des ansässigen Stadtwerkes.

Wer sein örtliches Stadtwerk nicht verlassen will, sollte aber zumindest prüfen, ob dieses nicht einen Wahltarif anbietet, der günstiger ist als die Grundversorgung. Das lohnt sich in jedem Fall, denn ein Tarifwechsel bei einem Stadtwerk kostet oft nicht mehr als einen Anruf.

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