Redispatch-Maßnahmen

Überschüssiger Strom: Was sind Redispatch-Maßnahmen

Mit Redispatch-Maßnahmen managen die Netzbetreiber den Stromfluss. "Redispatch" steht dabei für kurzfristige Maßnahmen, um die Versorgung stabil zu halten.

Energiewende© Thorsten Schier / Fotolia.com

Ein Stromnetz ist stabil, wenn genau so viel Strom eingespeist wird, wie auch entnommen wird. Kommt es zu einer Überlastung, kann das Stromnetz Schaden nehmen. Die Übertragungsnetzbetreiber in Deutschland sind daher gesetzlich verpflichtet, Überlastungen wie auch Netzengpässe zu verhindern, um die kontinuierliche Stromversorgung in allen Regionen des Landes sicherzustellen.

Zwei Maßnahmen dienen dazu, das zu gewährleisten: Dispatch und Redispatch. Das englische Wort "Dispatch" steht für die Einsatzplanung von Kraftwerken durch die jeweiligen Kraftwerksbetreiber. Entsprechend werden kurzfristige Änderungen der Kraftwerkseinsatzplanung "Redispatch" genannt. Redispatch-Maßnahmen werden von den Übertragungsnetzbetreibern veranlasst, um Netzengpässe zu vermeiden. Im Zuge dieser Redispatch- Maßnahmen werden Kraftwerke in Regionen vor einem drohenden Engpass heruntergefahren, während parallel Kraftwerke in anderen Regionen hochgefahren werden.

Warum sind diese Eingriffe notwendig?

Aufgrund der Energiewende wird mehr und mehr Strom aus erneuerbaren Energien in das Stromnetz eingespeist. Dieser Strom wird jedoch nicht immer dort produziert, wo es den höchsten Bedarf an Strom gibt. Folglich muss der Strom über weite Strecken transportiert werden. Der Ausbau des Stromnetzes in Deutschland hinkt der Entwicklung jedoch hinterher. Das führt zu ungleichmäßiger Verteilung der Lasten im Stromnetz, was Netzbetreiber häufiger zwingt, Redispatch-Maßnahmen zu veranlassen. Wenn beispielsweise bei stürmischem Wetter im Norden reichlich Strom aus Windkraft verfügbar ist, kann das Drosseln der Kraftwerksleistung dort und das gleichzeitige Hochfahren von Kraftwerken weiter südlich als gezielte Redispatch-Maßnahme sicherstellen, dass ein erhöhter Strombedarf im Süden gedeckt wird.

Wer kümmert sich um solche Maßnahmen?

Redispatch-Maßnahmen werden von den Übertragungsnetzbetreibern veranlasst, um das Netz zu stabilisieren. In Deutschland gibt es vier Netzbetreiber: Tennet, 50 Hertz, Amprion und Transnet BW. Redispatch-Maßnahmen können sowohl innerhalb einer Regelzone als auch zonenübergreifend realisiert werden. Sogar grenzübergreifende Redispatch-Maßnahmen mit Nachbarländern sind möglich. Um die Planung von Redispatches sicherzustellen, sind Kraftwerksbetreiber in Deutschland verpflichtet, ihre Dispatches mit den von ihnen am nächsten Tag zu erwartenden Strommengen täglich bis 14:30 Uhr an den zuständiger Übertragungsnetzbetreiber zu melden.

Wie häufig waren Redispatch-Maßnahmen erforderlich?

Die Bundesnetzagentur berichtet, dass 2017 insgesamt 20.438 Redispatch-Maßnahmen erforderlich waren. Das sind mehr als viermal so viele wie im Jahr 2012 (4.956). Im letzten Quartal 2017 zeichnete sich ein Rückgang der Redispatch-Maßnahmen ab, der sich im ersten Quartal 2018 fortsetzte. Grund dafür ist vermutlich eine im September 2017 in Betrieb genommene Strombrücke ("Thüringer Brücke"). Sie verbindet zwei Regelzonen (Tennet und 50Hertz) mittels einer Kuppelleitung.

Welche Kosten verursachen Redispatch-Maßnahmen?

Auch wenn die Thüringer Strombrücke den Bedarf an Redispatch-Maßnahmen senken konnte, stiegen die Kosten für die Stabilisierung der Stromnetze an und betrugen 1,4 Milliarden Euro im Jahr 2017. Darin sind auch Kosten für die Netzreserve und das Einspeisemanagment enthalten. Aud dem Bericht des Bundesverbands der Energie und Wasserwirtschaft zum Redispatch (April 2013 bis Deuember 2018) geht hervor, dass letztere einen erheblichen Teil ausmachen: Die Redispatchkosten allein lagen lediglich bei 423,1 Millionen Euro. In Deutschland werden diese Kosten auf die Nutzungsentgelte und damit auf alle Stromverbraucher umgelegt.

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