Palmöl

Palmöl - alles über den umstrittenen Alleskönner

Palmöl wird in einer gigantischen Anzahl an Produkten verwendet. Dazu gehören Kosmetikartikel, Biosprit und auch Nahrungsmittel für Tiere. Besonders in Verruf geraten ist das Öl, weil für dessen Gewinnung Bäume im Regenwald abgeholzt werden.

PalmölfrüchteWird Palmöl verwendet, muss das auch auf der Verpackung stehen. Das gilt aber nicht für Kosmetik- und Pflegeprodukte.© ThKatz / Fotolia.com

Wie wird Palmöl gewonnen?

Palmöl wird aus der bis zu 30 Meter hoch wachsenden Ölpalme (Eleais guineensis) gewonnen. Diese stammt ursprünglich aus dem Regenwald Westafrikas, wo sie als wichtige Nutzpflanze gilt. Mittlerweile wird die Pflanze allerdings weltweit auf ungefähr 19 Hektar Land angebaut, wobei die Gebiete um den Äquator herum eine besonders wichtige Rolle spielen. Hierzu zählen vor allem die artenreichen Gebiete Indonesien und Malaysia.

Gewonnen wird das eigentliche Palmöl aus den Früchten der Pflanze. Das Palmkernöl hingegen extrahiert man industriell aus den Samen der Palme, die hierfür gemahlen werden. Zur Gewinnung des herkömmlichen Palmöls werden die Früchte in sogenannten Palmölmühlen bei hoher Temperatur und hohem Druck gepresst, woraufhin eine cremige, orangerot gefärbte Substanz austritt: das Palmöl, auch bezeichnet als Crude Palm Oil oder kurz CPO.

Im Anschluss daran wird das Öl häufig raffiniert oder gebleicht. Auch eine Desodorierung findet oftmals statt. Dann spricht man auch von RBD Palm Oil. Diese anschließenden Behandlungsschritte dienen dazu, das Öl von Farbstoffen, Geruchsstoffen und Geschmacksstoffen zu befreien, die in der weiteren Verwendung unerwünscht sind.

Welche Eigenschaften weist Palmöl auf?

Palmöl wird besonders in Industrie und Wirtschaft geschätzt, da es das günstigste Pflanzenöl des Weltmarktes ist. Das daher auch am häufigsten produzierte Pflanzenöl ist außerdem saisonunabhängig das ganze Jahr über verfügbar. Es ist lange haltbar und hat einen hohen Schmelzpunkt, wodurch es bei Raumtemperatur fest und gleichzeitig geschmeidig ist. Diese Eigenschaft macht man sich etwa bei der Herstellung von Pflanzenmargarine zunutze. Aber auch in anderen Bereichen wird Palmöl aufgrund seiner Eigenschaften gerne als Konsistenzgeber genutzt.

In seiner raffinierten und desodorierten Form ist das Öl zudem geschmacks- und geruchsneutral sowie farblos. Bezüglich der Nährwerte von Palmöl ist zu bemerken, dass dieses mit etwa 50 Prozent reich an gesättigten Fettsäuren ist. Einfach ungesättigte Fettsäuren kommen nur etwa zu 40 Prozent vor, während mehrfach ungesättigte Fettsäuren einen Anteil von etwa 10 Prozent stellen. Aufgrund dieser Fettsäure-Verteilung bemerken Ernährungsexperten, dass der Konsum von Palmöl zu erhöhten Blutfettwerten führen kann. Aus gesundheitlichen Gründen wird daher oft geraten, Palmöl in der Ernährung durch andere, hochwertige Öle mit einem hohen Gehalt an (mehrfach) ungesättigten Fettsäuren zu ersetzen.

Anwendung: Wo wird Palmöl verwendet?

In den Ländern der EU werden jährlich etwa sechs Millionen Tonnen Palmöl importiert. In Deutschland liegt der Durchschnittswert bei über einer Million Tonnen pro Jahr. Der Einsatz des Pflanzenöls ist vielseitig: Studien von Greenpeace zeigen, dass etwa jedes zweite Produkt im Supermarkt Palmöl enthält.

Neben dem Einsatz in Lebensmitteln kommt Palmöl auch vor in Reinigungs- und Kosmetikartikeln, in Produkten der Chemie und Pharmazie, als Biosprit im Diesel und in Futtermitteln, insbesondere als Futterfett in Mischfutter für diverse Nutztiere.

Warum ist Palmöl umstritten?

Umstritten ist Palmöl aufgrund seiner Folgen für die Regenwälder, die als Anbaugebiet dienen, und dessen Bewohner. Die Palmölpflanze wächst nur bei tropischem Klima, das lediglich im Regenwald ideal ist. Für den Anbau der Palmölplantagen müssen weite Räume des Regenwaldes gerodet werden, was eine Vernichtung des artenreichsten Ökosystems der Welt zur Folge hat.

Ein weiteres Problem sind die typischen Ölpalm-Monokulturen. Hier werden Tropfenwälder gerodet, damit ausschließlich Ölpalmen angepflanzt werden können. Die industrielle, intensive Nutzung dieser Flächen verdrängt viele Pflanzen- und Tierarten dauerhaft und gefährdet die Artenvielfalt stark. Hierdurch sind Tierarten wie der Tiger oder der Orang-Utan vom Aussterben bedroht. Nicht zuletzt verlieren viele Bewohner der Regenwälder ihre Heimat, da diese als Anbaufläche genutzt wird.

Kennzeichnung und Kennzeichnungspflicht

Enthält ein Produkt aus dem Lebensmittelbereich Palmöl, so muss dieses seit 2014 eindeutig deklariert werden. Seitdem genügt es nicht mehr, das Produkt mit der Bezeichnung "pflanzliches Öl" oder Ähnlichem zu kennzeichnen. Es muss exakt das verwendete Öl bezeichnet werden.

Allerdings gibt es diese Kennzeichnungspflicht bei Kosmetik- und Pflegeprodukten sowie bei Haushaltsprodukten noch nicht. Häufig greifen Hersteller auch zu alternativen Begriffen wie Sodium Lauryl Sulfoacetate, Cetyl Palmitate, Fettsäureglycerid oder Zink Stearate. Dahinter steckt jedoch immer Palmöl.

Eine weitere Begrifflichkeit ist das Bio-Palmöl. Dieses wird ohne künstliche Düngemittel oder Pestizide angebaut. Darüber hinaus wird für den Anbau der Ölpalmen keine Fläche im Regenwald abgeholzt. Produzenten von Bio-Palmöl nutzen hierfür Landwirtschaftsflächen, die bereits vorhanden sind.

Die WWF hat RSPO-zertifiziertes Palmöl (Roundtable of Sustainable Palm Oil) ins Leben gerufen. Hier schließen sich in einer umweltbewussten Organisation Produzenten, Plantagenbesitzer, NGOs sowie Händler zusammen, um den Anbau von Ölpalmen nachhaltiger zu gestalten.

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