Null-Energie-Hotel

Null-Energie-Hotel: Übernachten mit gutem Gewissen

Das Thema Nachhaltigkeit spielt in immer mehr Bereichen unseres Lebens eine Rolle. Wer zum Beispiel umweltfreundlich verreisen möchte, kann in einem sogenannten Null-Energie-Hotel übernachten. Was ist das genau?

Energieeffizienz© mirpic / Fotolia.com

Reisen bildet - aber es verursacht auch Umweltbelastung. In Zeitalter der globalen Erwärmung ist es sicher ein guter Denkansatz, alle Elemente einer Reise so klimaschonend wie möglich zu gestalten - die Wahl der verwendeten Verkehrsmittel beispielsweise. Dass sich dieser Gedanke auch am Zielort umsetzen lässt, belegen die nach und nach entstehenden Null-Energie-Hotels. Sie vermitteln Reisenden das beruhigende Gefühl, durch ihre Anwesenheit keine zusätzlichen ökologischen Schäden anzurichten.

Was ist ein Null-Energie-Hotel?

Aus technischer Sicht ist ein Null-Energie-Hotel einfach ein Haus, das dem Null-Energie-Konzept für Gebäude folgt. Allerdings sind die Elemente, die zu einem Null-Energie-Hotel gehören, wegen der höheren Personenzahl und der intensiven Nutzung aller Einrichtungen entsprechend größer dimensioniert. Darüber hinaus gibt es einige Einrichtungselemente, die nur in Hotels vorkommen und ihr eigenes Energiekonzept benötigen - Minibars beispielsweise, doch davon später mehr.

Was genau zeichnet nun ein Null-Energie-Gebäude aus? Die Bedingungen für ein Null-Energie-Haus sind erfüllt, wenn über ein Jahr hinweg der externe Energiebezug des Gebäudes dem selbst erzeugten Energiegewinn entspricht. Der Energiegewinn kann durch unterschiedliche Maßnahmen erreicht werden, beispielsweise Solaranlagen, Wärmepumpen oder wärmespeichernde Isolierverglasung. Liegt der Energiegewinn über dem Energieverbrauch, handelt es sich um ein Plus-Energie-Haus.

Ein Null-Energie-Hotel erfüllt diese Bedingungen. Eine Einschränkung gibt es bei dem Konzept allerdings: In die Energiebilanz fließen nur die Werte ein, die beim laufenden Betrieb entstehen. Der Energiebedarf, der zur Errichtung des Gebäudes erforderlich war, bleibt bei der Bilanzierung außen vor.

Bedingungen, die ein Null-Energie-Hotel erfüllen sollte

Die Hotels, die heute schon auf das Null-Energie-Konzept setzen, gehen zum Teil unterschiedliche Wege, um das gesetzte Ziel zu erreichen. Einige Elemente sind zentral und können als Standard angesehen werden.

Bei der Bauausführung kommt es darauf an, möglichst viele große Fensterflächen vorzusehen, die nach Süden ausgerichtet sind. Sie sollten auch bei tief stehender Sonne, etwa im Winter, unverschattet bleiben.

Darüber hinaus sollte das Gebäude weitgehend luftdicht sein. Das bedeutet vielfach, von einer liebgewonnenen Gewohnheit Abschied zu nehmen: Fenster, die sich öffnen lassen. Jeder Luftzutritt von außen kompromittiert das Energiekonzept des Gebäudes, das auf einem ausgefeilten Belüftungssystem beruht.

Auch die Dimensionen des Hotels spielen eine Rolle. Damit ist nicht die Größe gemeint, sondern das Oberfläche-zu-Volumen-Verhältnis, das möglichst gering sein sollte. Mit anderen Worten: Möglichst wenige Quadratmeter Außenfassade sollten möglichst viele Kubikmeter Innenraum umschließen.

Und schließlich: Der Wärmedurchgangskoeffizient der Außenflächen sollte so gering wie möglich sein. Je weniger Wärme nach außen abstrahlen kann, desto geringer ist der Energiebedarf, um sie zu ersetzen.

So schön können Null-Energie-Hotels sein

Die bereits bestehenden Hotels ohne negative Energiebilanz beweisen, dass ökologisches Bewusstsein nicht mit Lebensart und Komfort kollidieren muss. Hier zwei Beispiele:

Boutiquehotel Stadthalle Wien

Der Pionier unter den Null-Energie-Hotels ist eigenen Angaben zufolge das erste Stadthotel mit Null-Energie-Bilanz. Die hauseigene Photovoltaikanlage sorgt für die Stromversorgung, während sich die Solaranlage um die Warmwasserversorgung kümmert.

Boutiquehotel Stadthalle WienLavendel auf dem Dach, Photovoltaik und Bienen - Das Boutiquehotel Stadthalle in Wien.© HS Hotelbetriebs GmbH – Boutiquehotel Stadthalle

Zur Eindämmung des Verbrauchs in allen Bereichen sind LED-Leuchtmittel, Öko-Duschköpfe und Haustechnikgeräte mit Standby-Modus im Einsatz. Und dann sind da noch die eingangs erwähnten Minibars. Sie fehlen im Boutiquehotel Stadthalle vollständig. Nach Hotelangaben spart das Haus alleine durch diese Maßnahme rund 21 Tonnen CO2 jährlich ein.

Das Wiener Null-Energie-Hotel will den grünen Gedanken auch sichtbar machen und setzt das in seinem idyllischen Innenhofgarten um. Die Oase mitten in der Stadt bietet grün bewachsene Wände, über die sich ein Lavendeldach wölbt. Auch hier gibt es besondere Hotelgäste - ein Bienenvolk, für das die Hotelleitung ein paar Bienenstöcke zur Verfügung gestellt hat. Im Gegenzug versorgen die emsigen Insekten das Hotel mit Honig.

Designhotel aquaTurm Radolfzell

Das aquaTurm-Hotel in Radolfzell am Bodensee ist eigenen Angaben zufolge das energieeffizienteste Designhotel der Welt. Das in einem alten Wasserturm untergebrachte Hotel wurde in achtjähriger Bauzeit zu einem Null-Energie-Gebäude umgestaltet, das sich zu 100 Prozent aus erneuerbarer Energie versorgt.

Das strategische Hauptziel lautet: Energiebedarf reduzieren. Um das zu verwirklichen, nutzt das Haus das wissenschaftliche Energie-Monitoringsystem econ von econ solutions.

Bei der eigenständigen Energiegewinnung lassen die Hotelbetreiber nichts aus, was gut und effektiv ist: Solarthermie, Photovoltaik, Hydrothermie, Regenwassernutzung und Windkraft sind zu einem Gesamtsystem verbunden, das die Energiebilanz immer im optimalen Bereich hält.

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