Negative Strompreise

Negative Strompreise: Ursachen und Auswirkungen

Negative Strompreise an der Börse sind keine Neuheit, kommen aber im Zuge der Energiewende häufiger vor. Sie entstehen, wenn es zu einem großen Gefälle zwischen Stromangebot und Nachfrage kommt.

AktienkursNegative Strompreise entstehen, wenn ein hohes Angebot auf eine niedrige Nachfrage trifft.© Dan Race / Fotolia.com

Linden (red) – Negative Strompreise sind ein Phänomen an der Strombörse EPEX Spot, das seit Beginn der Energiewende immer häufiger vorkommt. Ganz knapp gefasst, wird damit der Umstand beschrieben, dass Stromabnehmer für die gekaufte Strommenge bezahlt werden und Stromerzeuger draufzahlen müssen, wenn sie ihren Strom verkaufen. Wie aber kann es dazu kommen, dass man mit dem Erwerb von Gütern Geld verdient?

Unkontrollierbare Strommengen

Mit der Energiewende stammt immer mehr Strom aus Wind, Sonne, usw. Die produzierte Menge lässt sich aber leider nicht vorausbestimmen. Weht viel Wind, wie etwa bei einem Sturm, wird auf einmal sehr viel Strom produziert. Der kann wegen fehlender Technologien bisher noch nicht gespeichert werden. So kommt es zu einem Überangebot an Strom, der zusätzlich auch nicht "aufbewahrt" werden kann. Wenn zum gleichen Zeitpunkt dann auch noch wenig Strom verbraucht wird, was etwa nachts der Fall ist, trifft das hohe Angebot dann auch auf eine geringe Nachfrage. Es kommt zu negativen Preisen. Wer sich zu diesen Zeiten bereit erklärt, Strom aus den Netzen zu nehmen, der erhält Geld dafür.

Warum wird die Stromproduktion nicht gedrosselt?

Nun könnte man meinen, dass in Zeiten, in denen so viel Ökostrom erzeugt wird, konventionelle Kraftwerke ihre Produktion drosseln könnten. Das ist aber nicht so einfach, weil das Herunter- und Wiederhochfahren der Kraftwerke sehr viel Geld kosten würde. Die Kosten, die Stromproduzenten im Umkehrschluss wegen der negativen Strompreise in Kauf nehmen müssen, sind geringer. Die Kraftwerksbetreiber lassen folglich ihre Parks weiterlaufen.

Wie könnten negative Strompreise verhindert werden?

Das Überangebot an Strom führt auch dazu, dass die Netze instabil werden. Für die Stabilisation setzen die Netzbetreiber zum Teil Millionenbeträge ein. Die Initiative Agora Energiewende etwa kritisiert an dem System, dass letztendlich Verbraucher für diesen Umstand zahlen, weil die EEG-Umlage wegen der zusätzlichen Belastungen ansteigen könnte, und fordert daher ein Flexibilitätsgesetz für den Kraftwerksbetrieb. Betreiber konventioneller Kraftwerke würden das sicherlich auf eine andere Art interpretieren: Für sie ist es der unkontrollierte Ausbau der Erneuerbaren, der zu den Überkapazitäten führt.

Der überschüssige Strom wandert übrigens häufig zu niedrigen Preisen ins Ausland; zum Teil wird er sogar verschenkt. Auch dieser Umstand wird häufig kritisiert.

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