Mieterstrom

Mieterstrom: Ökoenergie vom Dach des Vermieters

Dank Mieterstrom können auch Bewohner von Mietwohnungen und –häusern von örtlich erzeugtem Ökostrom profitieren. Solche Modelle werden von der Bundesregierung unterstützt. Was sind die Vor- und Nachteile?

ÖkostromBeim Mieterstrom werden Bewohner von Mietwohnungen und -häusern mit Ökostrom beliefert, den der Vermieter erzeugt hat.© John Keith / Fotolia.com

Früher konnten nur Eigenheimbesitzer ihren eigenen Strom aus erneuerbaren Energien selbst erzeugen und damit gleichzeitig die Umwelt schonen und Geld sparen. Das hat sich mit der Einführung des Konzepts "Mieterstrom" geändert. Der Strom wird vor Ort produziert, indem der Vermieter entweder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert oder ein Blockheizkraftwerk (BHKW) als Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung im Keller des Hauses betreibt.

Der selbst produzierte Strom wird dabei nicht über das öffentliche Netz weitergeleitet, sondern geht direkt, oder über einen Drittanbieter an die Mieter. Daher muss der Stromerzeuger kein Entgelt für die Nutzung des Stromnetzes zahlen und auch weitere netzgebundene Umlagen und Abgaben sowie gegebenenfalls die Stromsteuer entfallen. Anlagenbetreiber können den Strom privaten Mietern als auch Gewerbemietern anbieten.

Warum fördert die Bundesregierung Mieterstrom?

Um den speziellen Strom für Mieter einzuführen, hatte die Bundesregierung eine neue Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Zudem wurden im April 2017 und dann auch noch einmal 2021 neue Regeln für die Förderung von Vermietern, die ihren Ökostrom an Mieter weitergeben, beschlossen.

Bewohner einer selbst genutzten Immobilie haben die Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Der Strom kann in die Stromnetze eingespeist werden und der Stromerzeuger erhält eine feste Einspeisevergütung. Die Finanzierung der festen Vergütung erfolgt über die EEG-Umlage, die als Bestandteil des Strompreises von jedem Endverbraucher gezahlt werden muss. Das bedeutet, dass Mieter früher zwar den Strom aus erneuerbaren Energien mitfinanziert haben, aber nicht von den finanziellen Vorteilen profitieren konnten.

Genau das hat sich dank Mieterstrom geändert. Auch Miethäuser können die Energiewende unterstützen, indem die Mieter den von dem Vermieter produzierten Strom direkt beziehen. Dadurch können die Besitzer von vermieteten Immobilien die Attraktivität ihrer Objekte steigern und eventuell noch einen zusätzlichen Ertrag erwirtschaften. Gewerbliche Mieter können durch den neuen Strom außerdem ihre CO2-Bilanz verbessern.

Mieterstrom © EnergieAgentur.NRW

Welche Vorteile bieten sich für Mieter?

Mieter profitieren von dem neuen Strommodell vor allem durch niedrigere Strompreise. Darauf weist auch der Energieversorger Polarstern GmbH aus München hin, der mit dem Tarif "Wirklich Mieterstrom" den speziellen Strom für Mieter im Angebot hat. Die Mieter sind nicht verpflichtet, das Angebot des Vermieters anzunehmen. Wenn sie sich aber doch für den Tarif entscheiden, soll sich ihre Stromrechnung reduzieren. Einige Bestandteile des Strompreises entfallen, wie das Netzentgelt, die Konzessionsabgabe an die Gemeinde, die Umlage für abschaltbare Lasten, der Aufschlag zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), die Umlage aus der Stromnetzentgeltverordnung und die Haftungsumlage für die Risiken von Offshorewindparks. Im Mieterstromgesetz ist sogar festgehalten, dass das der Preis für den Strom von der Anlage auf dem Dach maximal 90 Prozent so viel kosten darf, wie ein Vertrag beim Grundversorger.

Was sind die Vorteile für Vermieter?

Vermieter erhalten zum einen den Erlös aus dem Verkauf des Mieterstroms, die Einspeisevergütung für den in das öffentliche Netz geleiteten Strom und gegebenenfalls zusätzlich den Mieterstromzuschlag. Letztendlich geht der Mieterstromzuschlag an den Anlagenbetreiber, was auch ein Unternehmen sein kann, das vom Vermieter beauftrag wurde. Der Mieterstromzuschlag richtet sich dabei nach der Anlagengröße und soll planmäßig - so wie die Einspeisevergütung auch – mit dem Ausbau an Solaranlagen sinken. Anspruch auf den Zuschlag haben Anlagenbetreiber, die eine PV-Anlagen mit einer maximalen Leistung von 100 Kilowatt Peak betreiben.

Änderungen mit dem Erneuerbaren-Energien-Gesetz 2021

Mit der Anpassung des EEG wird zum einen der Mieterstromzuschlag erhöht, zum anderen wird der Mieterstromzuschlag auch die Stromversorgung in Quartieren vergeben und nicht mehr nur für Wohngebäude, auf oder neben denen die PV-Anlage bzw. Blockkraftheizwerkinstalliert wurde. Außerdem ist eine Zuschlagsauszahlung auch über ein Lieferkettenmodell möglich. Dabei ist ein weiterer Stromlieferant involviert, der den Strom zunächst annimmt und anschließend an die Letztverbraucher verteilt.

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