Mieterstrom: Ökoenergie vom Dach des Vermieters

Dank Mieterstrom können auch Bewohner von Mietwohnungen und –häusern von örtlich erzeugtem Ökostrom profitieren. Solche Modelle werden von der Bundesregierung unterstützt. Was sind die Vor- und Nachteile?

Bisher konnten nur Eigenheimbesitzer ihren eigenen Strom aus erneuerbaren Energien selbst erzeugen und damit gleichzeitig die Umwelt schonen und Geld sparen. Das ändert sich durch den Mieterstrom, den Vermieter sowohl privaten Mietern als auch Gewerbemietern anbieten können. Der Strom wird vor Ort produziert, indem der Vermieter entweder eine Photovoltaikanlage auf dem Dach installiert oder ein Blockheizkraftwerk (BHKW) als Anlage zur Kraft-Wärme-Kopplung im Keller des Hauses betreibt. Der selbst produzierte Strom wird nicht über das öffentliche Netz an die Abnehmer weitergeleitet. Daher muss der Stromerzeuger kein Entgelt für die Nutzung des Stromnetzes zahlen und auch weitere netzgebundene Umlagen und Abgaben sowie gegebenenfalls die Stromsteuer entfallen. Um den speziellen Strom für Mieter einzuführen, hat die Bundesregierung eine neue Fassung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen. Zudem wurden im April 2017 neue Regeln für die Förderung von Vermietern, die ihren Ökostrom an Mieter weitergeben, beschlossen.

Warum will die Bundesregierung Mieterstrom fördern?

Bewohner einer selbst genutzten Immobilie haben die Möglichkeit, Strom aus erneuerbaren Energien zu erzeugen. Der Strom wird bevorzugt in die Stromnetze eingespeist und der Stromerzeuger erhält eine feste Einspeisevergütung. Die Finanzierung der festen Vergütung erfolgt über die EEG-Umlage, die als Bestandteil des Strompreises von jedem Endverbraucher gezahlt werden muss. Das bedeutet, dass Mieter zwar den Strom aus erneuerbaren Energien mitfinanziert haben, aber nicht von den finanziellen Vorteilen profitieren konnten. Das soll sich durch spezielle Angebote für Mieter ändern. Auch Miethäuser sollen die Energiewende unterstützen, indem die Mieter den von dem Vermieter produzierten Strom direkt beziehen können. Dadurch können die Besitzer von vermieteten Immobilien die Attraktivität ihrer Objekte steigern und eventuell noch einen zusätzlichen Ertrag erwirtschaften. Gewerbliche Mieter können durch den neuen Strom außerdem ihre CO2-Bilanz verbessern.

Welche Vorteile bieten sich für Mieter?

Mieter profitieren von dem neuen Strommodell vor allem durch niedrigere Strompreise. Darauf weist auch der Energieversorger Polarstern GmbH aus München hin, der mit dem Tarif "Wirklich Mieterstrom" den speziellen Strom für Mieter im Angebot hat. Die Mieter sind nicht verpflichtet, das Angebot des Vermieters anzunehmen. Wenn sie sich aber doch für den Tarif entscheiden, soll sich ihre Stromrechnung reduzieren. Einige Bestandteile des Strompreises entfallen, wie das Netzentgelt, die Konzessionsabgabe an die Gemeinde, die Umlage für abschaltbare Lasten, der Aufschlag zur Förderung der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK), die Umlage aus der Stromnetzentgeltverordnung und die Haftungsumlage für die Risiken von Offshorewindparks. Sofern der Vermieter mit seiner Anlage weniger als 2 MW (Megawatt) Strom erzeugt, ist die Energielieferung außerdem von der Stromsteuer befreit.

Kritik am Strom für Mieter

Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e. V. (BDEW) aus Berlin rechnet in einer Pressemeldung vor, dass das neuartige Strommodell für viele Verbraucher eine zusätzliche finanzielle Belastung bedeuten kann. Die Befreiung des Stroms für Mieter von Netzentgelten, Konzessionsabgaben, Stromsteuer und verschiedenen Umlagen bedeute, dass die Haushalte, die sich für einen anderen Stromanbieter als den eigenen Vermieter entscheiden, einen höheren Strompreis zahlen müssten. Die Vermieter erhalten zum Ausgleich der nicht gezahlten EEG-Einspeisevergütung einen Mieterstromzuschlag, der von den übrigen Verbrauchern zu zahlen sei. Außerdem würde der Vermieter zu einem Versorgungsunternehmen, das verschiedene energierechtliche und steuerliche Pflichten zu erfüllen habe. Mieter und Vermieter müssen nämlich in der Regel einen Stromliefervertrag abschließen und die Abrechnung der Stromlieferung muss den gesetzlichen Anforderungen entsprechen.

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