Gezeitenkraftwerk: Segen oder Fluch für die Umwelt?

Ein Gezeitenkraftwerk gehört sicherlich zu den erneuerbaren Energiequellen, gilt aber trotzdem als ökologisch umstritten. Zwar wird bei der Stromproduktion kein klimaschädliches CO2 produziert, dennoch bedeuten die Kraftwerke einen größeren Eingriff in das Ökosystem.

Ein Gezeitenkraftwerk ist eine Art von Wasserkraftwerk, das aus der Gezeitenbewegung des Meeres Energie gewinnt. Genauer gesagt gewinnt das Kraftwerke den Strom dadurch, dass es die Energie aus dem Tidenhub des Meeres umwandelt. Der Tidenhub bezeichnet die Differenz zwischen dem Niedrigwasserstand bei Ebbe und dem Hochwasserstand bei Flut.

Funktionsweise eines Gezeitenkraftwerks

Diese Energie wird je nach Kraftwerksform von Turbinen, die von dem strömenden Wasser angetrieben werden, in elektrische Energie umgewandelt. Bislang gibt es solche Gezeitenkraftwerke nur in Meeresbuchten oder so genannten Ästuarien, also Flussmündungen, die von den Gezeiten beeinflusst werden. Die Kraftwerke werden in zwei unterschiedlichen Bauweisen realisiert: Mit einem Staudamm oder als In-Flow-Gezeitenkraftwerk. Letztere verzichten auf einen Staudamm und können mit einer Windkraftanlage vergleichen werden, die unter Wasser betrieben wird. Sie gelten als vorteilhaftere Art eines Gezeitenkraftwerks, da sie weniger in die Umwelt eingreifen.

Wirtschaftliche Umsetzung bleibt problematisch

Die Technik der Anlagen ist bis heute noch nicht ausgereift. In Deutschland gibt es noch kein Gezeitenkraftwerk, aber an Frankreichs oder Großbritanniens Küsten gibt es Kraftwerke, deren Leistung etwa mit der von kleinen Kohlekraftwerken vergleichbar ist. Man geht davon aus, dass weltweit jedoch nur etwa 100 Küstenstandorte auch für eine wirtschaftliche Stromausbeute dieser Art geeignet wären. Das älteste Gezeiten Kraftwerk wurde in La Rance in der Bretagne errichtet und erzielt eine Leistung von 240 Megawatt. 2011 wurde das Werk Sihwa-ho in Südkorea errichtet, das erstmals größer war als jenes in La Rance.

Umwelt- und Klimaschutz führen zu Konflikten

Der Konflikt aus Umwelt- und Klimaschutz wurde besonders deutlich im Streit um die Planung des Severn-Gezeitenkraftwerks in Großbritannien. Umweltschützer mahnten, dass in dem Gebiet des geplanten Kraftwerks ein Überwinterungsgebiet von etwa 70.000 Seevögeln zerstört würde. Auch Aale oder Lachse könnten dann nicht mehr zu ihren Laichplätzen oberhalb des Stroms gelangen. Mittlerweile ist ersichtlich, dass auch das französische Gezeitenkraftwerk La Rance erheblichen Einfluss auf die vorherige Flora und Fauna nahm, weil fließendes Gewässer zum größten Teil in stehendes verwandelt wurde. So wird zwar mit einem Gezeitenkraftwerk saubere Energie ohne klimaschädliches Co2 erzeugt, dafür muss aber ein schwerwiegender Eingriff in das Ökosystem hingenommen werden.

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