Fukushima

Was im Atomkraftwerk Fukushima passierte

Im März 2011 wird Japan von einem Erdbeben mit darauffolgendem Tsunami getroffen. Als wäre dies nicht genug, kommt es in der Provinz Fukushima zu einem folgenschweren Atomunglück. Die Kühlung im Atomkraftwerk fällt aus und es kommt zur Kernschmelze.

Kernenergie© lassedesignen / Fotolia.com

Was geschah in Fukushima und wie sieht es heute dort aus?

Zahlreiche Kernkraftwerke produzieren weltweit Strom – diese sind jedoch wegen ihres hohen Gefahrenpotenzials umstritten. Zur Stromerzeugung werden Atome aufgespalten, wobei enorme Hitze entsteht. Werden die Brennstäbe nicht ständig gekühlt, drohen sie zu schmelzen. Durch eine folgenschwere Verkettung von Geschehnissen ist es im Atomkraftwerk Fukushima Daiichi so weit gekommen.

Was der Kernschmelze vorweg ging

Am 11. März 2011 nimmt in Japan das Schicksal seinen Lauf: Nach einem Erdbeben der Stärke 9 trifft ein Tsunami auf die Küste Japans. Direkt an der Küste in Fukushima steht ein Atomkraftwerk mit sechs Reaktorblöcken: Die Blöcke 1, 2 und 3 sind in Betrieb, 4, 5 und 6 sind in Wartung. Nach dem Erdbeben werden die Notstromaggregate hochgefahren, um nach einem Stromausfall die Kühlung der Reaktorblöcke aufrechterhalten zu können. Mit dem Eintreffen des Tsunamis fallen jedoch auch die Aggregate aus. Das Atomkraftwerk ist ohne Kühlung.

Beginnende Kernschmelze

Ohne Kühlung beginnen die Brennstäbe im Reaktorkern zu überhitzen. Besonders schlimm war der Ausfall der Kühlung für die Blöcke 1-3, welche zum Zeitpunkt der Katastrophe voll in Betrieb waren. In Block 1 fielen mit dem Tsunami alle Sicherheitssysteme aus, in den beiden anderen Blöcken konnte die Kühlung noch eine Weile aufrechterhalten werden. Ohne Kühlung überhitzten in allen drei Blöcken die Brennstäbe und begannen zu schmelzen.

Kontaminierung der Umgebung

In den folgenden Tagen bildete sich durch die Kernschmelze im bisher noch abgeschlossenen Reaktorbehälter hochexplosiver Wasserstoff. Dieser gelangte vermutlich durch gemeinsame Leitungen in den bisher nicht betroffenen Block 4. In den Reaktoren 1, 2 und 4 kam es schließlich zu Explosionen, durch welche Radioaktivität entweichen konnte. Die Umwelt nahe Fukushima wurde auf zwei Wegen kontaminiert: Einmal durch das Entweichen von Radioaktivität über die Luft und des Weiteren über kontaminiertes Kühlwasser, welches ungefiltert ins Meer floss.

Die Katastrophe entspricht mit der Stufe 7 der internationalen INES-Skala dem größten anzunehmenden Unfall, einem GAU oder gar Super-GAU.

Evakuierung rund um Fukushima

Nach der Katastrophe wurden ein Umkreis von 20 Kilometern um das Kraftwerk evakuiert, was rund 110.000 Menschen betraf. Weitere 50.000 flohen selbstständig. Einige Tage später wurde die Zone um zehn Kilometer erweitert. Problematisch bei der Evakuierung war, dass man die Windrichtung in den Wochen nach dem GAU nicht mit einbezog. So brachte man beispielsweise Menschen nahe des AKWs, die aufgrund des Windes kaum Radioaktivität zu fürchten hatten, in deutlich stärker kontaminierte Gebiete, die in Windrichtung lagen. Heute ist die Zone angepasst: In nordwestlicher Richtung zum Kraftwerk ist ein rund 60 Kilometer langer Streifen gesperrt.

Maßnahmen zur Schadensbegrenzung

Nach der Kernschmelze versuchte man den Schaden zu begrenzen. Durch die zerstörte Infrastruktur konnte man jedoch nur auf einfachste Mittel zurückgreifen. So kühlte man noch intakte Brennstäbe mit Wasserwerfern. In den darauffolgenden Tagen bemühte man sich darum, die Stromversorgung wiederherzustellen, sodass Wasserpumpen die Kühlung wieder übernehmen konnten. Was zur Rettung und Schadensbegrenzung notwendig war, sollte jedoch schnell zum nächsten Problem werden: Täglich fielen bis zu 200 Tonnen Kühlwasser an, welches stark kontaminiert war. Dieses konnte nicht vollständig wieder aufgefangen werden. So sammelten sich alleine bis zum 4. April über 60.000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser unter dem Kernkraftwerk. Große Mengen davon flossen einfach ins Meer.

Mittlerweile hat man große Auffangbecken für das kontaminiere Wasser errichtet, versucht es zu filtern und wiederzuverwerten. Das Problem liegt bei zu kleinen Filteranlagen und immer wieder auftretenden Lecks.

Wie soll es in Fukushima weitergehen?

Um den Schaden in Fukushima langfristig einzudämmen und um zu verhindern, dass die Umwelt weiterhin kontaminiert wird, sollen die Reaktorblöcke nach und nach zurückgebaut werden. Bereits wenige Wochen nach dem GAU begann man mittels Robotern Schuttteile wegzuräumen und machte das Gelände wieder für den Menschen begehbar. Man installierte neue Kühlanlagen, große Auffangbecken für kontaminiertes Wasser und Filteranlagen. Der Schutt soll nach und nach abgetragen, noch intakte Brennstäbe geborgen und später eine Art Sarkophag um die havarierten Reaktorblöcke errichtet werden. Im Block 4 begann die Bergung der Brennstäbe Ende 2013 und wurde Anfang 2015 abgeschlossen.

Welche Folgen hat der GAU von Fukushima?

Da Radioaktivität nichts ist, dass innerhalb weniger Jahre verschwindet, muss man sich auch mit den Langzeitfolgen beschäftigen. Ein gewisser Landstrich wird, wie auch in Tschernobyl, auf absehbare Zeit unbewohnbar bleiben. Experten schätzen zudem, dass nur wenige Menschen dank günstiger Winde hohe Radioaktivität abbekamen. Trotzdem sei in Zukunft mit erhöhten Krebsraten zu rechnen. Besonders das Schilddrüsenkrebs-Risiko für Kinder stieg stark an.

Weltweit hat sich durch den GAU die Anti-Atomkraft-Bewegung verstärkt. So beschloss man in Deutschland eine genaue Sicherheitsüberprüfung eigener AKWs und schaltete einige Meiler sofort ab. Des Weiteren wurde beschlossen, bis 2022 alle deutschen Atomkraftwerke vom Netz zu nehmen.

Verwandte Themen
  • Strom sparen

    Gütesiegel Elektrogeräte

    Gütesiegel für Elektrogeräte in der Übersicht

    Beim Kauf von Elektrogeräten achten immer mehr nicht nur auf die Qualität und den Leistungsumfang des Produktes, sondern auch auf dessen Stromverbrauch. Anhand unterschiedlicher Gütesiegel lässt sich erkennen, wie energieeffizient die Geräte arbeiten.

  • Photovoltaik

    Dachbörse

    Dachbörse: Solarflächen mieten und vermieten

    Nicht jeder, der ein Dach besitzt, kann oder möchte selbst in eine Photovoltaikanlage investieren. Gleichzeitig gibt es zahlreiche Investoren, die auf der Suche nach Dächern oder Freiflächen sind, auf denen sie Photovoltaik-Anlagen installieren können. Aus diesem Zusammenhang heraus sind Dachbörsen entstanden.

  • Biogas

    Biogas-Zertifikate

    Biogas erkennen: Nur wenige Zertifikate verfügbar

    Biogas und Ökogas: Beides klingt gut, muss aber nicht unbedingt das Gleiche sein. Wir geben einen Überblick zu den Begrifflichkeiten und stellen ein Zertifikat vor, das Biogas auszeichnet und so mehr Transparenz für den Verbraucher schafft.

Ratgeber zum Thema
  • Datum und Uhrzeit

    Merkhilfen und Tipps zur Zeitumstellung

    Die Zeitumstellung findet einmal im Frühling und einmal im Herbst statt. Viele Verbraucher und sogar Experten halten die Umstellung für unsinnig. Was hat es eigentlich mit dem Zeigerdreh auf sich, was bringt es und was sollte man als Verbraucher beachten?

    weiter
  • Solarenergie

    Photovoltaikanlage mieten: Für wen lohnt sich das?

    Eine Photovoltaikanlage mieten statt kaufen: Das bringt natürlich den Vorteil, dass nicht gleich zu Beginn eine große Summe an Eigenkapital benötigt wird. Dennoch gibt es einige Nachteile. Lohnt sich die Miete im Vergleich zum Kauf?

    weiter
  • Standby

    Steckdose reinigen - schnell, einfach und sicher

    Eine Steckdose lässt sich, selbst wenn diese hartnäckig verschmutzt ist, vollständig reinigen. Dazu kann sie auch komplett von der Wand abmontiert werden. Allerdings sollten wesentliche Aspekte beachtet werden, um einen Stromschlag zu vermeiden.

    weiter