Energieautarkes Wohnen – nie wieder Geld für Heizöl und Gas ausgeben

Bei steigenden Energiepreisen sucht man gerne nach Alternativen. Eine Möglichkeit lautet energieautarkes Wohnen: Die Häuser sind so konzipiert, dass keine zusätzlichen Energieträger wie Gas oder Öl benötigt werden.

Energieautark – ohne Energie von außen

Energieautarkes Wohnen bedeutet, dass man für Wärme, Warmwasser und sogar Strom keiner Zufuhr, also keiner zusätzlichen Energieträger, von außen bedarf. Strom, Heizwärme und Warmwasser werden direkt am Haus hergestellt, etwa durch Sonnenstrom, Erdwärme oder Luft – man greift also auf erneuerbare Energien zurück und kombiniert diese so, dass das Gebäude jederzeit autark ist. Das macht sich natürlich bei Heiz- und Stromkosten deutlich bemerkbar.

Was braucht es zum energieautarken Wohnen?

Um ein Gebäude unabhängig von der Energiezufuhr von außen zu machen, setzt man auf regenerative Energieträger. Einer der federführenden Personen, Prof. Dipl.-Ing. Timo Leukefeld, kombiniert etwa Photovoltaik und große Akkus zur Stromspeicherung mit Solarthermie und Wärmespeicher. Leukefeld brachte das erste energieautarke Einfamilienhaus zur Serienreife und bewohnt seit 2013 zusammen mit seiner Familie selbst ein solches. Durch die beiden Speichermedien lassen sich problemlos mehrere Tage ohne Sonne überbrücken. Sollte die Sonnenenergie doch mal nicht ausreichen, setzt Leukefeld auf einen Kamin und einen herkömmlichen Stromanschluss. Mit diesem Konzept hat er für seine fünfköpfige Familie etwa 250 Euro Energiekosten im Jahr.

Weitere Ansätze zur Energiegewinnung sind Erd- und Luftwärme. Selbstverständlich ist ein energieautarkes Haus gut gedämmt und hat zur Nutzung von Sonnenenergie ein recht steiles Dach. Energieintensive Abläufe wie etwa das Wäsche waschen oder der Betreib einer Spülmaschine sind energetisch optimiert – sie beziehen Warmwasser direkt vom Dach und erhitzen es nicht erst mit Strom.

Wie autark sind die Gebäude wirklich?

Wie viel Energie sich mit einem energieautarken Haus tatsächlich herstellen lässt, hängt ganz von der verwendeten Technik und natürlich der Sonnenscheindauer und –intensität ab. Autarkiegrade von über 70 Prozent werden dabei locker erreicht. Das Haus von Leukefeld deckte 2014 beispielsweise 72 Prozent des Wärmebedarfes über Sonnenenergie. Beim Strom musste die Familie 180 von 2.000 Kilowattstunden zukaufen, was hier einen Deckungsgrad von 91 Prozent ausmacht.

Wo kann man energieautark Wohnen?

Das Konzept des energieautarken Wohnens ist noch recht jung. Trotzdem zeigen immer mehr Immobilienbesitzer Interesse. Denn zum energieautarken Wohnen braucht es nicht unbedingt einen Neubau. Auch Altbauten können gegebenenfalls umgerüstet werden. Bei einem Neubau muss man selbstverständlich etwas mehr hinblättern als bei einem durchschnittlichen Neubau. Das Geld fließt in Solarmodule, deren Speichermöglichkeiten, Wärmepumpen und Co. Das 161 Quadratmeter große Haus von Leukefeld, welches von HELMA angeboten wird, kostet schlüsselfertig ohne Keller und Grundstück 398.000 Euro. Von diesem Haustyp stehen laut Leukefeld Mitte 2016 vier Stück, weitere 20 Projekte, darunter auch Mehrfamilienhäuser und öffentliche Gebäude, sind in Planung.

Das energieautarke Haus Frankfurt

Ebenfalls im Bau ist das energieautarke Haus Frankfurt, welches dem Konzept "nachhaltig und gemeinschaftlich Wohnen" folgt. Das dreistöckige Gebäude bietet mit unterschiedlichen Wohnungsgrößen Platz für bis zu 27 Personen, von WGs bis hin zu Familienwohnungen soll alles dabei sein. Einziehen sollen die Bewohner im ersten Quartal 2018 zu einem Mietpreis von circa neun Euro pro Quadratmeter. Gedeckt wird der Energiebedarf der Bewohner aus Sonnen und Luftenergie.

Quelle: DPA

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