Dauerproblem beim Wechsel: die Durchleitung

Der Begriff "Durchleitung" wird verwendet, wenn ein neuer Stromanbieter um die Nutzung der Stromleitungen mit dem Netzbetreiber in Verhandlung tritt. Daran ist auch geknüpft, ab wann ein Verbraucher den Strom vom neuen Anbieter beziehen kann.

Seit der Liberalisierung des Strommarktes besteht das "Problem" der Durchleitung. Das heißt folgendes: Wenn Sie Ihren Stromanbieter wechseln, muss Ihr neuer Anbieter seinen Strom zu Ihnen "durchleiten". Dazu muss er eine entsprechende "Durchleitungsvereinbarung" mit Ihrem Netzbetreiber, also Ihrem alten Anbieter, schließen. Ihr alter Anbieter kann eine Netznutzungsgebühr verlangen, die Höhe ist nicht einheitlich festgelegt. Kommt ein solcher Vertrag nicht zustande, können Sie keinen Strom von Ihrem neuen Anbieter beziehen.

Die deutschen Netzbetreiber sind jedoch dazu verpflichtet, Strom von anderen Anbieter durchzuleiten. Oft können Einigungen erst nach zähen Verhandlungen getroffen werden, weil etwa die verlangten "Netznutzungsentgelte" zu hoch sind.

Als Kunde haben Sie mit dem ganzen Prozedere der Durchleitungsverhandlungen nichts zu tun. Ihr neuer Anbieter gibt Ihnen Bescheid, sobald er eine Einigung mit Ihrem alten Anbieter getroffen hat. So lange müssen Sie warten. Die gesamten Kosten trägt Ihr neuer Anbieter.

Was bedeutet "Beistellung"?

Damit ein Stromanbieter Strom in ein fremdes Netz leiten kann, muss er mit dem Netzbetreiber eine Durchleitungsvereinbarung getroffen haben. In dieser werden verschiedene Punkte geregelt, beispielsweise die Netznutzungsgebühr.

Sollte keine Einigung über eine Durchleitung getroffen werden können, gibt es noch die Möglichkeit der Beistellung. Der neue Stromanbieter lässt den Strom vom Netzbetreiber vor Ort "beistellen", leitet seinen Strom also nicht durch. Er kauft den teuren Strom, um seinen Kunden in diesem Ort überhaupt Strom liefern zu können. Oftmals schreibt er damit rote Zahlen, denn er verkauft den Strom billiger, als er ihn einkauft. Aus diesem Grund können "Beistellungsverträge" nur befristet sein, bis eine endgültige Durchleitungsvereinbarung getroffen wird.

Die Verhandlungen zwischen altem und neuen Anbieter dauern ewig!

Das ist ärgerlich aber leider können Sie diese Verhandlungen nicht beeinflussen. Der Netzbetreiber – oder Regionalversorger ist zwar verpflichtet, Verhandlungen zu führen. Es ist derzeit aber nicht verbindlich geregelt, zu welchen Bedingungen er den Strom des anderen Anbieters durchleiten muss.

D.h. er kann sich die Durchleitung mit einem von ihm erstellten Preis, der (noch) keiner Überwachung und Regelung unterliegt, bezahlen lassen.

Wann sich beide Verhandlungspartner also einigen, hängt von den Forderungen des Netzbetreibers und dem Verhandlungsgeschick des neuen Anbieters ab. Sie haben keinerlei Möglichkeit, sich einzumischen, sondern müssen abwarten.

Mein Regionalversorger verweigert die Durchleitung!

Das ist nicht zulässig. Ihr Regionalversorger ist durch die Verbändevereinbarung dazu verpflichtet, den Strom durchzuleiten. Allerdings steht nicht verbindlich fest, zu welchen Bedingungen dies geschehen muss. Aus diesem Grund können sich die Verhandlungen über die Durchleitungsbedingungen hinziehen, durchgeleitet werden muss der Strom aber in jedem Fall.

Verwandte Themen
  • Blauer Strom Zertifikat KWK

    Blauer Strom

    Blauer Strom zertifiziert KWK-Anlagen

    "Blauer Strom" heißt nicht nur eine Gaspipeline, sondern auch ein Zertifikat des Bundesverbandes für Kraft-Wärme-Kopplung, welches für mehr Transparenz am Strommarkt sorgen soll. Wer das Siegel unter welchen Bedingungen erhält und was Sie als Kunde davon haben, erklären wir hier!

  • Photovoltaik

    Strom-Cloud

    Die Strom-Cloud: Idee, Vorteile und Probleme

    Praktisch alle Besitzer von Photovoltaik-Anlagen stehen vor dem gleichen Problem: Im Sommer produziert man mehr Strom, als man speichern kann, und im Winter geht einem die Energie aus. Das neue Modell einer Strom-Cloud soll da Abhilfe schaffen. Wie geht das und für wen lohnt es sich?

  • Ökostrom

    Mieterstrom

    Mieterstrom: Ökoenergie vom Dach des Vermieters

    Dank Mieterstrom können auch Bewohner von Mietwohnungen und –häusern von örtlich erzeugtem Ökostrom profitieren. Solche Modelle werden von der Bundesregierung unterstützt. Was sind die Vor- und Nachteile?

Ratgeber zum Thema
  • AVM Fritz!DECT 210

    Mit Funksteckdosen den Stromverbrauch im Griff

    Funksteckdosen erleichtern das Ein- und Ausschalten des Stromflusses über eine Fernbedienung oder das Smartphone. Damit helfen sie ganz nebenbei, Strom zu sparen. Welche Techniken gibt es, wie funktionieren sie und wo kann man sie einsetzen?

    weiter
  • Solaranlage Hausdach

    Mieterstrom: Experten stehen Frage und Antwort

    Mieterstrom-Projekte werden nach dem EEG 2017 vom Staat gefördert. Für wen ergeben sich dadurch Vorteile und wer kann Mieterstrom beziehen? Im Interview gibt Energiedienstleister Polarstern Infos rund um das Thema und beantwortet zentrale Fragen.

    weiter
  • Solarthermie

    Solarthermie kombinieren und Heizkosten sparen

    Mit Solarthemie kostenlose Wärme durch die Sonne nutzen - eine tolle Idee, nur scheint im Winter, wenn wir besonders viel Wärme benötigen, bekanntlich nicht so häufig die Sonne. Daher ist es meist nötig, die Anlage mit einer zweiten Energiequelle zu kombinieren. Lesen sie mehr über die verschiedenen Möglichkeiten!

    weiter