Dieselfahrverbot

Dieselfahrverbot in Deutschland - Hintergründe und Fakten

Ein echtes Dieselfahrverbot wurde erst in wenigen Städten und dort auch nur für bestimmte Straßenabschnitte festgelegt. Über Umweltzonen gibt es allerdings schon größere Areale, in denen PKW mit bestimmten Schadstoffwerten nicht mehr fahren dürfen.

AbgaseDieselfahrvebote betreffen vor allem ältere PKW.© Avantgarde / Fotolia.com

Das Stichwort "Dieselfahrverbot" macht seit einigen Jahren die Runde und sorgt für heftige Diskussionen zwischen Befürwortern und Kritikern. Dabei stand erst seit Februar 2018 nach einem Urteil des Bundesverwaltungsgerichts fest, dass Dieselfahrverbote zulässig sind. Eine Reihe von Städten hat daraufhin Fahrverbote eingeführt. Betroffen sind meist die Innenstädte oder besonders belastete Straßen in Umweltzonen. Diese Zonen sollen die Feinstaubbelastung senken.

Dieselfahrzeuge, die zu den Schadstoffgruppen Euro 1 bis 3 gehören, sind immer betroffen. Dieselfahrzeuge der Schadstoffgruppe Euro 4 bis 5 erhalten zwar die grüne Umweltplakette, dürfen in Umweltzonen aber nur in den Straßen fahren, die für Diesel nicht gesperrt sind.

Warum wurden Umweltzonen und Dieselfahrverbote eingeführt?

In den Ballungsgebieten der großen Städte nimmt die Luftverschmutzung seit Jahren so zu, dass die von der EU festgelegten Grenzwerte überschritten werden. Um die Luftqualität zu verbessern, wurden europaweit in besonders belasteten Gebieten Umweltzonen eingerichtet. In Deutschland liegt die größte Umweltzone im Ruhrgebiet und umfasst dreizehn Städte. Hier sind nur noch Fahrzeuge erlaubt, die eine grüne Umweltplakette tragen. Zusätzlich gibt es Dieselfahrverbote für alle Diesel bis zur Norm Euro 5, obwohl sie eine grüne Plakette erhalten haben.

Für ausländische Fahrzeuge gelten die gleichen Regelungen. Touristen und Geschäftsleute, die in eine Stadt mit Umweltzonen fahren möchten, müssen sich eine grüne Plakette besorgen. Bei Benzin-Autos ist das meist kein Problem. Ältere Diesel-PKWs fallen dagegen häufig unter das Dieselfahrverbot.

Konkrete Dieselfahrverbote gibt es bisher beispielsweise in Darmstadt in der Hügelstraße und Heinrichstraße sowie in Hamburg in der Max-Brauer-Allee und Stresemannstraße. In Köln, Frankfurt und Bonn liegen bisher nur die Pläne vor.

Welche Fahrzeuge gehören zu den verbotenen Schadstoffgruppen?

Die Liste der Fahrzeuge, die nur eine gelbe oder sogar rote Plakette erhalten können oder trotz grüner Plakette vom Dieselfahrverbot betroffen sind, ist lang und ausführlich. Wer wissen möchte, zu welcher Schadstoffklasse sein Auto gehört, muss die Zulassungsbescheinigung in die Hand nehmen. Falls der Schein vor dem 1. Oktober 2005 ausgestellt wurde, findet man unter dem Punkt "Schlüsselnummer zu 1" einen Code. Wenn der Schein nach diesem Datum ausgestellt wurde, findet man den Code unter dem Punkt 14.1. Die letzten beiden Ziffern dieses Codes verraten die Emissionsklasse. Desto höher die Ziffer ist, desto größer ist die Schadstoffgefahr. Da es sehr viele Fahrzeugtypen gibt, ist die Liste mit den unterschiedlichen Code-Bedeutungen mehrere Seiten lang. Bei einem Kauf sollte man den Code fachmännisch überprüfen lassen.

Wie viele Autos sind betroffen?

Besonders betroffen sind natürlich ältere PKWs. Für LKWs und städtische Nutzfahrzeuge gelten in Bezug auf das Dieselfahrverbot besondere Normen und Regeln. Sie unterscheiden sich von Bundesland zu Bundesland. Laut dem Bundesverkehrsministerium gibt es bundesweit 1,3 Millionen Diesel-PKWs, die von einem Dieselfahrverbot betroffen sind. Einer Antwort des NRW-Verkehrsministeriums auf eine Anfrage der SPD zufolge sind hingegen allein in Nordrhein-Westfalen 2,1 Millionen PKWs vom Dieselfahrverbot betroffen (Quelle: RP Online, Januar 2019). Diese Zahlen wurden von der Bundesregierung jedoch nicht bestätigt. Da auch zahlreiche Diesel-Fahrzeuge mit grüner Plakette vom Verbot betroffen sind und beispielsweise auch viele Autofahrer aus dem Umland zur Arbeit in die Städte pendeln, scheint es schwierig, die genauen Zahlen zu ermitteln.

Wie oft werden Dieselfahrverbote kontrolliert?

In den meisten Städten führt die Polizei laut ADAC unregelmäßig Stichproben durch. Wer das Dieselfahrverbot verletzt hat, muss in Hamburg mit einem Bußgeld von 25 Euro (PKW) oder 75 Euro (LKW) rechnen. In Stuttgart liegt das Bußgeld mit 80 Euro (PKW) dagegen wesentlich höher. Um die Arbeit der Polizei zu erleichtern, ist eine blaue Umwelt-Plakette für Dieselfahrzeuge im Gespräch. Nur Diesel mit einer Norm Euro 6 würden sie bekommen. Fahrzeuge mit Norm 4 und 5 hätten dann zwar die grüne Umweltplakette – aber keine blaue, die ihnen überall freie Fahrt garantiert. Ob die blaue Plakette eingeführt wird, war Anfang 2020 noch nicht geklärt. Auch eine automatische Überwachung mit einem Kamerasystem ist im Gespräch. Bis die verschiedenen Kontrollmöglichkeiten geprüft sind, werden hauptsächlich klassische Fahrzeugkontrollen durchgeführt.

Parallel dazu arbeiten die meisten Kommunen mit Ausnahmeregelungen. So gilt das Dieselfahrverbot meist nicht für Anwohner oder für Menschen mit Behinderungen. Auch für Handwerker, Lieferanten und städtische Fahrzeuge gelten häufig Ausnahmeregelungen.

Sind technische Nachrüstungen möglich?

Nachrüstungen sind vor allem bei den Dieselfahrzeugen mit der Norm Euro 5 interessant, da es sich hier um neuere Autos handelt. Dieselfahrzeuge, die nur die Norm Euro 1 bis 4 erreichen, sind meist so alt, dass sich der Aufwand nicht lohnt. Laut einer Verordnung des Bundesverkehrsministeriums vom Dezember 2018 müssen Hardwaresysteme bei einer Nachrüstung so effektiv sein, dass die Autos höchstens 270 mg NOx pro Kilometer ausstoßen. Mit dem Begriff NOx werden die Stickstoffoxide gemessen, die über den Auspuff in die Umwelt gelangen. Die technische Nachrüstung muss auch bei sehr niedrigen Temperaturen greifen und mindestens fünf Jahre halten. Die erste Betriebserlaubnis zur Dieselnachrüstung kam im Sommer 2019. Wer die Dieselfahrverbote mit einer technischen Nachrüstung umgehen will, muss sich deshalb über seine Werkstatt informieren und so in Erfahrung bringen, ob es für das Modell eine Möglichkeit gibt und ob eine Betriebserlaubnis vonseiten der Verkehrsbehörden erteilt wurde. Anfang 2020 war das nur bei sehr wenigen Automarken und Modellen der Fall.

Lohnt es sich noch, einen Diesel zu kaufen?

Wer über den Kauf eines PKWs nachdenkt, wird sich angesichts der immer häufiger auftretenden Dieselfahrverbote fragen, ob sich der Kauf eines Diesel überhaupt noch lohnt. Hier gehen die Meinungen unter Fachleuten stark auseinander. Vor allem Käufer, die häufig in der Stadt fahren, sollten bei einem Kauf gründlich nachdenken, da es durchaus sein kann, dass die Umweltzonen weiter ausgebaut und die Richtlinien noch höher angesetzt werden. Die Entwicklung ist schwer vorhersehbar. Allerdings zahlen sich der geringere Treibstoffverbrauch und die geringere Energiesteuer bei längeren Fahrten auf dem Land durchaus noch aus. Außerdem sind Dieselfahrzeuge immer noch preiswerter als vergleichbare Benziner. Käufer sollten deshalb alle Für und Wider genau abwägen und ihre eigene Situation ehrlich betrachten.

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