Atomausstieg

Atomausstieg: Schritt für Schritt weg vom Atomstrom

Nach Tschernobyl und Fukushima hat sich die Anti-Atomkraft-Bewegung immer stärker manifestiert. Man möchte keine Atomkraftwerke mehr im eigenen Land. In Deutschland soll der letzte Meiler 2022 vom Netz genommen werden.

Atomkraftgegner© Adlerauge1 / Fotolia.com

Das Aus für die Atomkraft

Schon länger war man sich der Risiken der Atomkraft bewusst und trotzdem setzte man auf die günstige und umweltfreundliche Atomenergie. Erstmalig erschüttert wurde der Glaube vieler im Jahr 1986 durch den GAU in Tschernobyl. Ein zweiter sollte 2011 in Fukushima folgen. Nach längerem Hin und Her hat nun auch Deutschland den Ausstieg aus der Atomkraft beschlossen.

Was bedeutet Atomausstieg?

Der Begriff Atomausstieg stammt aus der Anti-Atomkraft-Bewegung der 70er Jahre. Seit Tschernobyl fordern viele den langfristigen Verzicht auf die zivile Nutzung der Atomkraft. Man fordert, keine neuen Atomkraftwerke mehr zu errichten und alte Atom-Meiler vom Netz zu nehmen. Der Atomausstieg soll nicht nur in Deutschland vollzogen werden. Andere Länder wie Irland, Österreich, Schweden, Neuseeland oder Dänemark kommen schon seit einigen Jahrzehnten ohne Atomkraftwerke aus. Nach Fukushima wurde der Atomausstieg auch in der Schweiz, Italien und Belgien beschlossen.

Wenige Fürsprecher des Atomausstiegs vor den 90er Jahren

Nachdem der Atomausstieg von der deutschen Bevölkerung bereits seit den 70er Jahren gefordert wurde, machte man in der Regierung erst nach Tschernobyl erste Ansätze. Die Grünen forderten einen "Sofortausstieg", die SPD sprach sich ebenfalls für einen Ausstieg aus, jedoch einen gemächlicheren. Daraufhin wurden zahlreiche Forschungsgruppen ins Leben gerufen, die über die Machbarkeit des Vorhabens nachdenken sollten. Die Bundesregierung setzte grundsätzlich jedoch weiterhin auf Atomstrom und so floss ein Großteil der Forschungsgelder des Energiemarktes in die Atomindustrie.

Erneuerbare Energien fassen Fuß

Ein wichtiger Schritt Richtung Energiewende und damit Richtung Atomausstieg wurde in den 90er Jahren getan. Damals verabschiedete man das Stromeinspeisegesetz, welches Stromanbieter unter anderem dazu verpflichtete, Strom aus regenerativen Quellen abzunehmen. So kam die Branche der erneuerbaren Energien ins Rollen und man investierte mehr Gelder in eben diese Sparte.

Neues Jahrtausend bringt die Wende

Der Atomausstieg in Deutschland begann schließlich mit einer Regelung zwischen der Bundesregierung und den Energieversorgern im Jahr 2000 sowie einem neuen Atomgesetz 2002. Man wollte weg von fossilen und nuklearen Energielieferanten, hin zu erneuerbaren Energien. Nach und nach sollten alle deutschen Meiler vom Netz genommen werden. Das Ziel schien erreicht.

Merkels Rückzieher und erneuter Einstieg

Unter Merkel wurde der Atomausstieg 2010 wieder nach hinten verschoben. Man beschloss eine Laufzeitverlängerung, mit der Begründung, dass man die benötigten Strommengen ohne Atomkraft nicht abdecken könnte. Atomstrom sei sicher, sauber und günstig. Proteste wurden daraufhin nicht nur seitens der Bevölkerung laut, sondern auch von Landesregierungen, Gewerkschaften und Umweltverbänden.

Ein Jahr später bewirkte das Reaktorunglück in Fukushima jedoch eine erneute Kehrtwende. Im Juni 2011 wurde das Atom-Ausstiegsgesetz beschlossen. Daraufhin wurden acht deutsche Atomkraftwerke sofort stillgelegt, alle weiteren Meiler sollen bis 2022 nach und nach vom Netz gehen.

Atomkraftwerke Atomkraftwerke in Deutschland© Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

Wie soll der Atomausstieg in Deutschland gestaltet werden?

Der Atomausstieg in Deutschland ist ein Teil der Energiewende. Dies heißt, dass man den Strom, welcher in einigen Jahren nicht mehr von Atomkraftwerken geliefert werden kann und soll, durch erneuerbare Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse abdecken möchte. Bis 2050 sollen rund 80 Prozent des deutschen Strombedarfs aus erneuerbaren Energien kommen. Das erfordert natürlich günstige und effektive Methoden, um aus Wind, Wasser und Co. Strom herzustellen. Eine der größten Herausforderungen ist logistischer Natur: Die produzierten Energien können derzeit noch nicht effizient genug genutzt werden, weil Transportleitungen fehlen. Der Netzausbau ist die Erforschung geeigneter Speichertechnologien sind Voraussetzung für einen gelungenen Atomausstieg.

Was passiert mit den stillgelegten Reaktoren?

Wenn die letzten Atommeiler vom Netz gehen, bedeutet das nicht, dass man einfach einen Schalter umlegen kann: Die Brennelemente müssen noch über Jahre hinweg weiterhin gekühlt werden. Nachdem die Brennelemente ausgekühlt sind, müssen die Kraftwerke zurückgebaut werden. Dabei dürften Tausende von Tonnen radioaktiv verseuchten Mülls entstehen. Wohin mit dem strahlenden Gut, das ist bis heute nicht geklärt. Die Suche nach einem passenden Lager für schwach- bis hochradioaktive Abfälle ist eine weitere große Aufgabe im Zusammenhang mit dem Atomausstieg.

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