Erdöl-Förderlimits

"Opec+" halten an Drosselungen fest – Ölpreise sollen steigen

Die "Opec+" produzieren fast die Hälfte des gesamten Erdöls weltweit. Seit Oktober 2018 wurden die Fördermengen gekürzt und das bleibt vorerst auch so.

Ölförderturm© dave51 / Fotolia.com

"Opec+" halten an Drosselungen fest – Ölpreise sollen steigen

Wien - Das Ölkartell Opec und die mit ihm kooperierenden Staaten wie Russland haben sich für weitere neun Monate auf Erdöl-Förderlimits verständigt. Die 14 Opec-Staaten und die 10 Nicht-Opec-Länder einigten sich bei ihrem Treffen am Dienstag in Wien darauf, die bereits seit Dezember 2018 geltenden Produktionsquoten beizubehalten. Das teilten der venezolanische Ölminister Manuel Salvador Quevedo Fernandez und der russische Energieminister Alexander Nowak mit. Die Verbraucher müssen sich aller Voraussicht nach auf höhere Preise für Benzin und Heizöl einstellen - eine vermutliche Folge nicht nur dieser global bedeutsamen Entscheidung.

Commerzbank-Analyst rechnet mit steigenden Preisen

"Das zu erwartende Angebotsdefizit sollte die Ölpreise in den kommenden Wochen weiter steigen lassen", schrieb Commerzbank-Analyst Carsten Fritsch am Dienstag über die erwartete Einigung. Auch die Internationale Energieagentur (IEA) mit Sitz in Paris geht davon aus, dass der globale Ölmarkt im zweiten Halbjahr 2019 unterversorgt sein wird. Das würde die Ölpreise nach oben treiben.

Weitere aktuelle politische Einflüsse

Saudi-Arabiens Energieminister Khalid Al-Falih erklärte zudem seine Zuversicht, dass mit den Ergebnissen des G20-Gipfels im japanischen Osaka am vergangenen Wochenende die weltweite Konjunktur wieder in Schwung kommen wird. Konkret bezog er sich dabei auf das Verhältnis zwischen der USA und China sowie der Zusicherung des US-Präsidenten Donald Trump, die angedrohte Ausweitung von Strafzöllen vorläufig auszusetzen. In Verbindung mit der "Opec+"-Entscheidung könnte auch das ein Faktor für einen steigenden Ölpreis sein.

Hinzu kommt der andauernde Atomstreit mit dem Opec-Mitglied Iran. Die Formel lautet hier: Je mehr der Streit eskaliert, desto teurer wird tendenziell das Öl. Am Montag hatte die Islamische Republik ihre im Atom-Abkommen vereinbarte Obergrenze seiner niedrigangereicherten Uranvorräte überschritten, weitere Verstöße gegen das Atom-Abkommen von 2015 könnten schon bald folgen.

Der russische Energieminister Nowak äußerte sich etwas vorsichtiger als sein Kollege aus Saudi-Arabien und betonte vor allem, dass sich die "Opec+" auf eine regelmäßigere Beobachtung des Ölmarktes geeinigt habe. Dabei spielte er wohl auch auf das Verhalten der USA an indem er erklärte, dass vor allem Handelskriege und Sanktionen gegen andere Länder eine Vorhersage auf den zuletzt volatilen Ölmarkt erschwerten.

Leichter Rückgang der Ölpreise

Am Dienstag sanken die Ölpreise zunächst leicht. Am frühen Nachmittag kostete ein Barrel der Nordseesorte Brent 64,65 US-Dollar, das waren 0,41 US-Dollar weniger als am Vortag.

Verringerte Förderung wurde im Oktober 2018 beschlossen

Auf die aktuellen und nun verlängerten Förderquoten verständigten sich die Partner im Dezember 2018. Der nun verlängerte Deal sieht vor, weiterhin 1,2 Millionen Barrel (159 Liter) Öl pro Tag weniger als im Oktober 2018 aus dem Boden zu pumpen. Dabei entfallen 800.000 Barrel auf die Opec-Staaten, die restlichen 400.000 Barrel auf die zehn anderen kooperierenden Länder. Die Kürzung wurde in den vergangenen Monaten nach Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) in Paris übererfüllt.

Die Analysten des Forschungsinstituts JBC gehen davon aus, dass auch weiterhin eine solche Übererfüllung des Abkommens für eine Balance auf dem Ölmarkt nötig ist. Vor allem für Saudi-Arabien ist es wichtig, dass der Ölpreis weiter steigt. Laut einer Berechnung des Internationalen Währungsfonds benötigt Saudi-Arabien einen Ölpreis von etwa 85 US-Dollar pro Barrel für einen ausgeglichenen Staatshaushalt. Riad hat zuletzt seine Ölförderung deutlich stärker gekürzt, als es mit Blick auf die Absprachen nötig gewesen wäre.

"Opec+" unterzeichnen neue Kooperationsvereinbarung

Die "Opec+"-Beratungen in Wien waren zu einer Formsache geworden, weil Saudi-Arabien und Russland ähnlich wie die USA und China den G20-Gipfel für vorentscheidende Gespräche nutzten. Die beiden Länder verständigten sich in Osaka bereits auf eine Verlängerung der Erdöl-Förderlimits, in Wien mussten lediglich die restlichen Staaten von den beiden Schwergewichten der Runde von der Strategie überzeugt werden. Die 24 Staaten bemühten sich aber darüber hinaus, ein Signal der Stärke auszusenden. Sie unterzeichneten daher eine neue Kooperationsvereinbarung. Die sogenannte "Charta of Cooperation" soll die 24 Partner enger zusammenrücken lassen und die "Opec+"-Runde weiter etablieren.

"Opec+" produzieren fast die Hälfte des gesamten Öls

Die 14 Opec-Staaten pumpen gemeinsam rund ein Drittel des gesamten Ölangebots aus dem Boden, die 24 "Opec+"-Staaten gemeinsam fast die Hälfte. Insgesamt liegt das Ölangebot bei rund 99 Millionen Barrel Öl pro Tag, während die Nachfrage laut der IEA für 2019 im Schnitt bei 100,4 Millionen Barrel pro Tag liegt. Opec- und Nicht-Opec-Staaten versuchen nun seit Anfang 2017, mit Förderlimits den Ölmarkt zu beeinflussen.

Diana Schellhas / Quelle: DPA