Energieeinsparverordnung

Für Ü30-Heizkessel läuft die Zeit ab

Über eine Million Heizkessel in Deutschland haben mittlerweile 30 Jahre an Laufzeit überschritten. Hausbesitzer sind 2019 verpflichtet, die ineffizienten Anlagen austauschen. Es gibt aber auch Ausnahmen von der Regel.

ThermostatFür alte Heizungen gibt es gesetzliche Fristen für den Austausch.© Herreneck / Fotolia.com

Für Ü30-Heizkessel läuft die Zeit ab

Stuttgart - Ein Heizkessel muss nach 30 Jahren Betrieb in der Regel ersetzt werden. So sieht es die Energieeinsparverordnung EnEV vor. Viele Hauseigentümer mit einer vor dem Jahr 1989 eingebauten Heizungsanlage müssen den Heizkessel daher dieses Jahr erneuern lassen. Darauf weist das vom Umweltministerium Baden-Württemberg geförderte Informationsprogramm Zukunft Altbau hin.

Über eine Million Ü30-Heizungen in Deutschland

Die Zahlen sind beträchtlich: Die bundesweit rund 21 Millionen Heizkessel in Deutschland haben im Schnitt knapp 17 Jahre auf dem Buckel. Die Zahlen stammen aus einer Studie des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft von Mitte 2015. Seitdem hat sich nichts Wesentliches geändert, so die Experten von Zukunft Altbau. Rund 17 Prozent der Kessel, etwa 3,5 Millionen, sind momentan älter als 25 Jahre. Der Anteil der über 30 Jahre alten Heizkessel ist nicht ausgewiesen, Schätzungen von Fachleuten zufolge sind es aber deutlich mehr als eine Million. So groß ist also die Zahl der Öl- und Gasheizungen, für die deutschlandweit im Jahr 2019 die Austauschpflicht gilt. Hauseigentümer können auf dem Typenschild, im Schornsteinfegerprotokoll oder in den Bauunterlagen prüfen, ob ihre Anlage eine Ü30-Heizung ist und somit die gesetzliche Frist überschreitet. Ein Tausch lohnt sich übrigens oft auch schon nach 20 Jahren.

Welche Heizungen müssen getauscht werden – welche nicht?

Nicht für alle alten Heizungsanlagen ist nach 30 Jahren Betrieb Schluss: Niedertemperatur- und Brennwertkessel dürfen weiter betrieben werden. Konstanttemperaturkessel mit einer Nennleistung von vier bis 400 Kilowatt fallen dagegen unter die Austauschpflicht. Der Stichtag 1. Februar 2002 ist hierbei ein entscheidendes Datum: Wer vor diesem Termin in seinem eigenen Haus gewohnt hat, den betrifft die Pflicht nicht, egal welche Heizung er nutzt. Voraussetzung ist aber, dass in dem Haus nicht mehr als drei Wohnungen vorhanden sind. Bei einem Eigentümerwechsel nach dem 1. Februar 2002 beträgt die Frist zur Erfüllung für den neuen Eigentümer zwei Jahre. Die Einhaltung dieser Frist überprüfen Schornsteinfeger.

Mit erneuerbaren Energien heizen

Wer die alte Heizung ersetzt, sollte am besten auf erneuerbare Energien umsteigen, rät Frank Hettler von Zukunft Altbau. Eine Ökoheizung schützt das Klima, da sie im Vergleich zu einer Öl- oder Erdgasheizung die Kohlendioxid-Emissionen drastisch senkt. Ökoheizungen erhöhen darüber hinaus die Unabhängigkeit von den endlichen fossilen Energien und ihren Preisschwankungen. Die Kosten über die Lebensdauer sind häufig vergleichbar mit denen von Öl- und Erdgasheizungen, auch von einer möglichen CO2-Steuer sind regenerative Heizungen nicht betroffen. Erneuerbare Energien sind auch deswegen nützlich, da das Geld nicht in die Öl- und Erdgas exportierende Staaten abfließt, sondern mehrheitlich im Land verbleibt.

Mehrere Alternativen zur Öl- und Gasheizung

Eine erneuerbare Heizungsoption sind Wärmepumpen: Sie holen sich Wärme aus der direkten Umgebung und "pumpen" diese kostenfreie Umweltwärme für Heizung und Warmwasser mit Strom auf ein höheres Temperaturniveau. Stückholz- oder Pelletkessel sind weitere Optionen. Die Zentralheizungen passen in jeden Heizungskeller, sind einfach zu bedienen und funktionieren weitgehend automatisch. Ein Pelletlager benötigt in etwa so viel Raum wie ein Öltank. Anschaffungs- und Betriebskosten sind in der Summe ähnlich hoch wie bei Heizungen mit fossilen Energieträgern.

Auch thermische Solaranlagen können sich lohnen. Systeme zur Warmwasserbereitung erzeugen im Jahresdurchschnitt rund zwei Drittel der benötigten Wärme. Die Heizung kann dann im Sommer ganz abgeschaltet werden. Wer die Anlage auch zur Unterstützung der Heizung verwendet, spart weitere Brennstoffkosten. Eine heizungsunterstützende Solarwärmeanlage ist besonders dann sinnvoll, wenn das Heizsystem sowieso einen Pufferspeicher benötigt – etwa bei Holzheizungen.

Liegt in der Straße ein Wärmenetz oder wird ein Wärmenetz geplant, ist der Anschluss meist eine sehr sinnvolle Option. Die Wärme stammt insbesondere bei neuen Wärmenetzen aus effizienten Blockheizkraftwerken und erneuerbaren Wärmequellen.

Für den Austausch der alten Heizung gibt es Zuschüsse über das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA). Bei der KFW-Bank können zudem zinsvergünstige Kredite beantragt werden.

Diana Schellhas

Weiterführende Links