Klimaschutz

Berliner Hotel heizt mit negativer CO2-Bilanz

Heizen ohne CO2 auszustoßen: In einem Berliner Hotel soll in Sachen Klimaschutz sogar noch ein weiterer Schritt erfolgen. Mit dem Projekt "MOA-H2eat" wurden das MAO Berlin und das Technologieunternehmen Graforce mit dem Innovationspreis der deutschen Gaswirtschaft 2020 ausgezeichnet.

Diana Schellhas, 11.11.2020, 13:11 Uhr
CO2 EmissionenIm Hotel MAO Berlin wird Wärme zukünftig emissionsfrei erzeugt. Der Hotelgast entscheidet, ob Erdgas oder Biogas zum Einsatz kommt.© designeo / Fotolia.com

Das Hotel MOA Berlin und das Berliner Technologieunternehmen Graforce starten ein Projekt für mehr Klimaschutz. Mit Hilfe des Plasmalyse-Verfahrens erzeugt das MOA Berlin als Businesshotel & Eventlocation seine Wärme zukünftig nicht nur emissionsfrei, sondern kann der Luft CO2 entziehen, erklärt das Unternehmen. Das Berliner Hotel sei damit das erste weltweit mit einer negativen CO2-Bilanz bei der Wärmeerzeugung. Am 4. November wurde da Projekt „MOA-H2eat“ mit dem Innovationspreis der deutschen Gaswirtschaft 2020 ausgezeichnet.

Negative CO2-Bilanz: Methan wird in Wasserstoff und festen Kohlenstoff gespalten

Im MOA Berlin, einem Konferenzhotel der Mercure-Gruppe würde zukünftig je nach Gästewunsch mit Wasserstoff aus Erdgas oder Biogas geheizt. Beide Gase bestünden hauptsächlich aus Methan (CH4). Durch das Methan-Plasmalyse-Verfahren würde das Methan mit sehr geringem Energieaufwand in Wasserstoff und festen Kohlenstoff aufgespaltet – ohne dass dabei CO2 entstünde. Weil nicht das Methan, sondern der daraus gewonnene Wasserstoff verbrannt würde, ermögliche die Methan-Plasmalyse eine emissionsfreie Wärmeerzeugung.

Der elementare Kohlenstoff – auch Carbon Black genannt – sei ein wertvoller Rohstoff, der in Farben und Keramiken, der Elektroindustrie oder wie im Fall des MOA Berlin zur Herstellung von Asphalt verwendet würde. Somit würde das CO2 nicht mehr frei, sondern dauerhaft in Produkten gebunden.

Heizanlage arbeitet mit modifizierten Gas-Brennwertkesseln

"Die neue Anlage im MOA Berlin soll zeigen, dass die Wärmeerzeugung auch im größeren Maßstab nicht nur emissionsfrei, sondern sogar mit einer negativen CO2-Bilanz möglich ist", erläutert Graforce-Gründer und Geschäftsführer Dr. Jens Hanke. Allein die bisher im MOA Berlin verwendeten fünf Heizkessel mit einer Wärmeleistung von je 314 Kilowatt hätten pro Jahr bis zu 800 Tonnen CO2 ausgestoßen. Um diese Menge aus der Atmosphäre aufzunehmen, seien umgerechnet mehr als 65.000 Bäume notwendig, was mehr als ein Viertel der Bäume im Berliner Tiergarten seien.

Für seine grüne Wärmeerzeugung nutze das Hotel modifizierte Gas-Brennwertkessel. Das Mischungsverhältnis für die Heizkessel würde durch die Methan-Plasmalyse-Anlage geregelt. Begonnen würde die Wärmeerzeugung mit einer Mischung aus 30 Prozent Wasserstoff und 70 Prozent Biogas oder Erdgas – je nach Gästewunsch. In den folgenden Monaten würde der Wasserstoffanteil in den Heizkesseln sukzessive erhöht.