Konflikt am Persischen Golf

Angriff auf zentrale Ölleitung in Saudi Arabien - Pipeline gesperrt

Eine zentrale Pipeline in Saudi-Arabien wurde nach einem Angriff beschädigt. Die Leitung ist wichtig für den Öltransport in die USA und die EU. Den Angriff sollen jemenitischen Huthi-Rebellen durchgeführt haben, die vom Iran unterstützt werden.

Erdöl Pipeline© James / Fotolia.com

Angriff auf zentrale Ölleitung in Saudi Arabien - Pipeline gesperrt

Riad - Im Konflikt am Persischen Golf spitzt sich die Lage dramatisch zu. In Saudi-Arabien wurde am Dienstag eine der wichtigsten Ölpipelines des Landes von mit Sprengstoff beladenen Drohnen angegriffen - mutmaßlich von jemenitischen Huthi-Rebellen, die vom Iran unterstützt werden. Saudi-Arabiens Energieminister Chalid al-Falih teilte mit, zwei Pumpstationen der Ost-West-Pipeline im Zentrum des arabischen Königreiches seien attackiert worden. Die Ölpreise reagierten direkt auf die Meldung und stiegen an.

Hintergrund: Militärkoalition gegen Huthis im Jemen

Für den Angriff dürften die schiitischen Huthi-Rebellen verantwortlich sein. Sieben Drohnen hätten Angriffe gegen wichtige Ziele in Saudi-Arabien ausgeführt, berichtete das jemenitische Medienunternehmen Al-Masirah mit Verweis auf Militärkreise der Huthis. Das Medienunternehmen steht unter Kontrolle der Huthi-Rebellen. Ein Huthi-Sprecher bezeichnete die Angriffe auf "vitale Einrichtungen Saudi-Arabiens" als Vergeltungsaktion für die Angriffe Saudi-Arabiens im Jemen. Das Königreich führt im Jemen eine Militärkoalition gegen die vom Iran unterstützten Huthis an.

Konflikt zwischen dem Iran und den USA

Die Lage am Golf ist derzeit extrem angespannt. Der Iran und das von den USA unterstützte Saudi-Arabien sind Erzfeinde. Die Amerikaner hatten den Druck auf die iranische Führung zuletzt massiv erhöht, unter anderem mit Sanktionen und militärischen Drohungen.

Pipeline gesperrt – Leitung bringt Öl in die EU und die USA

Aus Sicherheitsgründen sei der Betrieb der Pipeline in Saudi-Arabien vorläufig eingestellt worden, teilte das staatliche Energieunternehmen Saudi Aramco mit. Die sogenannte Petroline ist eine zentrale Ölpipeline in Saudi-Arabien. Über die 1.200 Kilometer lange Pipeline wird Öl aus der Ost-Provinz Saudi-Arabiens in den Hafen Janbu am Roten Meer transportiert. Dieser Transportweg ist vor allem für den Öltransport in Richtung USA und Europa wichtig.

Wie das Unternehmen weiter mitteilte, habe es keine Opfer und nur leichte Sachschäden gegeben. Die Öl- und Gasproduktion sei demnach trotz der Stilllegung der Pipeline nicht beeinträchtigt. Durch den Angriff sei an einer der angegriffenen Pumpstationen ein Feuer ausgebrochen und Sachschaden entstanden, sagte Energieminister Al-Falih.

Angriffe auf Öltanker in den Emiraten

Der Vorfall in Saudi-Arabien ereignete sich nur wenige Tage, nachdem auch aus den benachbarten Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) Sabotageakte an Öltankern gemeldet worden waren. Die Behörden in den Emiraten sprachen von "staatsfeindlichen Operationen" vor der Küste des kleinen Emirats Fudschaira, nannten aber kaum Details. Vier internationale Handelsschiffe seien beschädigt worden. Unter anderem war ein norwegischer Tanker von einem unbekannten Objekt getroffen worden, wie Fotos zeigten. Auch zwei saudische Öltanker sollen nach einem Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur WAM schwer beschädigt worden sein.

Zahlreiche Drohnenangriffe werden auf die Huthis zurückgeführt

Zuletzt hatte es immer wieder Drohnenangriffe der Huthis gegeben. Bei einer Attacke auf jemenitische Regierungstruppen starben Anfang des Jahres sechs Soldaten nahe der Hafenstadt Aden. Eine Untersuchung von UN-Experten benannte bereits im vergangenen Jahr zahlreiche Drohnenangriffe der Huthis und warf dem Iran vor, den Huthis wichtige Teile dafür zu liefern. Beobachter sehen eine wachsende Gefahr in den Huthi-Drohnenangriffen. Die jetzt angegriffenen Pumpstationen liegen mehr als 800 Kilometer von der Grenze zum Jemen entfernt. Die Denkfabrik Conflict Armament Research veröffentlichte zuletzt Hinweise für von den Huthis eingesetzte Drohnenboote.

Ölpreis-Entwicklung nach dem Angriff

Saudi-Arabiens Energieminister Al-Falih bezeichnete den Angriff nicht nur als Attacke auf das Königreich, sondern auf die Sicherheit der Öltransporte in der gesamten Welt. Die Ölpreise waren nach dem Angriff gestiegen, gingen am Mittwoch aber wieder zurück. Ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent kostete am Morgen 70,99 US-Dollar. Das waren 25 Cent weniger als am Vortag – nach dem Angriff. Der Preis für ein Barrel der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 42 Cent auf 61,36 Dollar.

Marktbeobachter erklärten den Rückgang mit der jüngsten Entwicklung der Ölreserven in den USA. Am Vorabend war bekannt geworden, dass der Interessenverband American Petroleum Institute (API) in der vergangenen Woche einen Anstieg der Lagerbestände an Rohöl um 8,63 Millionen Barrel verzeichnet hat.

Die offiziellen Lagerdaten der US-Regierung werden am Nachmittag erwartet und könnten im Ölhandel für neue Impulse sorgen. Ein Anstieg der Reserven kann ein Hinweis für ein zu hohes Angebot oder eine geringe Nachfrage sein und belastet in der Regel die Ölpreise. Die Entwicklung der US-Ölreserven überlagert damit etwas die Sorge vor einer Eskalation der politischen Spannungen am Persischen Golf.

Öl macht 42 Prozent des saudischen Bruttoinlandsprodukts aus

Heute macht der Erdölsektor 87 Prozent der saudischen Haushaltseinnahmen und 42 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Nach Angaben der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) besitzt Saudi-Arabien etwa 18 Prozent der nachgewiesenen Erdölreserven.

Vor dem Hintergrund der Spannungen zwischen Saudi-Arabien, den USA und dem Iran warnte der iranische Außenminister Dschawad Sarif vor einer Eskalation. "Wir hatten es schon vorhergesehen, dass solche dubiosen Zwischenfälle passieren könnten, um Spannungen in der Region zu provozieren", sagte er laut der staatlichen iranischen Nachrichtenagentur Irna.

Diana Schellhas / Quelle: DPA