Gaspipeline

Zeitung: Bilfinger verabschiedet sich aus Nord-Stream-Projekt

Gegen den Bau der Pipeline Nord Stream 2 haben die USA schon lange mit Strafmaßnahmen gedroht. Ganz kurz vor dem Regierungswechsel erfolgte jetzt die erste Bestrafung. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, ist daraufhin Industriedienstleister Bilfinger aus dem Projekt ausgestiegen.

Diana Schellhas, 20.01.2021, 10:33 Uhr (Quelle: DPA)
Erdöl Pipeline© James / Fotolia.com

Der Industriedienstleister Bilfinger SE hat sich einem Bericht der "Bild"-Zeitung zufolge aus dem Pipeline-Projekt Nord Stream 2 verabschiedet. Dies geht nach Angaben der Zeitung vom Dienstag aus ihr vorliegenden Briefen des Mannheimer Unternehmens hervor. Mit Hinweis auf die Bestimmungen des "Schutzes des europäischen Energiesicherheitsgesetzes" seien sämtliche Kooperationen und Verträge mit Nord Stream 2 gekündigt worden. Das Unternehmen kommentierte den Bericht auf dpa-Anfrage nicht.

Auftragsvolumen von Bilfinger lag bei 15 Millionen Euro

Ende 2017 hatte Bilfinger den Zuschlag für Leit- und Sicherheitssysteme zum Betrieb der Pipeline zwischen Russland und Deutschland erhalten. Das Auftragsvolumen lag bei mehr als 15 Millionen Euro. Außerdem war Bilfinger verantwortlich für den Bau einer Wärmezentrale zur Vorwärmung von Erdgas am Anlandepunkt in Lubmin.

Bilfinger erwirtschaftete mit rund 34. 000 Mitarbeitern im Geschäftsjahr 2019 Umsatzerlöse von gut 4,3 Milliarden Euro.

US-Regierung bestraft erstes Unternehmen

Am Dienstag bestrafte die scheidende US-Regierung erstmals ein Unternehmen wegen der Beteiligung am Bau von Nord Stream 2. Betroffen sei die russische Firma KVT-RUS, teilte das US-Außenministerium am Dienstag mit. Deren Verlegeschiff "Fortuna" werde als "blockiertes Eigentum" eingestuft. In der Mitteilung hieß es weiter, die USA würden weitere Strafmaßnahmen in naher Zukunft erwägen. Welche Auswirkungen der Schritt hat, solange die "Fortuna" nicht in US-Hoheitsgewässern ist, ist unklar.

Das Ministerium kritisierte, sollte Nord Stream 2 fertiggestellt werden, würde das Russland die Möglichkeit eröffnen, "natürliche Ressourcen als Mittel für politischen Druck und bösartigen Einfluss gegen Westeuropa zu nutzen". Die Ankündigung einer ersten Strafmaßnahme wegen Nord Stream 2 zeige, "dass die Vereinigten Staaten nicht davor zurückschrecken, diejenigen zur Rechenschaft zu ziehen, die dieses Instrument der russischen Nötigung weiterhin unterstützen und begünstigen".

Das Außenministerium in Washington teilte mit, die Strafe sei auf Grundlage des Caatsa-Sanktionsgesetzes ("Countering America's Adversaries through Sanctions") verhängt worden. Die Strafe wurde am letzten vollen Amtstag der Regierung von US-Präsident Donald Trump verhängt, der am heutigen Mittwoch das Weiße Haus verlässt.