Mobilität

Wasserstoffautos bleiben eine Randerscheinung

Gerade mal 386 Wasserstoffautos sind in Deutschland unterwegs. Dabei gilt die Technik als besonders umweltschonend. Warum ist das Interesse so gering?

Wasserstoff-AutoInsgesamt gibt es in Deutschland damit 71 Wasserstofftankstellen.© adrain_ilie825 / Fotolia.com

Düsseldorf - Nach schleppendem Start steigt die Zahl der Wasserstofftankstellen in Deutschland - von einer flächendeckenden Versorgung für Brennstoffzellenautos ist man aber noch weit entfernt. In Düsseldorf hat der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) am Dienstag eine weitere Tankstelle des französischen Unternehmens Air Liquide eröffnet.

Weniger als 80 H2-Tankstellen in Deutschland

Insgesamt gibt es in Deutschland damit 71 H2-Tankstellen. Wasserstoff und Brennstoffzellen gelten als ein Instrument auf dem Weg zu einer emissionsfreien Mobilität. "Wir müssen ja irgendwann mal anfangen", sagte Pinkwart. "Wir forschen seit 20 Jahren an den Themen und jetzt geht es darum, das in Serie zu bringen."

Erste Wasserstofftankstelle wurde 2009 errichtet

Die erste Tankstelle, an der Wasserstoff (H2) getankt werden kann, war schon 2009 in Stuttgart in Betrieb gegangen. Danach passierte erst einmal nicht allzu viel: Bundesweit gab es im Jahr 2016 gerade einmal 18 H2-Tankstellen. Erst seitdem nahm der Ausbau etwas an Geschwindigkeit auf. Laut der Beratung EY sind allerdings ungefähr 1.000 H2-Tankstellen bundesweit nötig, "damit Brennstoffzellenautos richtig interessant werden für den Verbraucher".

Bis 2020 werden 100 Wasserstoff-Tankstellen für Brennstoffzellen-Pkw angestrebt, wie die für das Bundesverkehrsministerium tätige Now GmbH mitteilte. Bis 2025 sollen es 400 sein.

Technik mit Potenzial

Die Brennstoffzelle hat Potenzial, was in gewissen Bereichen auch bereits umgesetzt wird, in U-Booten wird sie beispielsweise schon seit Jahrzehnten eingesetzt. Ihre Umweltbilanz ist, wie in der Werbung von Air Liquide beschrieben, positiv - Wasserstoff wird in der Reaktion mit Sauerstoff zu Wasserdampf und Strom gewandelt. Ob H2-Autos auf lange Sicht aber für den Pkw-Massenmarkt taugen, das wird stark bezweifelt.

Nur 386 Wasserstofffahrzeuge in Deutschland

Im Vergleich zu konventionellen Elektroautos führen die Brennstoffzellen-Pkw eher einen Dornröschenschlaf. Gerade einmal 386 Wasserstofffahrzeuge sind in Deutschland laut Kraftfahrt-Bundesamt zugelassen. Bei einem Gesamt-Fahrzeugbestand von 64,8 Millionen hierzulande ist das ein Anteil von 0,0006 Prozent. Beim Ökokonkurrenten E-Auto sind es immerhin 0,2 Prozent.

Deutsche Autobauer halten sich zurück

In dem Nischenmarkt sind vor allem Asiaten präsent. Toyota hat weltweit nach eigenen Angaben knapp 10.000 H2-Fahrzeuge verkauft, in Deutschland knapp 200. Und deutsche Autobauer? Daimler stieg schon in den 90er Jahren ein und produzierte ab 2009 für einige Jahren rund 200 B-Klassen-Autos als H2-Version, 2018 brachten die Stuttgarter einen Geländewagen als Mischung aus Batterie-Stromer und Brennstoffzelle auf den Markt, auch dies in kleiner Stückzahl. Bei BMW und Audi ist die Brennstoffzelle ebenfalls Thema, sie wird aber nur erprobt - kaufen kann man derzeit kein solches Auto von ihnen.

Warum ist das Interesse an Wasserstoffautos so gering?

Warum ist der Wasserstoff-Anteil am deutschen Verkehrsmix fast unsichtbar? Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen zeigt auf die Geldbörse: Der Preis für so ein Auto sei "inakzeptabel". Grob gesagt kostet ein Wasserstoff-Pkw in Deutschland 70.000 bis 80.000 Euro, auch Leasingverträge sind nicht billig. Immerhin gibt es staatliche Förderung.

Umweltexperten kritisieren den Energieverlust

Auch Umweltexperten sehen Wasserstoff-Autos skeptisch. Florian Hacker vom Öko-Institut verweist auf den niedrigen Wirkungsgrad - man brauche Strom, um aus Wasser Wasserstoff herzustellen, der in Gastanks gelagert und nach dem Tanken im Auto in Strom gewandelt wird - bei diesen Schritten verliere man Energie. "Nur 25 Prozent der ursprünglichen Energie führt in einem Brennstoffzellen-Fahrzeug zu Fortbewegung, der Rest geht verloren - bei batteriebetriebenen Elektroautos liegt der Wert etwa bei 70 Prozent." Entsprechend höher sei der Strombedarf bei Brennstoffzellen-Autos, sagt er. "Man sollte die Brennstoffzelle weiter im Blick behalten, aber im Massenmarkt ist der Einsatz batteriebetriebener E-Autos sinnvoller."

Wie ist es um die Sicherheit bei den Wasserstoffautos bestellt

Eine Frage spielt auch die Sicherheit - spätestens seit einer Explosion in einer Wasserstofftankstelle in Norwegen vor kurzem. Daraufhin hatten Autobauer die Lieferung von Wasserstoffautos ausgesetzt. In Norwegen, aber auch in Deutschland waren Wasserstofftankstellen vorübergehend geschlossen worden. Experte Peter Fuß von der Beratungsgesellschaft EY beruhigt: «Der Sicherheitsstandard ist sehr hoch.» Die Industrie arbeite mit Hochdruck daran, noch mehr Sicherheit zu schaffen.

Fuß betont, die Brennstoffzelle könnte Zukunft haben im Verkehr: "Um emissionsfrei unterwegs zu sein, ist die Brennstoffzelle eine wichtige Schlüsseltechnologie." Denn sie habe große Vorteile: Anders als klassische Elektroautos haben Brennstoffzellenautos eine Reichweite von bis zu 500 Kilometern. Zudem gehe die Betankung viel schneller als das Laden einer Batterie - es dauere nur wenige Minuten.

Diana Schellhas / Quelle: DPA