Güterverkehr

Studie: Oberleitungs-Lkw bieten großes Potenzial für die CO2-Minderung

Eine neue Studie zu Oberleitungs-Lkw bestätigt das große Potenzial dieser Antriebsart für den Klimaschutz. Demnach könnte der Einsatz strombetriebener Lkw die direkten Treibhausgasemissionen des Straßengüterfernverkehrs pro Jahr um bis zu 12 Millionen Tonnen CO2 senken.

Diana Schellhas, 20.02.2020, 15:07 Uhr
Lastwagen© Markus Langer / Fotolia.com

Bis zum Jahr 2030 soll rund ein Drittel des Güterverkehrs elektrisch oder auf Basis strombasierter Kraftstoffe unterwegs sein, so will es das Klimapaket der Bundesregierung. Eine aktuelle Studie, die das Öko-Institut mit Forschungspartnern durchgeführt hat, zeigt jetzt, dass Oberleitungs-Lkw eine effiziente Möglichkeit der Stromnutzung im Güterfernverkehr sind. Wird demnach auf einem Streckennetz von rund 4.000 Kilometern ein leistungsfähiges Oberleitungssystem für Lkw aufgebaut, so könnte allein ein Drittel des Lkw-Fernverkehrs mittels Oberleitung elektrisch erfolgen.

Mit einem solchen Oberleitungsnetz könnten die direkten Treibhausgasemissionen des Straßengüterfernverkehrs pro Jahr um bis zu 12 Millionen Tonnen CO2 gesenkt werden, erläutert Florian Hacker, Leiter des Projekts zu Potenzialen des Oberleitungsgüterverkehrs zusammen.

Immer weniger CO2 durch einen "grüneren" Strommix

Auch wenn man die Treibhausgasemissionen bei der Stromerzeugung berücksichtigte, könne ein Oberleitungs-Lkw im Jahr 2025 die Treibhausgasemissionen im Vergleich zu einem heutigen Diesel-Lkw nahezu halbieren. Bis zum Jahr 2030 steige der Vorteil unter den Vorgaben des Kohleausstiegs sogar auf 60 Prozent an. Im Vergleich der Antriebstechnologien wiesen Oberleitungs-Lkw neben batterieelektrischen Lkw damit das höchste Potenzial zur Treibhausgasminderung im Güterverkehr auf.

Strategischer Ausbau der Oberleitungen

Fast zwei Drittel des Lkw-Fernverkehrs findet auf rund einem Drittel des deutschen Autobahnnetzes statt. Auf diesem etwa 4.000 km langen Kernnetz wurden im Projekt 17 Strecken identifiziert, die sich für den Oberleitungsaufbau besonders anbieten. Besonders große Potenziale für den frühzeitigen Einsatz von O-Lkw versprechen laut Studie beispielsweise Zubringer zum Hamburger Hafen oder Verbindungen zwischen Ballungsräumen. Diese könnten zuerst gebaut werden und über die Zeit zu einem Gesamtnetz zusammenwachsen.

Im Projekt "StratON - Bewertung und Einführungsstrategien für oberleitungsgebundene schwere Nutzfahrzeuge" hat das Öko-Institut gemeinsam mit Projektpartnern der Hochschule Heilbronn und dem Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO sowie in Zusammenarbeit mit der Intraplan Consult GmbH die Potenziale des Oberleitungs-Lkw-Systems vertieft analysiert. Ein Beirat aus Vertretern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik hat das Projekt begleitet.

Aktuell werden bereits in Schleswig-Holstein und in Hessen auf zwei Teststrecken Hybrid-LKW, die mit herkömmlichem Kraftstoff und mit Strom angetrieben werden, getestet. Die dritte Teststrecke mit einem Oberleitungssystem soll in Baden-Württemberg entstehen.