Mülltrennen

Nabu fordert mehr Biotonnen für saubere Energie und Dünger

In Deutschland stehen Verbrauchern noch immer nicht flächendeckend Biotonnen zur Verfügung. Die Nabu schätzt, dass vier Millionen Tonnen Bioabfall zusätzlich gesammelt werden könnten. Aus dem Abfall kann sowohl Dünger als auch Biogas gewonnen werden.

Biomasse© eyetronic / Fotolia.com

Berlin - Dreieinhalb Jahre nach Einführung der Pflicht zum getrennten Sammeln von Biomüll bieten weiterhin viele Landkreise und Städte nicht flächendeckend Biotonnen oder -säcke für Haushalte an. Die Umweltschutzorganisation Nabu geht davon aus, dass in Deutschland vier Millionen Tonnen Bioabfall zusätzlich über die Biotonnen gesammelt werden könnten - derzeit sind es demnach rund 4,8 Millionen Tonnen. "Wir brauchen deutschlandweit ein Holsystem, mit dem Bioabfall in einer separaten Mülltonne bei den Bürgerinnen und Bürgern abgeholt wird", forderte Nabu-Präsident Olaf Tschimpke am Freitag in Berlin.

Aus Bioabfall können Komposte und Dünger für die Landwirtschaft oder den Gartenbau gewonnen werden. Über Biogasanlagen können sie außerdem Energie liefern. Dafür müssen sie aber getrennt vom Restmüll gesammelt werden.

In einigen Kreisen stehen keine Biotonnen zur Verfügung

Recherchen des Verbands zufolge gibt es in 24 Kreisen oder kreisfreien Städten gar keine Tonne für Lebensmittelreste und Gartenabfälle. In anderen Kreisen können Bürger ihren Biomüll zu zentralen Sammelstellen bringen, was zwar dem geltenden Recht entspricht, die Umweltschützer als wenig verbraucherfreundlich kritisieren.

Menge an Bioabfällen variiert stark

Auch die Menge der gesammelten Bioabfälle ist der Untersuchung zufolge von Kreis zu Kreis sehr unterschiedlich. Das hat laut Nabu-Experte Michael Jedelhauser mehrere Gründe: In ländlicheren Regionen fällt mehr zum Beispiel Gartenabfall an, aber auch die Disziplin beim Mülltrennen ist nicht überall gleich groß. Dort, wo eine Biotonne direkt am Haus freiwillig ist und erst bestellt werden muss, wird laut Nabu deutlich weniger Biomüll gesammelt. Die Deutsche Umwelthilfe fordert ebenfalls eine flächendeckende, verpflichtende und verbraucherfreundliche Sammlung.

"Die Abfallwirtschaft hat sich viel zu lange auf der Müllverbrennung ausgeruht und verschenkt hier enorme Möglichkeiten zum Klimaschutz", sagte Nabu-Chef Tschimpke. Für nötig hält er auch Investitionen in hochwertige Vergärungs- und Kompostierungsanlagen.

Biogasgewinnung soll gesteigert werden

Nach Angaben des Umweltbundesamts wurde 2015 der Großteil der Bioabfälle wurde kompostiert. Dabei wird die enthaltene Energie allerdings nicht genutzt. Ziel sei es daher, den Anteil der Vergärung mit Biogasgewinnung in Zukunft zu erhöhen, weil das den Klimaschutz voranbringen könne. Entscheidend sei, wie emissionsarm der Betrieb der Anlagen sei und wie effizient der Energieinhalt der Biomasse genutzt werde.

Quelle: DPA