Stickoxidbelastung bekämpfen

Modellstädte reichen Vorschläge zur Luftreinhaltung ein

In drei deutschen Städten sollen Maßnahmen zur Luftreinhaltung getestet werden, die Berlin aber zunächst unter die Lupe nehmen wird. Keine der Modellstädte fordert einen kostenlosen Nahverkehr. Dafür soll es aber in einer Stadt mehr Tempo-30-Zonen geben, in einer anderen sollen Dieselfahrer für die Abgabe des Fahrzeugscheins belohnt werden.

CO2-Ausstoß Autos© Stefan Redel / Fotolia.com

Stuttgart - Die drei Modellstädte im Südwesten, in denen künftig Maßnahmen zur Luftreinhaltung getestet werden sollen, haben ihre Vorschläge zur Senkung der Stickoxidbelastung für Berlin formuliert. Weder Herrenberg noch Reutlingen oder Mannheim fordern dabei einen vollkommen kostenlosen öffentlichen Nahverkehr, wie es ursprünglich vom Bund angedacht worden war. Eine Ausweitung und Verbesserung des ÖPNV-Angebots wird jedoch von allen angepeilt.

Herrenberg will digitale Verkehrslenkung und mehr Tempo-30-Zonen

"Wir haben in ganz kurzer Zeit Vorschläge zusammengetragen, die uns in Herrenberg eine echte Entlastung bringen könnten, die kurzfristig umsetzbar sind und modellhaften Charakter haben", sagte Herrenbergs Oberbürgermeister Thomas Sprißler (Freie Wähler). "Für die Umsetzung brauchen wir jedoch die finanzielle und organisatorische Unterstützung des Bundes."

Zentraler Punkt der Herrenberger Vorschläge ist eine digitale Verkehrslenkung und -steuerung auf den Hauptverkehrsachsen. Durch einen besseren Verkehrsfluss sollen die Emissionen verringert werden. Hierfür seien insbesondere Tempo 30 und bauliche Anpassungen vorgesehen. Auch der öffentliche Nahverkehr soll ausgebaut werden, etwa durch bessere Taktzeiten im Busverkehr und ein vergünstigtes City-Monatsticket. Ein Bürgerbus und innovative Hilfen wie eine Verkehrs-App und Web-Angebote sollen das Angebot ergänzen. Zudem will die Stadtverwaltung sogenannte Pedelecs sowie E-Fahrzeuge anschaffen, um die Mitarbeiter zum Umsteigen auf nachhaltige Mobilitätsformen zu animieren.

Reutlingen will Dieselfahrer für Fahrstopp belohnen

Reutlingen hat unter anderem die Idee vorangetrieben, Dieselfahrer dazu zu bringen, ihren Wagen stehen zu lassen. "Statt der blauen Plakette erhalten Fahrer von Dieselfahrzeugen schlechter Euro VI das blaue Umweltpaket", heißt es bei der Stadtverwaltung. "Bedingung: Die Halter müssen ihren Fahrzeugschein beim städtischen Ordnungsamt abgeben und verzichten somit freiwillig auf die Benutzung ihrer Fahrzeuges zunächst auf die Dauer von einem Jahr." Dafür soll es ein kostenloses, übertragbares Jahres-Abo für den gesamten Verkehrsverbund Neckar-Alb-Donau geben.

Damit auch Familien dafür in Frage kommen, soll das blaue Umweltpaket zudem die Jahresmitgliedschaft für den gesamten Haushalt bei einem lokalen Carsharing-Anbieter enthalten. Zudem könnte es Taxi-Gutscheine und eine Bahncard50 geben. Die Kosten dafür hat man in Reutlingen schon überschlagen und kommt auf etwa 9 Millionen Euro. Die Stadt geht dabei davon aus, dass 5 Prozent der betroffenen Dieselfahrer - also rund 2.500 Menschen - das Angebot nutzen könnten.

Auch Mannheim will ÖPNV vergünstigen

Die nordbadische Stadt Mannheim schließlich habe "ein umfassendes Programm zur Einhaltung der Grenzwerte vorgelegt", sagte Oberbürgermeister Peter Kurz (SPD). Die Schritte seien kurzfristig umsetzbar und auf andere Städte übertragbar. Konkret nannte Mannheim beispielsweise eine zielgerichtete Ausweitung des Jobtickets für den Einzelhandel oder die Absenkung des ÖPNV-Grundpreises. "Vom Bund erwarten wir jetzt eine stringente Koordination. Vor allem aber fordern wir nach wie vor, dass der Bund zu seiner Verantwortung steht und die Nachrüstung von Dieseln durch die Autoindustrie durchsetzt", betonte Kurz.

Quelle: DPA