Erdgaserkundungen

Gasbohrschiff vor Zypern blockiert: EU fordert Rückzug der Türkei

Ein italienisches Gasbohrschiff unterliegt vor Zypern seit einigen Tagen einer Blockade durch türkische Kriegsschiffe. Die EU hat nun eingegriffen und fordert Ankara dazu auf, die Blockade aufzulösen. Bisher scheint es seitens des türkischen Präsidenten kein Einlenken zu geben.

Erdgaspreise© brozova / Fotolia.com

Brüssel - Die EU hat die Türkei aufgefordert, die seit Freitag mit Kriegsschiffen durchgesetzte Blockade von Erdgaserkundungen vor Zypern aufzugeben. EU-Ratspräsident Donald Tusk rief die Regierung in Ankara am Montag dazu auf, die territoriale Souveränität Zyperns zu respektieren. Es gelte von Bedrohungen und jeglichen anderen Handlungen Abstand zu nehmen, die eine gute Nachbarschaft schädigten, erklärte er am Abend nach einem Telefonat mit Zyperns Präsident Nikos Anastasiades.

Zuvor hatte bereits eine Sprecherin von EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker deutliche Kritik an der türkischen Blockade geübt. Auch sie forderte Ankara auf, die Souveränität von EU-Staaten über deren Hoheitsgewässer und deren Luftraum zu respektieren.

Sechs türkische Kriegsschiffe blockieren Gasbohrschiff vor Larnaka

Nach Angaben aus griechisch-zyprischen Regierungskreisen hinderten zuletzt sechs türkische Kriegsschiffe ein vom italienischen Energieunternehmen ENI gemietetes Gasbohrschiff daran, ein Erforschungsgebiet südöstlich der Hafenstadt Larnaka zu erreichen. Die Blockade dauere mittlerweile seit Freitagabend an, hieß es am Montag.

Bohrungen nach Erdgas ohne Zustimmung der türkischen Zyprer missachteten deren Rechte, hieß es aus der Türkei. Das Athener Außenministerium erklärte am Montag, das Verhalten Ankaras sei nicht im Einklang mit der Haltung eines Landes, das EU-Mitglied werden wolle. Ankara verletze internationales Recht.

Erdogan warnt vor weiteren Erkundungen

Im Konflikt um Erdgasvorkommen vor der Küste Zyperns hat der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan vor weiteren Erkundungen gewarnt. "Im Moment beobachten unsere Kriegsschiffe, Luftstreitkräfte und andere Sicherheitseinheiten die Entwicklungen in der Region sehr genau, mit der Befugnis, wenn nötig, jede Art von Eingriff vorzunehmen", sagte Erdogan am Dienstag vor seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara. Er warnte, "keine falschen Berechnungen zu machen".

Erdogan sagte weiter, "opportunistische Versuche" entgingen der Türkei nicht. Ausländische Firmen sollten der griechischen Seite nicht vertrauen und sich nicht für Aktionen einspannen lassen, "die ihre Befugnisse und ihre Macht überschreiten". Erdogan warnte zudem davor, sich auf Abkommen zu berufen, "die keinerlei Gültigkeit haben", um "Bohrungsschiffe in die Region" zu schicken.

Zypern ist seit 1974 geteilt

Nach einem griechischen Putsch und einer türkischen Militärintervention ist Zypern seit 1974 geteilt. Im Norden gibt es die nur von der Türkei anerkannte Türkische Republik Nordzypern. Die Republik Zypern, deren Regierung den Südteil lenkt, ist seit 2004 EU-Mitglied. Sie wird von der Türkei nicht anerkannt. Gespräche zur Überwindung der Teilung Zyperns waren im Juli 2017 gescheitert.

Quelle: DPA