Feinstaub

Etwas bessere Luft am Stuttgarter Neckartor

Das Stuttgarter Neckartor gilt als Deutschlands schmutzigste Kreuzung, was Feinstaub und andere Schadstoffe angeht. Nach wie vor werden dort EU-Grenzwerte gerissen. Die Entwicklung scheint jedoch in die richtige Richtung zu gehen.

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Stuttgart - Die Luft an Deutschlands schmutzigster Kreuzung in Stuttgart ist 2017 zwar besser geworden - Schadstoffgrenzwerte der EU werden aber weiter gerissen. "Wir werden besser, aber sind noch nicht am Ziel", sagte Oberbürgermeister Fritz Kuhn (Grüne) am Montag bei seiner Bilanz für die Entwicklung gesundheitsgefährdender Schadstoffe wie Feinstaub und Stickstoffdioxid vor allem am Stuttgarter Neckartor, die seit etlichen Jahren bundesweit Negativschlagzeilen macht.

Ein "Schritt in die richtige Richtung"

Beim Feinstaub werde der EU-Grenzwert am Neckartor am Jahresende vermutlich an rund 50 Tagen überschritten sein. Erlaubt sind 35. Im Jahr 2016 seien es aber 63 gewesen, sagte Kuhn, der darin einen "Schritt in die richtige Richtung" sieht. Zumal die Grenzwerte an allen anderen Stationen unterschritten würden.

Auch bei den Stickoxiden sieht er die Entwicklung auf gutem Weg. So sei die Stundenzahl, an denen der erlaubte Spitzenwert überschritten wurde, an mehreren Messstellen "massiv zurückgegangen". Von 35 Stunden im Jahr 2016 auf nur noch drei Stunden in diesem Jahr. Erlaubt sind 18 Stunden im Jahr. Allerdings: Der erlaubte Jahresmittelwert wird 2017 am Neckartor und auch anderswo in der Stadt deutlich überschritten. "Aber wir können das Ziel sehen."

Bürgermeister fordert Einführung einer Blauen Plakette

Er kämpfe weiter gegen jedes Mikrogramm, sagte Kuhn, der erneut die Einführung einer Blauen Plakette forderte, mit der etlichen älteren Fahrzeugen die Zufahrt zur Innenstadt verwehrt werden könnte. Da sei aber der Bund am Zug. Die Stadt hingegen tue, was sie könne. Vor allem mit einem Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, wie Kuhn betonte. Bei Feinstaubalarm an Tagen mit hoher Schadstoffbelastung seien die Stadtbahnen voller als sonst.

Maßnahmen gegen den Feinstaub

Zudem baue die Stadt auf eine sogenannte Verflüssigung des Verkehrs. Stop-and-Go gelte es zu vermeiden, um den Schadstoffausstoß zu mindern. Der Radverkehr werde ausgebaut. Teil eines Katalogs ist auch das Verbot für das Anfeuern von Kaminen, die nur der Gemütlichkeit dienen, an Feinstaubalarmtagen.

Zudem rechnet Kuhn im April mit Ergebnissen zum Test des Einsatzes einer Nassreinigungsflotte. Spezialfahrzeuge säubern die Straßen rund um das Neckartor, um weniger Feinstaub entstehen zu lassen. Parallel laufe der wissenschaftliche Versuch mit einer 100 Meter langen Mooswand. Erst im Sommer sei klar, ob sich die Luft damit tatsächlich reinigen lasse.

Quelle: DPA