Nachhaltigkeit

Deutsche Post DHL will bis 2050 CO2-frei sein

Die Deutsche Post DHL will verstärkt auf Nachhaltigkeit setzen und plant, bis 2030 sieben Milliarden Euro zu investieren. Damit soll der CO2-Ausstoß drastisch gesenkt werden. Bis 2050 will der Logistik-Konzern keine fossilen Treibstoffe mehr nutzen.

Diana Schellhas, 22.03.2021, 15:38 Uhr (Quelle: DPA)
Streetscooter Post© Deutsche Post AG

Um weniger Luftverschmutzung zu verursachen, will der Logistikriese Deutsche Post DHL deutlich mehr Elektrofahrzeuge auf die Straßen schicken. Allein in diesem Jahr werden in Deutschland bis Jahresende 5.000 zusätzliche Streetscooter in Betrieb genommen, sagte Konzernchef Frank Appel am Montag in Troisdorf bei Bonn. Damit wären es etwa 20.000.

Bis 2030 soll der Anteil der Stromer in der Firma auf der letzten Meile - also auf der Strecke bis zur Paketabgabe - von weltweit etwa 18 Prozent (Ende 2020) auf 60 Prozent steigen. Sollte der Plan umgesetzt werden, wären am Ende dieses Jahrzehnts mehr als 80.000 E-Fahrzeuge für das Unternehmen unterwegs.

Deutsche Post DHL will sieben Milliarden Euro investieren

Appel und Finanzvorständin Melanie Kreis trimmen den Konzern nun verstärkt auf Nachhaltigkeit - ein Wort, das Hochkonjunktur hat in der Logistik. Auch die Wettbewerber haben ihn sich auf die Fahnen geschrieben, sind aber nicht so weit wie der Bonner Marktführer. Sieben Milliarden Euro will die Deutsche Post DHL bis Ende 2030 in "klimaneutrale Logistiklösungen" investieren.

Alternative Treibstoffe stehen im Mittelpunkt

Neben Elektrofahrzeugen geht es vor allem um den Einsatz von alternativen Treibstoffen in Flugzeugen, die unter anderem aus Industrieabfall gewonnen werden und klimaschonend sind. Auch Lastwagen, die auf langen Distanzen fahren, sowie Schiffe mit DHL-Fracht an Bord sollen mit Ökotreibstoff betankt werden. Zudem soll der Gebäudebestand modernisiert werden.

Die Ökokraftstoffe können aber nur als Beimischung genutzt werden - fossile Treibstoffe kommen also weiterhin zum Einsatz. Auf lange Sicht soll sich das aber ändern, 2050 will die Firma CO2-frei sein: Dann will sie gar keine fossilen Treibstoffe mehr nutzen.

CO2-Ausstoß soll trotz Wachstum deutlich sinken

Durch das Maßnahmenpaket soll der jährliche CO2-Ausstoß des Konzerns von zuletzt 33 Millionen Tonnen CO2 auf unter 29 Millionen Tonnen im Jahr 2030 gesenkt werden - und das, obwohl das Unternehmen stark wächst. Ohne die Maßnahmen wären es nach Schätzung des Konzerns 46 Millionen Tonnen Kohlendioxid am Ende dieses Jahrzehnts. "Wir machen aus unserem gelben Konzern ein grünes Unternehmen", sagt Appel.

Dabei folgt die Firmen relativ strengen Kriterien - nicht nur der CO2-Verbrauch von der Betankung bis zur Paketübergabe wird berechnet, sondern es wird auch das bei der Treibstoff-Produktion erzeugte Treibhausgas berücksichtigt.

Konzernboss Appel: Auch andere werden investieren

Die geplanten Fortschritte in Sachen Nachhaltigkeit sind teuer - lohnt sich das angesichts scharfer Konkurrenz in der Branche? Ja, sagt Konzernboss Appel: Er setzt darauf, dass Konkurrenten ebenfalls mehr investieren werden. "Wenn das passiert, werden sicherlich auch die Preise steigen", sagt der Manager. Sollte die Konkurrenz ihre Investitionen nicht hochschrauben und demzufolge zunächst keine höheren Kosten haben, so könnte DHL nach den Worten von Appel zwar die Preise im Jahr 2030 vielleicht nicht anheben. "Aber wir werden einen signifikanten Wettbewerbsvorteil haben, der uns dann hilft, unser Geschäft schneller wachsen zu lassen."

Der Bundesverband Paket & Expresslogistik (Biek), in dem sich unter anderem DPD und Hermes und damit Wettbewerber des ehemaligen Staatsmonopolisten organisiert haben, verweist auf Fortschritte seiner Mitgliedsfirmen, etwa verstärkte Investitionen in die Elektromobilität. Zugleich schreibt der Verband, dass die Wirtschaftlichkeit bei Elektrofahrzeugen infolge hoher Anschaffungskosten "immer noch nur bedingt gegeben" sei.

Durch Streetscooter hat sich der CO2-Ausstoß

Mit dem Streetscooter stellt die Post schon seit Jahren einen eigenen E-Transporter her. Das einst gefeierte Projekt scheiterte aber, vergangenes Jahr wurde die Einstellung beschlossen. Noch werden Streetscooter hergestellt, aber ein Ende ist absehbar. Appel ist zuversichtlich, dass man nach dem Produktionsende ein ausreichend großes Angebot von externen Transporterherstellern haben werde, um die eigene E-Flotte weiter hochzufahren.

Auf die Treibhausgas-Bilanz der Bonner hat sich Streetscooter positiv ausgewirkt: Die derzeit rund 15.000 Stromer in der Deutschlandflotte haben entscheidend dazu beigetragen, dass der CO2-Ausstoß pro Paket in Deutschland relativ gering ist - nach Angaben von Appel waren es zuletzt weniger als 0,5 Kilo, bei DPD waren es (Stand 2019) 0,85 Kilo. DPD will hier besser werden, 2025 sollen es weniger als 0,7 Kilo sein. Der beispielhafte Zahlenvergleich zeigt, dass der Branchenprimus seiner Konkurrenz beim Thema CO2 voraus ist.