Gemeinschaftsunternehmen

Brennstoffzellen-Lkw: Daimler und Volvo gründen Joint Venture

Daimler und Volvo wollen in Zukunft gemeinsam Brennstoffzellen-Antriebe für Lastwagen entwickeln. Dafür soll ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet werden. Völlig überraschend ist eine Zusammenarbeit nicht: hinter beiden Firmen steht Großaktionär Li Shufu.

Diana Schellhas, 21.04.2020, 12:28 Uhr (Quelle: DPA)
VerkehrDaimler-Truck-Chef Martin Daum spricht von einem Meilenstein, um brennstoffzellenbetriebene Lkw auf die Straßen zu bringen.© LVDESIGN / Fotolia.com

Die Lastwagenbauer Daimler und Volvo tun sich bei der Entwicklung von Brennstoffzellen-Antrieben zusammen. Gemeinsam wollen sie bis zum Ende dieses Jahrzehnts schwere Nutzfahrzeuge für den Fernverkehr zur Serienreife bringen, wie sie am Dienstag mitteilten. Dazu werde ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet, das beiden Partnern jeweils zur Hälfte gehören wird. Daimler-Truck-Chef Martin Daum sprach in einer Mitteilung von einem "Meilenstein, um brennstoffzellenbetriebene Lkw und Busse nun auf unsere Straßen zu bringen".

Weitere Partner gesucht

"Mit der Gründung dieses Joint Ventures zeigen wir deutlich, dass wir an die mit Wasserstoff angetriebene Brennstoffzelle für Nutzfahrzeuge glauben", betonte der Chef der Volvo Group, Martin Lundstedt. Damit sie funktioniert, müssten allerdings noch weitere Unternehmen und Institutionen die Entwicklung unterstützen, nicht zuletzt, um die notwendige Infrastruktur aufzubauen, um Brennstoffzellen-Fahrzeuge auch betanken zu können.

Joint Venture zwischen Daimler und Volvo muss noch abgesegnet werden

Daimler will den Angaben zufolge alle seine bisherigen Aktivitäten rund um die Brennstoffzelle bündeln und dann in das neue Unternehmen einbringen, die Volvo Group wiederum soll dann für etwa 600 Millionen Euro die Hälfte daran kaufen. Beide Partner würden im Anschluss mindestens jeweils neunstellige Beträge - also in der Größenordnung von mehr als 100 Millionen Euro - in die Technologie investieren, sagte Daum in einer Telefonkonferenz.

Bei Daimler bekommt die Lkw-Sparte mit dem Deal für die gesamte Brennstoffzellentechnologie im Konzern die Führungsrolle. Ziel der Partner ist es, in der zweiten Hälfte des Jahrzehnts Serien-Lkw und -Busse mit dieser Technik auf die Straße zu bringen. Hintergrund ist, dass die EU wie auch bei Pkw die Reduktion der CO2-Emissionen über die kommenden Jahre deutlich verschärft hat. Schwere Lkw müssen die klimaschädlichen Abgase bis 2025 um 15 Prozent gegenüber 2019/20 und bis 2030 um 30 Prozent reduzieren.

Grundsätzlich ist eine Zusammenarbeit von Daimler und Volvo nicht überraschend. Großaktionär bei beiden ist der Gründer des chinesischen Autokonzerns Geely, der Milliardär Li Shufu, der schon mehrere Kooperationen vorangetrieben hat. Daimlers Kleinwagenmarke Smart etwa wird künftig in Zusammenarbeit mit Geely in China produziert.

Kosten sparen und Brennstoffzellen-Technologie voranbringen

Beide Seiten betonten, dass die Bündelung ihrer Kräfte die Entwicklungskosten senken und die Markteinführung von schweren Langstrecken-Lkw mit Brennstoffzellen beschleunigen werde. Daimlers Lastwagensparte kämpft mit dem Gegenwind der weltweit nachlassenden Konjunktur und setzt für die kommenden Jahre vor allem auf mehr Effizienz. Spartenchef Daum will die Kosten erheblich senken, um trotz sinkender Verkaufszahlen weiter genug Geld für wichtige, zugleich aber teure Zukunftsprojekte wie die Brennstoffzelle zur Verfügung zu haben.

Das Gemeinschaftsunternehmen mit Volvo soll sich auch noch mit anderen Anwendungsmöglichkeiten befassen. Grundsätzlich blieben die Daimler Truck AG und die Volvo Group aber Konkurrenten, hieß es.