Die Aktionsbonus-Falle

Dieses Thema im Forum "FlexStrom" wurde erstellt von Elsirion, 26. Oktober 2011.

  1. Elsirion

    Elsirion Starter

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    "Finger weg von Flexstrom!“ hätte mir ein Hellseher auf der Kirmes mal lieber prophezeien sollen, als ich 2010 zu Flexstrom wechselte. Es klang ja alles bei einem großen Vergleichsportal ganz nett. Die kWh nur mäßig teurer als beim alten Anbieter, dazu einen Urlaubsgutschein, 100 freie kWh und 75.-€ Aktionsbonus, fällig nach 12 Monaten Belieferungszeit, der spätestens (!) mit der ersten Jahresrechnung verrechnet wird.
    Spätestens? Ja, auch vorher könnte er also ausbezahlt werden. Allerdings heißt es auch in den AGB, 7.3, dass der Vertrag nicht im Laufe des 1. Belieferungsjahres gekündigt werden dürfe. Es sei denn, die Wirksamkeit der Kündigung trete erst nach dem 1. Belieferungsjahr in Kraft.
    Nun mag sich Otto Normalverbraucher denken, das ist ja merkwürdig. Ich bin ja schließlich eh einen Vertrag eingegangen, der über ein Jahr läuft. Vielleicht sichert sich der Stromlieferant gegen eine vorzeitige Sonderkündigung ab. Doch nur wozu? Schließlich gibt er auch eine einjährige Preisgarantie. Also kein Problem... denkt Otto Normalverbraucher.
    Als nach Einzug des letzten Quartalsabschlags ein Schreiben kommt mit der Ankündigung der Ausschüttung des Aktionsbonus', wird auch gleich das neue Preismodell für das 2. Jahr angekündigt. Der Bonus soll mit dem ersten Abschlag des 2. Jahres verrechnet werden. Wissen Sie, welche Teuerungsrate der neue Abschlag ausweist? Abgerundet 53%! Und nein, wir hatten einen Mehrverbrauch von nicht einmal 10%. Daran kann es also nicht gelegen haben.
    Strom wird teuerer, ok, aber nicht in diesem Ausmaß. Ein anderer Stromanbieter wird beauftragt, nach Ablauf des ersten 1. Belieferungsjahres von Flexstrom die Stromversorgung zu übernehmen. Die Kündigung wird entsprechend den Flexstrom-AGB also ausgesprochen. Zwar noch im letzten Belieferungsviertel im 1. Jahr, jedoch wirksam im neuen, praktisch 2. Jahr.
    Die Abrechnung erfolgte nun ein halbes Jahr später und seitdem haben wir einen regen Briefwechsel. Wer kann sich vorstellen warum? Richtig, der Aktionsbonus in Höhe von 75.-€ wird nicht ausgezahlt, entgegen der Ankündigung und entgegen den Vertragsbedingungen. Natürlich geht man – wer will schon böse Absicht unterstellen? - von einem Versehen aus. Doch Flexstrom verweist auf die AGB 7.3, dass die dort genannten, oben aufgeführten Bedingungen nicht erfüllt worden seien. Hätte man irgendwelche Sondervereinbarungen getroffen, wären natürlich diese bindend. Man solle diese vorlegen.
    Sondervereinbarungen? Nun ja, man mag die Feststellung der Fälligkeit der Auszahlung als Sondervereinbarung sehen. Für mich ist diese Feststellung jedoch nicht mehr, als die Entsprechung des Vertrages inkl. AGB 7.3. Auf die umgekehrte Frage, weshalb der Bonus nicht fällig sei, erhalte ich die Antwort, weil die Bedingungen der AGB nicht erfüllt worden seien. Man stelle sich vor, ich hätte die Frage gestellt, „Warum drehen wir uns im Kreis?“ Die Antwort hätte wohl analog gelautet: „Bitte beachten Sie, dass wir uns im Kreis drehen.“ In einem dritten Schreiben an einen weiteren Ansprechpartner lege ich abermals die Problematik vor und bitte um Aufklärung. Wieder erhalte ich die Antwort, entsprechend AGB 7.3 werde der Bonus von 75.-€ im Kündigungsfalle während des 1. Jahres nur dann ausgezahlt, wenn die Wirksamkeit nach Ablauf des 1. Belieferungsjahres wirksam sei. Nun bin ich ja fast schon erleichtert. Endlich sieht ein Flexstrommitarbeiter es genauso, wie ich es beschrieben habe. Wenn diese Bedingungen, wie gehabt erfüllt sind, dann bekomm ich den Bonus. Also schreibe ich wieder einen Brief, wenn wir uns doch so einig sind, dass man so zum Bonus gelangt, weshalb der Bonus nicht ausgezahlt wird? Wenn Flexstrom der Annahme sei, ich hätte nicht erst nach Ablauf des ersten Jahres wirksam gekündigt, dann möge mir das Unternehmen doch eine Kopie der Kündigung zuschicken, das seine These belegt.
    Mit Glücksgefühlen sende ich meinen 5. Brief los und raten Sie mal, was kommt? Nein, keine Absage. Nein, auch nicht die 75.-€. Und nein, schon gar nicht ein Beleg dafür, dass ich die Bedingungen von AGB 7.3 nicht erfüllt habe. Sondern lediglich die aberwitzige Zeile:
    „Bezüglich Ihrer Anfrage zum Bonus verweisen wir auf die vorangegangene E-Mail vom 19.10.2011.“
    Hätte mich einmal der Hellseher auf der Kirmes gewarnt, dass ein Stromanbieter namens Flexstrom sich mit einem solchen Bonusversprechen auf die vorderen Plätze im Stromvergleich katapultiert, nur um sich an arglosen Kunden mit falschen Angeboten zu bereichern. Ich hätte wohl einen Arbeitstag mit Überstunden weniger, um die Schädigung wieder einzuarbeiten, und der Hellseher säße wohl schon auf einem hohen Posten der Netzaufsicht oder gar im Ministerium, um Bürger wie Otto Normalverbraucher und mich vor [Von der Redaktion vorsorglich gelöscht, im Hinblick auf eventuelle Rechtsgründe] zu beschützen.
     
  2. KCH

    KCH Fachmann

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    Hallo Elsirion,
    Die "Hellseher" gab es hier im Forum schon damals zuhauf und ein wenig Recherche vor einem Vertragsabschluß hätte nicht geschadet...

    Und bei soviel Mildtätigkeit wird man nicht mißtrauisch?

    Da hat Otto Normalverbraucher aber nicht richtig hingeschaut, denn in den AGB`s steht, wie bei vielen anderen Verträgen auch, dass sich der Vertrag verlängert, wenn er nicht fristgerecht gekündigt wird.


    Diese Verwunderung über den hohen Abschlag kann ich nicht ganz teilen, ist der doch eine der Säulen des "Geschäftsmodells" von FS.

    Das nun wiederum verstehe ich ganz und garnicht: die Kündigung wird nach dem ersten Belieferungsjahr wirksam, womit Sie ein weiteres, zweites Jahr von FS beliefert werden, und Sie beauftragen einen "anderen Stromanbieter"?

    Gruß KCH
     
  3. gotti

    gotti Routinier

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    Hallo Elsirion,

    ist es richtig, daß FS die Kündigung akzeptiert hat? Sie haben ja die Kündigungsfrist eingehalten und zum Ende des ersten Belieferungsjahres gekündigt. Somit ist es vollkommen klar, daß die Kündigung erst zum Anfang des 2.Jahres wirksam wird.

    Eigentlich dürfte niemand mehr zu FS wechseln, wenn man sich vor Vertragsabschluß in den verschiedenen Foren umsieht. Der größte Teil ist der Meinung, daß nur andere von den Machenschaften betroffen sind, aber nie sie selbst. Auch kann man es einfach nicht glauben, daß so ein Unternehmen ganz gezielt die Kunden zu [Von der Redaktion vorsorglich gelöscht im Hinblick auf eventuelle Rechtsgründe] versucht.
    (An die Redaktion: Ich war von 03.09 - 02.10 Kunde bei FS. Mich wollte FS genauso abzocken, wie es tausendfach in den Foren beschrieben ist. Anhand meiner Jahresabrechnungen kann ich es auch belegen.)

    Hallo Elsirion: Der Hellseher hätte eigentlich mehr vor den Vergleichsportalen warnen sollen. Es ist ja nicht nur FS, sondern auch andere Stromanbieter, die durch solche Machenschaften auffallen. Wie lange war Teldafax noch ganz vorne bei den Vergleichsportalen, obwohl die Insolvenz nur mehr eine Frage der Zeit war (Stromdurchleitungen wurden gekündigt, die Banken haben keine Einzugsermächtigungen mehr vorgenommen usw.), aber die Provisionen sind noch geflossen.

    [Von der Redaktion vorsorglich gelöscht, im Hinblick auf eventuelle Rechtsgründe]

    gotti
     
  4. Elsirion

    Elsirion Starter

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    Interessant wie Sie zu der Aussage gelangen. Selbstverständlich haben wir Erfahrungsberichte gelesen. Wir hatten nur einen einzigen negativen gefunden. Die große Menge an Beschwerden kam ca. 2-3 Monate nach Vertragsabschluss, wie wir nun im Nachhinein feststellen.
    Interessant ist jedoch zu welchen Beiträgen sich KCH wie äußert. JedeR möge sich ein eigenes Bild davon machen, um zu wissen aus welcher Richtung der Wind weht...

    Es handelt sich um ein Geschäft und nicht um Mildtätigkeit. Davon kann auch keine Rede sein, da Flexstrom nicht auf den ersten Plätzen, wenn auch auf den vorderen war für unseren Stromvergleich. D.h. dieses Paket hatte ernsthafte Konkurrenz, war allein von der Zusammenstellung her auch nicht das günstigste. Es war jedoch gleichwohl ein konkurrenzfähiges, sonst hätten wir uns letztlich nicht dafür entschieden.

    Es ist wunderbar, dass Sie den Finger genau auf den wunden Punkt legen und dabei so merkwürdig direkt der Argumentation von Flexstrom folgen. Vielleicht sind Sie aber auch juristischer Experte. Denn laut Amtsgericht Berlin-Tiergarten ist es einem solchen möglich, Feinheiten in der Definition von Wirksamkeit, Ausspruch u.a. in diesem Zusammenhang bedeutsamer Worte so zu verstehen, dass aus dem Aktionsbonus zur Eröffnung faktisch ein Treuebonus im zweiten Jahr wird. Nun bin ich ein Laie und auch das Landgericht Heidelberg mag mir wenig schmeicheln, wenn es mich als jemand bezeichnet, der auf Bauernfängerei hereingefallen ist. Beide stehen für mehrere Beispiele an Richtersprüchen, die festhalten, dass es dem juristisch durchschnittlich vorgebildeten Bürger unmöglich ist, als das Angebot und die AGB so zu verstehen, dass man die Kündigung im ersten Jahr aussprechen kann und muss, will man nicht ein 2. Belieferungsjahr haben, die Wirkung der Kündigung aber nach Vollendung des Belieferungszeitraums wirksam sein lässt. Auf gut Deutsch eben, ich nehme die 12 Monate von euch Strom ab zu den vereinbarten Bedingungen und danach nicht mehr. Das ist also keine Kündigung, die irgendwie das erste Jahr betrifft.

    Hm, die Säulen der großen, antiken Tempel oder auch des Washingtoner Kapitols sind weithin sichtbar. Nur weil es naheliegend ist, dass der Anbieter nach dem ersten Preisgarantiejahr die Preise hochschraubt, sagt das noch nichts aus über die Höhe oder die Kenntlichmachung. Beides tut nichts zur Sache. Nur soll dieser zuletzt zitierte, sachfremde Kommentar nicht unkommentiert das Board verunzieren.

    Mit besten Grüßen und die Ermutigung an die Boardleser, sich nicht durch Lobbyisten irre machen zu lassen.
     
  5. Elsirion

    Elsirion Starter

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    Gekündigt wurde fristgerecht durch den neuen Stromanbieter, wirksam zum Anfang des 2. Jahres.

    Wollte? D.h. FS war bei Ihnen nicht erfolgreich. Wie haben Sie das geschafft?

    Wir benutzten die Portale als Hilfsmittel und stellten dann auch nochmals eigene Vergleiche an über die Informationen von den Anbietern direkt.
     
  6. 50Hz

    50Hz Aufsteiger

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    Vermutlich werden auch weiterhin tausende Verbraucher zu Flexstrom wechseln und erst nach Erhalt der ersten Preiserh”hung die Beitr„ge in Foren lesen .
    Fr viele haben TV Beitr„ge wie z.B. " Bauer sucht Frau " und " DSDS " einen deutlich h”heren Stellenwert.
    Bittesch”n !
     
  7. Emmi

    Emmi Gelegenheits-User

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  8. gotti

    gotti Routinier

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    Hallo Elsirion,

    Ihre Frage, wie ich es geschafft habe ohne anwaltliche oder gerichtliche Hilfe den Bonus zu bekommen:

    Ich war Kunde von FS vom 03.09. - 02.10. Ich hatte den Tarif family 5600 Paket. 135,-- Euro Neukundenbonus. Eine Preisgarantie habe ich erstmals nicht bezahlt. Pünktlich nach 6 Wochen kam ein Flyer mit Umstellung meines Tarifs ab 01.06.09. Daraufhin habe ich noch die Preisgarantie überwiesen in der Hoffnung, daß FS diese stillschweigend anerkennt. Fs hat auch nicht mehr von sich hören lassen. Ende August 09 habe ich den Vertrag mit Ablauf des Belieferungsjahres (02.10) gekündigt.

    Anfang Juni 10 erhielt ich die erste Abrechnung von FS. Nachzahlung ca. 350,-- Euro.
    Ich hatte einen Mehrverbrauch von ca. 800 kw/h. FS hat von sich aus den Tarif ab 01.06. umgestellt und abgerechnet. Darauf erhielt FS von mir eine E-mail: Ich habe die Preisgarantie am ...... überwiesen. Eine Überweisung des Restbetrages erfolgt, wenn eine richtige Abrechnung vorliegt.

    Eine woche später erhielt ich von FS eine berichtigte Abrechnung als erste Mahnung. Nachzahlung ca. 270,-- Euro. Die Preisgarantie wurde als Vorauszahlung gerechnet.
    Darauf erhielt FS von mir wiederum eine E-mail. Der Restbetrag wird erst überwiesen, wenn eine richtige Abrechnung vorliegt.

    Wiederum eine Woche später erhielt ich von FS eine Abrechnung mit einer Nachzahlung von ca. 220,-- Euro. Hier wurde der Neukundenbonus berücksichtigt nicht jedoch die Preisgarantie.

    Darauf habe ich FS schriftlich die Abrechnung erstellt unter Einbeziehung des Neukundenbonus und Berücksichtigung der Preisgarantie: Nachzahlung 50,02 Euro.
    Ich teilte FS mit, daß ich die Nachzahlung nur leiste, wenn eine Abrechnung über diesen Betrag (+/- 5 CT) bei mir im Briefkasten ist. Sollte FS der Meinung sein, daß die Abrechnung so nicht in Ordnung ist, dann müssen sie klagen. Ich erwähnte in diesem Schreiben, daß ich Briefe von Inkassobüros sofort im Papiercontainer entsorgen werde und einem gerichtlichen Mahnverfahren widersprechen werde. Also wenn FS anderer Meinung ist, dann müssen sie den Klageweg beschreiten.

    Eine Woche später kam eine berichtigte Abrechnung mit einer Nachzahlung von 50,02 E.

    Die Einzugsermächtigung habe ich FS mit der Kündigung entzogen.

    Soviel zu meinen Erfahrungen mit FS.

    gotti
     
  9. Elsirion

    Elsirion Starter

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    Super, ganz lieben Dank!!! Wir waren noch am Überlegen, ob wir das wirklich so machen sollen oder lieber das Geld sparen. Der Beitrag hat tatsächlich unseren Entscheidungsprozess beschleunigt
     
  10. Elsirion

    Elsirion Starter

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    Ganz herzlichen Dank für den Einblick. Die Standardformulierung bei Kündigungsschreiben, die Einzugsermächtigung zu entziehen, hat mir leider wenig geholfen, da wir abzüglich der Kautionszahlung eine Rückzahlung erhalten hatten.
     
Schluss mit steigenden Stromkosten. Zeit zu wechseln!